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Elberadweg (Stefan Haeder)
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Etappen: 11
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Elberadtour, gefahren vom 28. August bis 07. September 2006. Von Cuxhaven
bis Usti nad Labem (ca. 840 km). |
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Fotos: S. Haeder
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Einleitung: |
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Wenn
man eine Radtour an einem Fluss entlang
plant, stellt sich irgendwann die Frage,
ob man flussauf oder flussab fahren
sollte. Der gesunde Menschenverstand
spricht zunächst einmal dafür, sich
talabwärts zu bewegen.Damit verbindet
man die Vorstellung von Bergabfahrten,
die einem ein wenig die Mühsal des dauernden
Tretens in die Pedale ersparen. Bei
näherer Betrachtung der Landschaftsform
des Elbtals wird aber schnell klar,
dass das geringe Gefälle kaum zum Vorwärtskommen
genutzt werden kann. Wichtig ist dagegen
für den Radfahrer der Wind. Dieser weht
in Deutschland meist von West nach Ost.
Fährt man die Elbe talabwärts, so hat
man den Wind eher von vorn, bei umgekehrter
Fahrtrichtung dagegen eher im Rücken.
Das hat uns bewogen, die Radtour in
Cuxhaven zu beginnen. Während der Radtour
elbaufwärts wurde uns schnell klar,
dass wir die richtige Entscheidung getroffen
hatten. Die angestrengten Gesichter,
der uns entgegen kommenden Radfahrer,
die gegen den oft stramm wehenden Wind
ankämpfen mussten, sprachen für sich. |
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1. Tag: Cuxhaven bis Neuhaus (ca.
25 Kilometer)
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Wenn man nicht gerade aus Cuxhaven
kommt, empfiehlt sich für den Radfahrer
die Anreise dorthin mit der Bahn. Der
kürzeste Weg zum Elberadweg vom Bahnhof
in Cuxhaven ausgehend führt durch Gegend
des Fischereihafens. Dazu verlässt man
den Bahnhof durch den Hauptausgang und
wendet sein Stahlross 90 Grad nach rechts.
Im Fischereihafen sollte man sich nicht
die Gelegenheit entgehen lassen, in
einem der zahlreichen Fischgeschäfte
und Restaurants vorbei zu schauen. Nach
Osten fährt man dann weiter aus dem
Hafengebiet heraus und sieht auch schon
bald linker Hand den Deich. Man sollte
die frühestmögliche Gelegenheit nutzen,
von der Straße herunter und auf diese
Küstenschutzanlage zu kommen. Wenn
man den Elberadweg dagegen von der Mündung
der Elbe an beginnen möchte, dann muss
man sich vom Bahnhof zur Kugelbake begeben.
Diese markiert den Übergang der so genannten
Tideelbe, die sich von Geesthacht bis
zum Meer erstreckt, in die Nordsee.
Auf dem Weg zur Kugelbake sollte man
dann aber auch nicht versäumen, der
Innenstadt von Cuxhaven noch etwas Aufmerksamkeit
zu widmen.
Wir kannten vor Beginn
unserer Radtour bereits sowohl Stadt
als auch Bake und wandten uns gen Fischereihafen.
Aufgrund starken Regens - dieses Wetterphänomen
soll an der Küste häufiger zu beobachten
sein - mussten wir unser Bekleidungskonzept
spontan umstellen und ganz auf Wasserdichtigkeit
setzen. Von da an waren Regenzeug und
Starkregen zwei Tage unsere ständigen
Begleiter. Der Elberadweg führt von
Cuxhaven bis Otterndorf vor dem Deich
entlang. Wegen der zahlreichen Weidegatter,
die durch kleine Pforten zu queren sind,
kommt man eher langsam voran. Die zahlreichen
Hinterlassenschaften der vielen Schafe
bilden in Verbindung mit Regen eine
etwas rutschige Unterlage, sind aber
natürlich kein Hindernis.
Von
Otterndorf wandten wir uns Richtung
Freiburg - nein, nicht das im Breisgau.
Da der Regen immer unnachgiebiger prasselte,
suchten und fanden wir allerdings schon
früher als geplant eine Unterkunft in
Neuhaus. Zuerst versuchten wir es im
Haus "Achtern Diek". Obwohl
das Restaurant montags Ruhetag hatte,
lud ein Schild an der Tür dazu ein,
nach Zimmern zu fragen. Radfahrer sind
dort angeblich willkommen. Aber wohl
nicht, wenn sie vor Regen triefend nass
sind und gerade etwas Spannendes im
Fernsehen läuft. Die Dame, die sich
auf unserer wiederholtes Klingeln an
der Haustür zeigte, behauptete - nicht
ganz glaubhaft - das Haus sei bereits
ausgebucht. Wir wurden an das "Hotel
Neuhaus" verwiesen.
Die Zimmer
dort erwiesen sich als einfach, aber
sauber und mit dem Wesentlichen ausgestattet.
Der Wirt zeigte sich sehr fürsorglich,
beinahe hatte man den Eindruck, es sei
ihm unangenehm, nicht mehr bieten zu
können. Sowohl das Zigeunerschnitzel
als auch das Spiegelei mit Bratkartoffeln
waren sehr lecker, das Frühstück sehr
reichlich. Abends begaben wir uns, dem
Rat des Wirts folgend, in die ca. 200
Meter entfernt gelegene Wirtschaft,
in der im Hause hergestelltes Bier angeboten
wurde. Das selbstgebraute Dunkle erwies
sich als sehr süffig. Die Stammgäste
des Lokals vermittelten einen anschaulichen
Eindruck der Melancholie des Lebens
hinter dem Deich. Der Suff gehört da
irgendwie mit zu. Beim Bezahlen gabs
dann noch einen Hausmacher-Sanddornschnapps
aufs Haus. Der regnerische Tag war dann
doch noch gerettet. Die letzten Gedanken
vor dem Einschlafen galten dann noch
der nassen Bekleidung und der Sorge,
ob diese morgens wieder trocken sein
würde.
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2. Tag: Neuhaus bis Hamburg -
Blankenese (95 Kilometer)
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Der
Tag beginnt wie der vorige geendet hat.
Im Regen fahren wir zunächst am Deich
entlang in die Richtung von Freiburg
an der Elbe. Es finden sich allerdings
auf dem Weg dorthin immer wieder Straßen,
die zu unserem weiteren Zwischenziel
Stade führen. Also kürzen wir ab und
lassen Freiburg nördlich unserer Route
liegen. Zu bemerken ist, dass es nicht
immer möglich ist, den Deich rund um
die Uhr zu befahren. Es gibt dort stellenweise
Brücken, die hochgefahren werden, um
die Schifffahrt passieren zu lassen.
Auch insofern ist eine selten befahrene
Straße dem Deich vorzuziehen, bei Regen
allemal.
Bushaltestellen gewähren
ab und an Schutz vor den stärksten Regenschauern.
Nur Schnee und Hagel fehlen noch. Durch
Regenschleier sind durchaus die beeindruckenden
alten norddeutschen Häuser zu erkennen.
Im Alten Land kann man sich zudem bald
über eine gute Obsternte freuen. Einen
beträchtlichen Teil der Strecke fährt
man hinter dem Deich, ohne jedoch die
Elbe zu sehen. Dafür viel weite Landschaft.
Stade
erreichen wir im Regen. Dieser macht
gerade dann eine Pause, als wir in einem
großen Café einige Straßen vom Altstadthafen
entfernt sehr guten Kuchen anstelle
eines Mittagessens zu uns nehmen. Beim
Verlassen des Cafés setzt der Regen
dann wieder machtvoll ein. Wir verlassen
die Altstadt und wenden uns nach Hamburg.
Während
der Fährüberfahrt nach Wedel klart es
auf. Im Sonnenschein verfolgen wir
die Begrüßung eines chinesischen Containerschiffs
durch die Schiffsbegrüßungsanlage unweit
des Wedeler Fähranlegers.
Von
hier könnte man bereits die S-Bahn nach
Hamburg-Blankenese nehmen. Dann entgingen
einem aber die durchaus eindrucksvollen
und neiderzeugenden Villen am steilen
Nordufer der Elbe bei Blankenese. Einer
missverständlichen Wegbeschreibung einer
Frau folgend, die wir nach dem Weg zu
unserem Hotel gefragt hatten, fahren
wir zunächst zu weit und machen bei
der anschließenden
Rückfahrt nach Blankenese Bekanntschaft
mit den Hamburger Bergen. Das gibt Punkte
für die Bergwertung. Das Hotel Blankenese
- das mit 69 Euro p.P. teuerste der
Tour - ist modern, zweckmäßig und sauber.
In dem argentinischen Restaurant im
Erdgeschoss füllen wir unsere Energiespeicher
mit Nudelgerichten. Der offene Rotwein,
von dem die Bedienung keine Einzelheiten
mitteilen kann, ist richtig temperiert
und schmeckt uns hervorragend. Eine
Flasche pro Nase lässt uns trotz schlechter
Wetterprognose optimistisch in die nähere
Zukunft blicken. Sicherlich ließe sich
über die Gegend mehr sagen, wenn man
trocken unterwegs gewesen wäre.
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3. Tag: Hamburg - Blankenese bis
Bleckede (60 Kilometer)
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Vom Hotel Blankenese in der Schenefelder
Landstraße 164 bis zum Radweg am Elbufer
sind es noch einige Kilometer. Wegen
der großen Distanz zur Hauptroute liegt
das Hotel letztlich nicht ideal. Zumindest
beginnt der radfahrerische Teil des
Tages mit einer entspannenden Abfahrt.
Als Nicht-Blankeneser stellt man sich
vielleicht doch die Frage, was - abgesehen
von der Südhanglage und der Güte der
baulichen Ausführung der Häuser und
Wohnungen - eigentlich so reizvoll daran
ist, aus einer (Luxus-)Immobilie auf
ein Gewerbegebiet zu blicken. Aber vielleicht
erfüllt den Blankeneser beim Anblick
der Airbuswerke und diverser anderer
Industrien und Gewerbe das gleiche Glücksgefühl,
das den Bauern erfassen mag, der beim
Blick auf den Hof sein fettes und gedeihliches
Viehzeug sieht. Am Ende von Blankenese
in Richtung Hamburger Innenstadt muss
man dann mal für eine Weile aus dem
Sattel und das Rad schieben. Der Radweg
führt vorbei an der Altonaer Fischauktionshalle,
vor der ja auch der bekannte Fischmarkt
stattfindet, über die notorische Hafenstraße
und die Landungsbrücken in St. Pauli.
Der Weg aus Hamburg heraus soll nicht
so toll sein. Wir folgen daher dem Tipp
eines Bekannten und nehmen am Hamburger
Hauptbahnhof die S-Bahn-Linie 21 Richtung
Aumühle.
Die Fahrkarten erhält
man an orange-farbenen Fahrkartenautomaten.
Versuche, die Karten an DB-Automaten
zu ziehen scheitern, obwohl Aumühle
als optionales Ziel angegeben wird.
Da muss wohl noch die Software nachgebessert
werden. Die Fahrt ist mit 4 Euro pro
Person zuzüglich 3,50 Euro pro Rad recht
teuer. Von Aumühle geht es durch den
Sachsenwald nach Geesthacht, wo im Übrigen
auch die so genannte Tidenelbe endet.
Überraschend ist, welche Erhebungen
es in dem vermeintlich flachen Landstrich
so gibt. Nach Geesthacht hinunter rollt
es ganz ordentlich. Elbaufwärts passiert
man das Kernkraftwerk Krümmel. Vor Lauenburg
führt der Radweg dann etwa zehn Kilometer
auf Waldwegen, die bei großer Feuchtigkeit
stellenweise schwer zu befahren sind.
Hinter
der Jugendherberge in Lauenburg geht
es dann einen steilen und unbefestigten
Lehmhang hinunter. Gute Bremsen und
Koordination sind vonnöten. Man fragt
sich, wer so etwas als Fahrradweg ausweist
- eine Zumutung.
Die altehrwürdige
Altstadt von Lauenburg weist ein ebenso
altehrwürdiges Straßenpflaster auf,
das die Frage aufwirft, ob man nicht
doch besser durch den vor Schaffung
des Weges dort vorhandenen Sumpf gefahren
wäre. Das aus mehr oder weniger bearbeiteten
Findlingen zusammengesetzte Straßenpflaster
wird uns fortan begleiten, vor allem
in Sachsen-Anhalt trifft man es noch
sehr häufig an. Glück haben die Besitzer
gefederter Fahrräder. Ihnen bleibt die
Wirbelsäulenfolter erspart. Die Träger
solcher Straßen sollten mit einem Sonderopfer
zu Gunsten der Krankenkassen heran gezogen
werden. Bei Lauenburg queren wir die
Elbe südwärts über eine Brücke. 
Weiter
geht es auf dem Elbdeich. Den Fluss
sieht man allerdings nur selten. Er
ist entweder weit vom Deich entfernt
oder der Radweg verläuft hinter dem
Deich, der die Sicht auf den Fluss nimmt.
Etwa sieben Kilometer vor Bleckede stärken
wir uns mit Radler, Kaffee und Kuchen
in einem Haus am Deich. In Bleckede
kehren wir ein im Hotel "Zum Löwen".
Die Bratkartoffeln mit Matjes und Bohnen
sind sehr lecker, die Zimmer in dem
alten Fachwerkhaus ansprechend renoviert.
Insgesamt ein sehr postiver Eindruck.
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4. Tag: Bleckede bis Schnackenburg
(80 Kilometer)
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Der
Weg führt weiter entlang des Deichs
auf der linken Elbseite. Die Landschaft
ist nach wie vor typisch nordeutsch.
Ebenso die Häuser. Eigentlich hatten
wir den Tipp bekommen, ab Bleckede auf
der rechte Seite der Elbe zu fahren,
um die Steigungen im Bereich des hügeligen
linken Elbufers vor Hitzacker zu umgehen.
Die Fähre bei Bleckede können wir aber
leider nicht nutzen. Wir nehmen die
nächste sich bietende Überfahrtmöglichkeit
bei Darchau.
Die Elbfähren sind
immer ganz interessante Abwechslungen.
Dann geht es weiter bis Bitter. Das
liegt gegenüber von Hitzacker. Dieses
hübsche Städtchen kann man ohne weiteres
als eine der Perlen in der Kette von
Orten an der Elbe bezeichnen. Frisch
gestärkt während des Aufenthalts in
Hitzacker geht es auf der gleichen Flussseite
am Deich entlang weiter. Die Elbe ist
jedoch nicht mehr lange zu sehen. Bald
führt der Weg durch Wiesen, Felder und
Wälder. An einem hölzernen Aussichtsturm
machen wir kurz Rast. Von dort oben
schweift der Blick weit in alle Richtungen.
Das linke Elbufer ist hier hoch und
ziemlich steil.
Einige
Kilometer vor Schnackenburg führt der
Elberadweg erstmals durch ehemaliges
DDR-Grenzgebiet. Eine Gedenkstätte erinnert
an ein Dorf, das der Grenze weichen
musste. Kurz vor der Gedenkstätte haben
sich "Autonome" in Bauwagen
ein trautes und garantiert nicht bürgerlich
wirkendes Heim geschaffen. Schnackenburg
ist nicht groß, das Angebot an Unterkünften
auch nicht. Wir finden aber noch Platz
im Hafencafé Felicitas mit ansprechendem
Biergarten und Gästezimmern. Diesmal
abends kein Matjes, sondern .... Brathering
- man bleibt sich treu. Außerdem ist
man ja noch im Einzugsgebiet der Küste
und Hering war traditionelles Handelsgut.
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5. Tag: Schnackenburg bis Arneburg
(80 Kilometer)
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Im Regen geht es diesmal mit der
Fähre von Schnackenburg auf die andere
Seite. Warum fällt einem in so einem
Moment die Weisheit "Don't pay
the ferryman until you're on the other
side" ein? Und gab es da nicht
in den achtziger Jahren ein schwer erträgliches
Lied eines ebenso schwer erträglichen
Sängers?
Die Architektur der
Häuser ist nicht mehr so ganz traditionell
norddeutsch. Niedrigere Backsteinbauten
prägen das Bild. Das wirkt alles schon
etwas preußischer. Am Weg stehen zunehmend
Zwetschgenbäume, die uns mit ihren Früchten
locken. Die Landschaft wirkt oft sehr
naturbelassen. Gänse und Kraniche wissen
das zu schätzen und sammeln sich hier
auf ihrem Zug nach Süden. Auch die vielen
tieffliegenden Schwalben, die uns umschwirren
und mit ihren Flugkunststücken beeindrucken,
fressen sich bereits mit den gefürchteten
Elbe-Mücken Kraft für die bald beginnende
Reise an. Als nächsten
Ort erreichen wir Wittenberge und wenden
uns dann nach Havelberg.
Der
Weg wird schlechter. Mehr Kopfsteinpflaster,
Schlaglöcher, Sandwege und Pfützen.
Kurz vor Havelberg können wir dann das
Regenzeug ausziehen. Die alte Domstadt
lädt uns aber nur kurz zum Verweilen
ein. Die Stadt war einmal ein Bollwerk
gegen die Wenden. Wir wenden hier auch
nicht, sondern gehen zum Italiener gegenüber
vom Dom, wo es leckeren Kuchen gibt,
den wir als Mittagsmahl inhalieren.
Weiter
geht es über die Havel, die kurz darauf
in die Elbe mündet. Bei Sandau überqueren
wir mit der Fähre den Fluss. Vor Arneburg
erhebt sich weithin sichtbar ein riesiges
Zellstoffwerk. Der Radweg samt Beschilderung
bricht abrupt ab. Beim Radeln durch
die wie ausgestorben wirkende Industriegelände
fragt man sich schon, ob man alles richtig
gemacht hat. "Ihr habt Euch doch
bestimmt verfahren!" ruft uns ein
auf dem Rad entgegenkommender Mann entgegen.
Er klärt uns auf, dass etliche Radfahrer
wie wir fälschlich auf der Hauptstraße
durch das Industriegebiet weiter fahren
anstatt bei der ersten Gelegenheit nach
dem Zellstoffwerk links abzubiegen.
Von dort wären es nach Arneburg noch
etwa sechs Kilometer. Wir fahren jetzt
drei Kilometer Umweg.
Die
Stadt Arneburg hat eher die Größe eines
Dorfs, liegt aber schön und kann eine
uralte Kirche und die Ruine einer Burg
hoch über der Elbe aufweisen. Die erste
Unterkunftsmöglichkeit liegt neben einem
Supermarkt und preist als Tagesgericht
"Seelacks" an. Wir bevorzugen
die alte Rechtschreibung und kehren
ein im "Goldenen Anker" (goldene
Anker sind übrigens ein wiederkehrendes
Motiv bei der Namensgebung elbischer
Speisegaststätten). Die Zimmer sind
groß und sehr ordentlich. Das Haus macht
einen rundum erneuerten Eindruck. Das
Essen ist gut und reichlich.
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6. Tag: Arneburg bis Burg (70
Kilometer)
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Der Elberadweg führt unweit des "Goldenen
Ankers" aus dem Ort heraus. Leider
ist das Schild von dem Hotel aus nicht
erkennbar. Wir folgen stattdessen dem
Hinweisschild in die falsche Richtung
und machen zunächst unfreiwillig eine
Runde durch den Ortskern. Hier besteht
also Verbesserungsbedarf. Der Radweg
führt über landwirtschaftlich genutzte
Wege und ist oft holperig. Bemerkenswert
ist die große Zahl an Zwetschgenbäumen,
die die Wege säumen.
Tangermünde
- ein Ort, von dem man nicht viel gehört
hat - überrascht durch sein schönes
Stadtbild mit Burganlage, Kirchen altertümlichen
Häusern und Gassen. Die zahlreichen
ansprechend wirkenden Restaurants zeugen
davon, dass man hier auf Tourismus ausgerichtet
ist - oder dem Tangermünder mundet es
auswärts besser. Bei Tangermünde flüchteten
im Jahre 1945 die letzten Teile der
deutschen Armee vor den Russen über
die Elbe. Wir ziehen auch das linke
Elbeufer vor.
Eigentlich hatten
wir Rogätz als Ziel angepeilt. Da der
Radweg kein Ortseingangsschild aufweist,
merken wir erst am Ortsausgangsschild,
dass wir Rogätz schon durchquert haben.
Der Elberadweg quert hier den Fluss.
Hinweisschilder darauf finden aber nur
Radler, die von Süden kommen. Wir begehen
den Fehler, nicht in Rogätz zu übernachten,
sondern in das vermeintlich vielseitigere,
weil größere Burg zu fahren. Burg erweist
sich aber in jeder erkennbaren Hinsicht
als strukturschwach. Kaum Unterkünfte,
kaum Gaststätten. Wir kommen nach umfangreicher
Suche im Hotel am Hagen unter. Ein Hotel
Garni, das auf den ersten Blick vielleicht
nicht unbedingt einlädt - man muss klingeln,
damit die Tür geöffnet wird - , aber
die Zimmer sind sehr ordentlich und
die Wirtin fürsorglich. Am Morgen überrascht
sie uns mit Lunchpaketen. Abends gehen
wir zum Kroaten in der Nähe des Rathauses.
Eine Kneipe, in der wir das Fußballspiel
gegen Irland sehen können, ist nicht
greifbar. Also sehen wir uns das Spiel
im Mäusekino im Hotelzimmer an.
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7. Tag: Burg bis Schönebeck (50
Kilometer)
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Da
Burg nicht unmittelbar am Elberadweg
liegt, versuchen wir, die Strecke am
Elbdeich wieder aufzunehmen, an dem
wir am Vortag dad letzte Schild gesehen
hatten. Ein Fehler, wie sich nach zehn
Kilometer Fahrt im Kreis herausstellt.
Die Beschilderung am Deich führt uns
zu unserem Ausgangspunkt zurück. Besser
wäre es gewesen, wir wären von Burg
auf der Bundesstraße in Richtung Magdeburg
gefahren. Irgendwann stößt man ohnehin
auf die Hinweisschilder zum Wasserstraßenkreuz
zwischen Elbe und Elbe-Havel-Kanal.
An letzterem braucht man nur entlang
zu fahren, dann kommt man zu der beeindruckenden
neuen Trogbrücke über den Fluss.
Von
diesem Punkt an ist der Radweg endlich
einmal in einem Zustand wie man ihn
sich wohl erträumen würde. Direkt am
Fluss verläuft ein frisches Asphaltband,
das praktisch überhaupt nicht holpert.
Nichts zu beanstanden. Der Traum währt
leider nur kurz. Ab Lostau mäandert
der Weg in ziemlich rumpeliger Weise
um Felder. Eine gerade Streckenführung
hätte es auch getan. Man behilft sich
dort aber wohl mit Feldwegen, die zum
Radweg deklariert werden. Vor Magdeburg
erstrecken sich dann etliche Kilometer
lang urige Wiesen mit lockerem Baum-
und Strauchbestand, der Radweg wird
wieder angenehmer. Von der am Rande
dieser Zone gelegenen Gasthaus Herrenkrug
in Magdeburg führt eine spektakuläre
neue Hängebrücke auf die andere Seite
des Flusses. Dort verliert sich der
Radweg in Industriebrachen. Magdeburg
zeigt sich von seiner hässlichen Seite.
Die Tristesse des allgegenwärigen Verfalls
deprimiert.
Die
Innenstadt mit dem Dom und dem neu errichteten
Hundertwasser-Haus kann diesen Eindruck
nur kurz zerstreuen.
Auch die
Weiterfahrt aus der Stadt nach Schönebeck
bietet dem Auge nichts Erfreuliches.
Marode Häuser sowie glatzköpfige Männer
in Tarnhosen und mit Kampfhunden bestimmen
zeitweilig die Szenerie. Nach der Einquartierung
in der Pension müssen wir feststellen,
dass die nahe gelegene Gaststätte "Jagdschlösschen"
leider nur eine geschlossene Gesellschaft
bedient. Stattdessen mästen wir uns
mit guter und überreichlicher Kost beim
Griechen "Akropolis" im Stadtzentrum.
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8. Tag: Schönebeck bis Torgau
(140 Kilometer)
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Nach dem Frühstück in Schönebeck
radele ich alleine weiter. Da mich der
Elberradweg in Sachsen-Anhalt bisher
nicht richtig begeistert hat und gerüchteweise
der Radweg ab Riesa stromaufwärts erst
richtig schön wird, entscheide ich mich
dafür, an diesem Tag möglichst viele
Kilometer zu machen. Das bedingt, das
ich mich vor allem auf oder neben Bundesstraßen
fortbewege. Den Elberradweg kreuze ich
an diesem Tag nur zufällig. Von Schönebeck
fahre ich zunächst Richtung Barby. Die
unvermeidliche Bemerkung, dass aus Barby
wohl die Barbie-Puppen herkommen, höre
ich aus dem Gespräch einer Gruppe von
Radlern heraus, die wie ich an der Fähre
auf die Überfahrt ans rechte Ufer warten.
Die Strecke von Schönebeck nach Barby
weist keine Radwege auf. Dank des starken
Windes aus Nordwesten segelt man mehr
als dass man radelt. Tempo 40 km/h dürfte
man mit Gepäcktaschen am Rad selten
erreichen. Heute gelingt das auf ebener
Strecke ohne größere Anstrengung. Der
Wind peitscht die Elbe entgegen ihrer
Fließrichtung zu kurzen hohen Wellen
auf. Gischt ist zu sehen.
Das
Wasser spiegelt dem Himmel nicht mehr
und wirkt heute im Gegensatz zu den
Vortagen braun und trübe. Nach Norden
gegen den Wind zu fahren dürfte bei
solchen Bedingungen keinen Spaß machen.
Die Überfahrt kostet sensationelle 80
Euro-Cent. Von der Fähre nach Zerbst
sind es zwölf Kilometer. Aus dem Ort
stammt die spätere Zarin Katharina die
Große, was natürlich gewürdigt wird.
Einen längeren Aufenthalt scheint der
Ort aber nicht wert zu sein. Weiter
geht es nach Roßlau an der Elbe, dorthin
sind es 15 Kilometer, einen Radweg gibt
es dahin nicht. Dessau lasse ich heute
aus, da ich es ebenso kenne, wie auch
den Wörlitzer Park. Sowohl das Dessauer
Bauhaus als auch der sehenswerte Landschaftspark
südlich der Elbe sind grundsätzlich
besuchenswert. Heute spare ich mir das.
Von Roßlau fahre ich nördlich der Elbe
Richtung Wittenberg. Kurz hinter Coswig
wird das nördliche Elbufer hoch und
steil. Rechts neben dem Radweg entlang
der Bundesstraße führt ein kurzer -
vielleicht 20 Meter langer Stichweg
zu einem kleinen Rastplatz, der einen
schönen Blick auf die Elbe Richtung
Nordwesten bietet.
Wittenberg
ist dann - obwohl auch schon bekannt
- eine Besichtigung wert. Die im Grunde
nur aus zwei sich gabelnden Straßen
bestehende Altstadt ist ordentlich restauriert.
Das Weltkulturerbe fordert seinen Preis.
Der
Elberadweg Richtung Elster ist gut ausgeschildert.
Um abzukürzen wende ich mich auf dem
kürzesten Wege nach Torgau. Dazu muss
man mit dem Rad erstmal einen Weg zur
Brücke über die Elbe finden, was wegen
spärlicher Beschilderung und teilweise
für Radfahrer gesperrten Straßen gar
nicht so reibungslos geht. Man muss
von der Schlosskirche aus erst auf die
Ausfallstraße Richtung Coswig, dann
durch eine Unterführung und schließlich
entlang der Bundesstraße Richtung Brücke.
Auf der Brücke zerrt der Wind an der
Kleidung, Haaren und Gepäck. Die Schnellstraße
von Wittenberg nach Leipzig wirkt für
Radfahrer eher abschreckend. Besser
ist es, man wendet sich bei erstbester
Gelegenheit nach Osten. Nach etwas über
zehn Kilometern - überwiegend entlang
des Elbdeiches - stößt man wieder auf
die Bundesstraße von Wittenberg nach
Torgau.
Die Straße ist in gutem
Zustand und nur mäßig befahren. Die
auf den Straßenschildern ausgewiesene
Entfernung nach Torgau wächst mit der
Annäherung. Sehr ermutigend! Es dürfte
sich um ein weder mathematisch noch
physikalisch bisher abschließend geklärtes
Phänomen handeln, das von Radfahrern
allerdings häufiger gesehen wird.
Die
Stadt Torgau ist sehr hübsch. Nach ungefähr
140 Kilometern an diesem Tag beschließe
ich, dort zu übernachten. Unweit des
Marktes findet sich ein "Motel"
für Radfahrer, das sehr neu wirkt, das
"Hotel-Pension Am Markt".
Offenbar ein Neubau in einem alten Innenhof.
Restaurants stehen in der Stadt in hinreichender
Zahl zur Verfügung. Wie viele andere
Radler ende nach einem Stadtrundgang
schließlich im "Goldenen Anker"
gegenüber des Rathauses.
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9. Tag: Torgau bis Wehlen i. S.
(140 Kilometer)
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Der strahlende Tag beginnt mit einem
sehr soliden Frühstück im von mir so
genannten "Radler-Motel" -
besser wäre wohl "Velotel".
Vorbei geht es zunächst am Denkmal der
Begegnung der Allierten bei Torgau im
Jahre 1945.
Der Radweg, der unter
der Torgauer Elbbrücke auf dem altstadtseitigen
Ufer beginnt, ist nicht ausdrücklich
als Elberradweg bezeichnet. Es ist wohl
auch nicht der Elberadweg. Dieser dürfte
eher auf dem rechten Flussufer verlaufen.
Überhaupt ist festzustellen, dass die
Hinweisschilder auf den Elberadweg in
Sachsen anders aussehen als im Rest
Deutschlands. Das stilisierte "e"
steht nicht mehr allein, sondern ist
eingebettet in das einheitliche Design
von Radwegbeschilderungen mit grüner
Schrift auf weißem Grund. Nach etwa
fünf Kilometern entlang des Deichs stößt
der Weg wieder auf die Bundesstraße
Richtung Riesa. Die Bundesstraße verläuft
teils weit abseits der Elbe, die Landschaft
ist nahezu völlig flach. Die Straße
nimmt aber trotzdem jeden Hügel mit,
der nicht rechtzeitig im stark wehenden
Nord-West-Wind erodiert. Sowohl Riesa
als auch das nicht weit entfernt liegende
Strehla verfügen über eine beträchtliche
Zahl alter Gebäude, die schon ansprechend
restauriert sind und eine nette Atmosphäre
erzeugen. In Riesa finde ich zunächst
keinen Hinweis auf den Elberadweg und
folge daher weiter der Bundesstraße
Richtung Meißen. Einige Kilometer hinter
Riesa wird die Landschaft dann vielseitiger.
Die Elbe bekommt beidseitig hohe Ufer.
Steil fallen diese lehmigen Hänge zum
Fluss ab.
Meißen ist ein Touristenmagnet
an der Elbe. Die sich aus der schön
restaurierten Altstadt zum Dom und der
Festung Albrechtsburg hinaufwindenden
Gassen sind voller Leben. Von der Albrechtsburg
hat man einen schönen Blick in beide
Richtungen des Elbtals. Zu empfehlen
ist im Übrigen der Besuch im Restaurant
"Vinzenz Richter" am Marktplatz
- urig. Einziges Manko: Wegen einer
Baustelle an der Uferstraße ist es für
Radfahrer schwer, sich zu orientieren.
Der Radweg nach Dresden ist nicht so
ohne weiteres auszumachen. Vermutlich
verläuft die Hauptroute des Elberadwegs
zwischen Meißen und Dresden auf dem
rechten Ufer der Elbe. Auf dem linken
Ufer ist man doch bald wieder auf deie
Bundesstraße angewiesen. Kurz hinter
Meißen wird das Elbtal wieder breiter.
Es gibt Platz für einen Radweg. Dafür
ist die Landschaft weniger ansprechend.
Die Strecke bis Dresden bedarf keiner
weiteren Erwähnung.
Dresden kenne
ich schon. Deshalb nur kurz auf das
rechte Elbufer vor dem Hotel Westin
Bellevue um den so genannten Canaletto-Blick
- jetzt mit Frauenkirche - zu erhaschen.
In der Stadt konkurrieren unzählige
Besucher um die Sehenswürdigkeiten.
Daher: Weiter! Gut, dass es die Elbe
zur Orientierung gibt. Die Hinweise
auf Radwege halten leider nicht, was
man erwarten könnte. Überhaupt muss
man einmal etwas Wasser in den Dresdener
Wein schütten: Abgesehen von den bekannten
kulturellen Höhepunkten in der Innenstadt-Insel
gibt es doch viel architektonische Tristesse
zu betrachten.
Höhepunkte auf
dem Weg aus der Stadt heraus sind das
Blaue Wunder, die Schlösser Albrechtsberg,
Lingner-Schloss, Schloss Eckberg und
Schloss Pillnitz am gegenüberliegenden
Ufer auf dem Weg nach Pirna.
In
Pirna sind alle Unterkünfte laut Touristeninformation
ausgebucht, also weiter. Das Elbtal
wird enger, der Weg auch. Radfahrer
konkurrieren mit den wenigen Anliegern
um eine schmale Asphaltspur. Auch in
dem nach einiger Zeit auftauchenden
Ort Wehlen findet sich nicht sofort
eine Unterkunft. Ins Auge springt zunächst
das "Bauernhäusel" direkt
an der Elbe, wo ich später recht ordentlich
zu Abend esse. Aber in dem nahe gelegenen
und familiär verbundenen "Taubennest"
findet sich für 25 Euro (einschließlich
Frühstück) noch ein im wahrsten Sinne
des Wortes preiswertes Zimmer.
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10. Tag: Wehlen i. S. bis Usti
nad Labem (Tschechien) und zurück nach
Bad Schandau (120 Kilometer)
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Die Tour führt ab jetzt durch die
landschaftlichen Höhepunkte der Elberegion.
Kurz hinter Wehlen - bei Rathen - erhebt
sich die Bastei.
Wenig später
schon kommt die Festung Königstein auf
ihrem hohen, das Elbtal bestimmenden
Felsen in Sicht.
Man sollte um
Himmels Willen nicht - wie ich - den
Fehler begehen, hinter Königstein auf
der linken Flussseite weiter zu fahren.
Einem vermeintlichen Radweg folgend
gerate ich auf einen alten, mit Kopfsteinpflaster
belegten Treidelpfad an der Elbe, der
immer enger wird und sich schließlich
als Trampelpfad zwischen mannshohen
Brennesseln verliert.
In Bad
Schandau wechsele ich die Flussseite
und fahre weiter über die Grenze nach
Tschechien. Kurz hinter der Grenze mache
ich den zweiten schweren Fehler des
Tages, indem ich einem Hinweis zum größten
Felsentor Europas den Hang hinauf folge.
Die gute, aber recht steile Straße endet
aber ca. sechs Kilometer vor dem Ziel.
Die Weiterfahrt mit Fahrrädern auf den
Waldwegen ist untersagt. Wieder unten
im Tal wende ich mich nach Tetschen.
Vorbei an zahlreichen Bordellen geht
es nach Böhmen hinein. Der Fahrradweg
verläuft allerdings am anderen Ufer.
Abgesehen
von einigen Stellen am Flussufer wirkt
Tetschen nicht gerade einladend. Man
kann sich hier in etwa vorstellen, wie
es fünfzehn Kilometer weiter stromabwärts
aussehen würde, wenn nicht über anderthalb
Jahrzehnte Billionen von Euro an Transferleistungen
geflossen wären. Weiter geht es nach
Usti nad Labem. Die Strecke verläuft
auf dem Seitenstreifen der stark von
Autos und Lastern befahrenen Straße.
Spaß macht das nicht. Das Elbtal ist
allerdings nach wie vor recht schön,
mit hohen Hügeln gesäumt, die jedoch
nicht so schroff sind wie die Klippen
zuvor.
Als die Straße vor Usti
auch noch stark ansteigt, entschließe
ich mich zum Abbruch. Prag muss also
warten. Als Fahrradtourist ist man in
Großstädten ohnehin ein Exot. Die Elbequellen
laufen auch nicht weg - anders als das
Wasser, das sich aus ihnen ergießt.
Neues
Ziel ist Bad Schandau. Diesmal wähle
ich den Radweg, der letzte schwere Fehler
dieses Tages. Auf tschechischem Gebiet
ist der Radweg eine furchtbare Holperstrecke
auf dem alten Treidelpfad. Für Fahrräder
ohne Federung eigentlich nicht geeignet.
Eine Zumutung. In Bad Schandau ist es
dann recht schwierig ein freies Zimmer
zu bekommen. Am Ende versöhnt dann der
deutsche Fußball mit einem 13 zu null
gegen San Marino.
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11. Tag: Bad Schandau und Kirnitzschtal
(45 Kilometer)
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An einem strahlenden Morgen - der
Wetterbericht sollte mit seinen vorhergesagten
28 Grad recht behalten - breche ich
von Bad Schandau nach Ottendorf auf.
Um es vorweg zu nehmen: Dort muss man
nicht gewesen sein. Das von Sandsteinmassiven
gesäumte Tal des besagten Bachlaufs
mit den vielen Konsonanten im Namen
wirkt mit seiner angenehmen Kühle unter
dem Laubdach und den immer wieder einmal
durchbrechenden Sonnenstrahlen zauberhaft.
Ausblicke gibt es im Tal natürlich nicht.
Zurück
in Bad Schandaus Ortsteil Ostrau lasse
ich das Rad in der Obhut der Jugendherberge
und wandere zum Aussichtspunkt auf dem
Schrammstein. Sehr sehenswerter Blick
ins Elbtal und über die großartigen
Steinformationen des Elbsandsteingebirges.
Am
Ende des Tages geht es mit dem Zug von
Bad Schandau nach Berlin.
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Abschließende Betrachtung
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Um es gleich vorweg zu sagen: Schon
der Begriff "Elberradweg"
bedarf einer näheren Erklärung. Bei
einem unbefangenen Leser könnte bei
diesem Begriff vor dem geistigen Auge
das Bild eines für Radfahrer bestimmten
Weges entlang der Elbe entstehen. Nichts
wäre allerdings falscher als das. Das,
was allgemein als Elberradweg bezeichnet
wird, ist eine Reihe mehr - d.h. bis
zu ca. 5 Kilometer - oder weniger vom
Fluss entfernter Wege, auf denen sich
mit mehr oder weniger gutem Willen mit
dem Rad fahren lässt. Die Elbe wird
man dabei in den seltensten Fällen zu
Gesicht bekommen. Wer den Fluss auf
einem Zwanzigstel der Strecke sehen
kann, darf sich glücklich schätzen.
Im Übrigen sind Deiche, Bäume, Wiesen,
Gebäude oder Gewerbeflächen im Weg.
Daher sollte man den Begriff "Elberradweg"
stets mit Gänsefüßchen um das Wort "Elbe"
lesen.
Der Elberadweg ist überwigend
gekennzeichnet durch kleine Schilder,
die neben dem Symbol des Elberadwegs
- dem Buchstaben "e" in kleiner
Schrift und blauer Farbe - Pfeile aufweisen,
welche die Richtung des Elberadwegs
angeben sollen. Nur in Sachsen fehlt
dieses Logo regelmäßig. Des weiteren
finden sich Hinweise auf den Radweg
Nummer zwei, abgekürzt "R 2".
Schön und gut. Nun kann man den Radweg
aber in zwei Richtungen befahren. Außerdem
finden sich auf beiden Seiten des Flusses
Radwege, die alternativ genutzt werden
können. Da wäre es natürlich hilfreich
gewesen, wenn neben den Pfeilen auf
den Schildern auch das nächste größere
Ziel in der jeweiligen Richtung angegeben
wäre. Jetzt wird vielleicht der eine
oder andere einwenden wollen, ja, man
wisse ja wohl, wo man hin wolle, und
dann müsse man eben Verkehrszeichen
lesen können. Dem wäre allerdings entgegen
zu halten, dass der Elberadweg oft so
weit abseits des Flusses verläuft, dass
dieser nicht zur Orientierung heran
gezogen werden kann. Ferner sind etliche
Schilder so missverständlich angebracht,
dass nicht ohne weiteres klar wird,
in welche Richtung die Pfeile zeigen.
Manche Schilder sind nur aus einer Fahrtrichtung
zu entdecken, obwohl sie für beide Richtungen
von Bedeutung sind, etwa das Hinweisschild
auf die Fähre in Rogätz (nur bei Fahrtrichtung
elbabwärts zu erkennen). Wegen der Lücken
und der Unklarheiten der Ausschilderung
empfiehlt es sich, eine detaillierte
Fahrradkarte oder topographische Karten
im Maßstab 1:50.000 mitzunehmen.
Angesichts
der zahlreichen Holperstrecken empfiehlt
sich ein vollgefedertes Rad, wenn man
das Skelett schonen will. Weite Teile
der Streckenführung - vor allem in Sachsen-Anhalt,
aber auch in Sachsen - sind so schlecht,
dass ich ihnen die Eignung als Radweg
ganz absprechen würde.
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© 2006 Stefan
Haeder, Berlin |
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Elberadweg
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Etappen: 11
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[Tourenbericht
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