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Ostsee-Radweg MV (2)
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Etappe 2: Groß Schwansee - Steinbeck - Redewisch - Boltenhagen - Tarnewitz - Wohlenberg - Beckerwitz - Eggerstorf - Zierow - Fliemstorf - Hoben - Wismar - Redentin - Groß Strömkendorf - (Insel Poel) - Wodorf - Blowatz - Dreveskirchen - Stove - Boiensdorf - Pepelow (66 bzw. 98 km)
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Sofern Sie im Besitz der CD "TOP 200" sind, können Sie sich die unten abgebildete Etappe mit eingezeichneter Streckenführung hier als Overlay-Datei herunterladen (ca. 10 KB). Informationen zur CD "TOP 200"
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Quelle: ATKIS(r) DTK200-V, (c) Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2004
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Mögen Sie Achterbahnen? Dann werden Sie sich auf dem Abschnitt bis Steinbeck pudelwohl fühlen, denn auf glattem Asphalt – nur kurz rollen die Räder auf Betonsteinpflaster, das aber auch glatt verlegt ist – können Sie den Schwung der teils beachtlichen Abfahrten nutzen, um die gelegentlich doch recht steilen Anstiege zu meistern. Wer sich dafür eher weniger begeistern kann, muß sich aber nicht sorgen; denn die Höhendifferenzen sind gering, so daß selbst schiebend die Hügelkuppen schnell erobert sind. Und zur Belohnung gibt es hier und da herrliche Ausblicke auf die Ostsee.
In Steinbeck gelangen Sie an einen Abzweig, halten sich rechts, radeln kurz hügelan und stoßen derart auf eine kleine Straße, in die Sie links einbiegen. Gut einspurig leitet diese nach Redewisch-Ausbau, wo Sie bei den ersten Häusern erneut links abbiegen. Bald gelangen Sie an eine Kreuzung, biegen nun halblinks ab, bevor es bei der nächsten Gelegenheit rechts auf einen asphaltierten Geh- und Radweg geht.
Mitten in der Pampas knickt die Route rechts ab und leitet sodann schnurstracks nach Boltenhagen, wobei Sie bald recht ordentlich an Höhe verlieren. Im Ort stoßen Sie auf eine grob gepflasterte und abknickende Vorfahrtstraße. Es geht links und damit sogleich auf Asphalt weiter durch den sich lang hinziehenden Ort.
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Ortsinfo
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Boltenhagen, 2 m ü.N.N., 2.500 Einw., war einerseits zehn Jahre zu spät dran, da Heiligendamm 1793 erstes deutsches Seebad wurde, andererseits aber auch wieder früh, so daß sich Boltenhagen heute rühmen darf, eines der ältesten deutschen Seebäder zu sein; denn 1803 ließ Graf von Bothmer aus dem nahen Klütz bei Redewisch einen Badekarren aufstellen. So richtig kam die neue Branche aber erst um die Mitte des 19. Jh. in Gang; das erste Hotel ('Baltic') entstand 1838. Wer Wert auf Luxus legte, buchte später im 'Großherzog von Mecklenburg' (1845 von dem Dassower Gastwirt Wiechmann erbaut). Mit Gärten, Irrgärten, Gewächshäusern, Kegelbahnen und Boulevards wurde nun dem ländlichen Boltenhagen ein neues Flair verpaßt. Und soviel anders ist es heute auch nicht; denn damit den Besuchern nicht langweilig wird, werden allerlei Vergnügungen geboten.
Wer etwas Zeit mitbringt, schaut vielleicht im Haus Ostseeallee 23 vorbei; denn dort betreibt Jürgen Kubatz sein Buddelschiffmuseum – geöffnet mo-fr 15.30-18 h, sa & so 13-18 h. Neben den Buddelschiffen werden auch Schiffsmodelle, maritime Geräte und Werkzeuge sowie Strandgut präsentiert. Und wenn Sie zeitig angekommen sind oder die Planung für den nächsten Tag noch einen Ausflug zuläßt, sollten Sie einen Besuch des Steinzeitdorfs Kussow erwägen (liegt ziemlich genau südlich von Klütz und ungefähr 13 km von Boltenhagen entfernt). Hauptthema der Anlage ist der Übergang von der sog. aneignenden Wirtschaftsweise der Mittelsteinzeit (Sammeln und Jagen) zur produzierenden der Jungsteinzeit (Ackerbau und Viehzucht). Das Museum wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg errichtet, so daß man fachkundig Fragen beantworten kann. Z.B. danach, wie die Menschen wohnten, was und wie sie aßen, wie man sich kleidete, welche Werkzeuge zur Verfügung standen oder auch welche Haustiere man hielt. Und damit das nicht alles blanke Theorie bleibt, wurden Hütten und Häuser gebaut, wie sie vermutlich seinerzeit bestanden haben. Wer mag, kann sogar selbst eine Flechtwand herstellen. Oder Sie widmen Ihre Aufmerksamkeit den damaligen Kulturpflanzen und Kräutern; der Garten auf dem Gelände lädt zum Schnuppern und Schmecken ein. Geöffnet April-Okt. tägl. 10-18 h, Fon 03881 / 715055.
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Kurverwaltung, Ostseeallee 4, 23946 Ostseebad Boltenhagen, Fon 038825 / 3600, Fax 038825 / 36030,
E-Mail ostseebad-boltenhagen@t-online.de,
Internet www.boltenhagen.de.
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Bald nach der Ortsmitte sollen die Radler die armen Autofahrer nicht weiter behindern, weshalb Sie links auf einen Betonsteinpflasterweg wechseln müssen, der ohne Orientierungsprobleme bis zur Ostseeklinik rechter Hand leitet. Wenige Meter weiter biegen Sie rechts ab – außer Sie wollen sich zuvor die Weiße Wiek, die niet- und nagelneue Marina von Boltenhagen anschauen, die allerdings mit ihrer Allerwelts- und Einheitsarchitektur nicht zu überzeugen weiß.
Bald nachdem Sie rechts abgebogen sind, halten Sie sich nochmal rechts und radeln sodann durch den Ortsteil Tarnewitz. Dort folgen Sie einfach dem Geh- und Radweg bis zu seinem Ende, wo es links auf dem asphaltierten „Stadtweg” recht ordentlich hügelan geht. Wenn die Steigung gemeistert ist, queren Sie die neue Ortsumfahrung, die in der Kartengrundlage noch fehlt, und setzen die Fahrt sodann auf einem teils zugewachsenen Schotterweg fort, der für Kinderanhänger eher nicht geeignet ist.
Nach einer Weile stoßen Sie auf einen querenden Schotterweg, biegen links ein und radeln nach einem Rechtsknick durch die Häuseransammlung Tarnewitzer Camp, bevor Sie zu einer Landstraße kommen, die links nach Wohlenberg leitet. Wie viel Höhe Sie zuvor gewonnen haben, merken Sie im Ort; denn es geht beachtlich abwärts. Ohne Orientierungsprobleme radeln Sie sodann auf der asphaltierten Landstraße entlang dem Wohlenberger Wiek, um nach einer Weile dem Rechtsbogen der Straße zu folgen und sanft hügelan zu fahren, bevor es mit Radhinweis links auf eine gut einspurig Asphaltierte geht.
Bald knickt die Route nach Osten ab, und Sie radeln mit sanften Wellen nach Beckerwitz-Ausbau, wo die Etappe halbrechts abzweigt. Weiter geht es auf Asphalt nach Beckerwitz und dort links bis zum Dorfplatz, an dem Sie mit Radhinweis rechts in den – ja, wirklich – „Stadtweg” abzweigen. Wieder rollen die Räder auf gutem Asphalt, und über einen Hügel hinweg gelangen Sie zu einem Linksknick und kurz darauf nach Eggerstorf. Den Schlenkern des schwarzen Bandes folgend geht es weiter nach Zierow, wo Sie geradeaus in eine abknickende Vorfahrtstraße einbiegen und diese alsbald mit Hinweis nach Fliemstorf geradeaus verlassen, wenn sie erneut abknickt.
Auf wieder gutem Belag radeln Sie über Fliemstorf mit schönem Ausblick auf die Wismarbucht nach Hoben, ignorieren dort das Sackgassenschild und rollen auf Schotter abwärts durch den hübschen kleinen Ort mit reetgedeckten Häusern bis an die Ostsee. Dort gelangen Sie auf einen asphaltierten Geh- und Radweg und radeln kurz direkt entlang der Fluten, doch schwenkt der Weg bald nach rechts und verläuft sodann oberhalb des Steilufers. In einem Wäldchen wechselt der Belag zu Lehm/ Schotter, und mit ein paar Wellen geht es so bis auf die Höhe der Seebrücke, wo Sie rechts abzweigen und zu einer Straße fahren.
In diese biegen Sie mit Radhinweis links ein, ignorieren den sofortigen Rechtsknick der Vorfahrt und fahren geradeaus auf der „Ernst-Scheel-Straße“, die gut asphaltiert ist. An deren Ende knickt die Vorfahrt wieder rechts ab, Sie aber fahren geradeaus auf einer einspurigen Asphaltierten durch eine Laupenpiepersiedlung, bis Sie auf eine andere Einspurige stoßen. Dort geht es halblinks weiter und so vorbei an der linker Hand gelegenen Werft zur B 105 („Lübsche Straße“), auf deren Geh- und Radweg Sie links einbiegen. An der sogleich erreichten beampelten Kreuzung versetzen Sie rechts/links, um gemäß der Radhinweise in den 'Park der Solidarität' zu fahren, wo guter Asphalt den Rollgrund bildet.
Nach einer Weile leitet die Route links zurück zur B 105, auf deren asphaltierten Geh- und Radweg Sie bis zu einem Kreisverkehr fahren. Direkt davor wechseln Sie auf die Fahrbahn und folgen – einfach die Richtung haltend – weiter der „Lübschen Straße“, wobei Sie – zunächst – legal auf dem Gehweg radeln dürfen, um dem groben Pflaster auszuweichen. Schließlich erreichen Sie die Fußgängerzone, wo Sie beim linker Hand liegenden Kaufhaus Karstadt halbrechts in eine Gasse abbiegen können, um auf den „Markt“ von Wismar zu gelangen, wo das Rathaus und auch die Tourist-Information zu finden sind.
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Stadtinfo
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Wismar, 1 m ü.N.N., 45.000 Einw., wurde – zusammen mit Stralsund – im Juni 2002 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen, was in Anbetracht des mittelalterlichen Stadtgrundrisses und zahlreicher Profangebäude längst vergangener Zeiten nebst den herausragenden Kirchen, dem Alten Hafen und der 'Grube' (s.u.) leicht nachvollziehbar ist, wobei zu bedenken ist, daß Wismar im Zweiten Weltkrieg wegen der Industriebetriebe mehrfach Ziel von Bombardierungen war und später in der DDR die Mittel (und der politische Wille) fehlten, die Altstadt zu sanieren. Wer Wismar zu DDR-Zeiten bzw. kurz nach dem Mauerfall besucht hat und nun nach langer Pause erneut in die Stadt kommt, darf jedenfalls staunen, wie viel in wenigen Jahren geschafft wurde (und noch wird).
Aber so sind die Wismarer halt; schon die Stadtgründung erfolgte in einem atemberaubenden Tempo: Ab kurz vor 1200 wanderten deutsche Siedler ein, ließen sich im Bereich des Spiegelbergs (nördlicher Teil der Altstadt) nieder und hatten damit eine gute Wahl getroffen; denn einerseits lag die Siedlung unmittelbar an einer geschützten Ostseebucht und andererseits an der Handelsstraße, die von Lübeck immer nahe der Küste nach Osten führte. Mit der Einrichtung des Marktplatzes an der „Lübschen Straße“ und der Verleihung des lübischen Stadtrechts (1229) setzte sich der Zustrom der Siedler fort und erreichte Wismar nach der Anlage der Neustadt (rund um St. Marien und St. Georgen) bereits Mitte des 13. Jh. eine so große räumliche Ausdehnung, daß erst im 19. Jh. eine Erweiterung erforderlich wurde.
Derartige Erfolge zogen selbstverständlich arbeitsscheues Gesindel an, und so beanspruchten vor der Küste Seeräuber ihren Anteil, während an Land die heimischen Fürsten die Zeit für gekommen erachteten (1257), ihren Sitz von Dorf Mecklenburg nach Wismar zu verlegen. Gegen beide Störenfriede wehrte sich die Stadt zusammen mit den verbündeten Gemeinden an der Ostseeküste und wirkte derart an der Entstehung der späteren Hanse mit. Dank deren Macht verzogen sich 1358 die Adligen und konnten die Seeräuber soweit in Schach gehalten werden, daß der Handel nicht mehr empfindlich gestört und die Entwicklung Wismars zu einer der mächtigsten und reichsten Hansestädte nicht mehr behindert wurde.
Dabei ging es dem Gemeinwesen so gut, daß man binnen 60 Jahren mit dem Bau von drei großen Pfarrkirchen (Nikolai, Marien und Georgen) begann, obwohl nur ca. 5.000 Menschen in der Stadt lebten. Natürlich bemühten sich auch die durch den Handel reich gewordenen Kaufleute um repräsentative Bauten, so daß zahlreiche Fassaden der in der Regel mit dem Giebel zur Straße ausgerichteten Häuser mit kunstvollen Backsteinen verziert wurden – Musterbeispiel ist der Alte Schwede (am Marktplatz), der ab ca. 1380 erbaut wurde und dessen Name auf eine dort seit über 130 Jahren befindliche Gaststätte zurückgeht.
Die Blütephase der Hanse währte nicht ewig, und mit Beginn des 16. Jh. sank der Handel rapide, so daß die Bevölkerung verarmte. Der Dreißigjährige Krieg verschärfte die Probleme noch, denn, nachdem Schweden die Stadt 1632 besetzt hatte, wurde Wismar 1648 im Westfälischen Frieden den Skandinaviern zugesprochen und in der Folge zur machtvollen Bastion ausgebaut. Entsprechend wurde die Stadt in die schwedischen Auseinandersetzungen z.B. mit den Dänen hineingezogen, was 1717 zur Schleifung der Befestigungsanlagen führte, aber Wismar zunächst noch nicht von den nordischen Herrschern befreite. Dies geschah erst 1803, als Schweden seine Besitzungen (neben Wismar auch Poel und Neukloster) an Mecklenburg verpachtete, um nach Ablauf des Vertrages (1903) auf seine Rechte zu verzichten. Parallel erholte sich die Stadt allmählich, konnte den Hafen erweitern und ein paar Industriebetriebe ansiedeln, wuchs aber erst Ende des 19. Jh. über seine mittelalterlichen Grenzen hinaus.
Als Startpunkt für einen Stadtrundgang bietet sich der „Marktplatz“ an, der mit immerhin 10.000 m² Fläche einer der größten Norddeutschlands ist. An der Nordseite befindet sich das klassizistische Rathaus von 1819, in dessen Keller Sie die ständige Ausstellung 'Wismar – Bilder einer Stadt' besichtigen können – geöffnet tägl. 10-18 h, Eintritt 1 €. Der Keller selbst ist aber schon wegen seiner acht Kreuzrippengewölbe sehenswert, die darauf verweisen, daß der Keller aus dem 13. Jh. stammt und somit viel älter als das Rathaus ist.
An der Ostseite lädt die Gaststube des Alten Schweden (s.o.) nicht nur zu einer Pause ein, sondern kann auch die mittelalterliche Backsteinkunst bewundert werden. Am südöstlichen Rand des Platzes steht die sog. Wasserkunst, die von 1602 bis 1898 der Wasserversorgung der Stadt diente. Hierzu wurde das Quellwasser von Metelsdorf (ca. 6 km südlich) mittels hölzerner Röhren in die Stadt geleitet, in einem Reservoir zwischengespeichert und sodann auf die Leitungen der einzelnen Straßen verteilt – die Wasserkunst ist also 'nur' die künstlerische Verkleidung der Zentrale des Systems.
Wenn Sie den Marktplatz an seiner Südwestecke verlassen, kommen Sie – vorbei am Archidiakonat (einem Pfarramt aus dem 15. Jh. mit reich geschmückter Backsteinfassade) – direkt zum 80 m hohen Turm der ehemaligen Marienkirche, die an der Stelle eines Vorgängerbaus ab Anfang des 14. Jh. nach dem Vorbild der gleichnamigen Kirche von Lübeck errichtet und 1945 stark zerstört wurde. 1960 wurden die Ruinen (außer dem Turm versteht sich) gesprengt – obwohl, wie manche behaupten, eine Restaurierung möglich gewesen wäre. Nicht viel besser erging es der wenig westlich gelegenen Georgenkirche, die ebenfalls im Zweiten Weltkrieg bombardiert und trotz vergleichsweise geringer Schäden zu DDR-Zeiten so schlecht gesichert wurde, daß am 25. Januar 1990 bei einem Orkan ein Giebel einstürzte und in einem gegenüber gelegenen Wohnhaus ein Kind tötete. Bedauerlich, daß es dieses traurigen Ereignisses bedurfte, aber kurz darauf begann die Sicherung und der Wiederaufbau, so daß St. Georgen heute schon fast im alten Glanz erstrahlt. Übrigens beinahe turmlos; denn den Wismarern ging während der langen Bauzeit (Grundsteinlegung 1404, Turmabschluß 1544) das Geld aus, so daß man heute über die Eigentümlichkeit staunen kann, daß von St. Marien nur noch der Turm steht, während St. Georgen quasi ohne auskommen muß.
Direkt östlich der Georgenkirche liegt der Fürstenhof, der den Mecklenburger Landesherren bei ihren Aufenthalten in Wismar als Wohnsitz diente. Die Anlage besteht aus zwei Gebäudeteilen, wobei das sog. 'Alte Haus' 1512-13 im Stile der Spätgotik entstand, während nur vierzig Jahre später (1553-55) das 'Neue Haus' bereits gemäß der aktuelleren Lehre der italienischen Renaissance errichtet wurde. 1653 bis 1802 residierte hier das höchste schwedische Gericht, das sog. Tribunal, welches für alle schwedischen Gebiete in Deutschland zuständig war. Da paßt es doch ganz wunderbar, daß der Fürstenhof nach umfangreicher Sanierung 1999-2002 nun dem Amtsgericht Wismar dient – Juristen sind nun mal von Hause aus konservativ (sorry, aber Ausnahmen bestätigen – wie immer – nur die Regel).
Von hier leitet die „Große Hohe Straße“ nach Norden zur Heiligen-Geist-Kirche an der „Lübschen Straße“, an die man unmittelbar das sog. Lange Haus anbaute, das ursprünglich als Hospital, später als Altersheim genutzt wurde. Wenn Sie nun rechts der „Lübschen Straße“ folgen, gelangen Sie an der Ecke zur „Krämerstraße“ zum Kaufhaus Karstadt und damit schon fast zum Ausgangspunkt eines sagenhaften Aufstiegs; denn im Haus Krämerstraße 4 eröffnete am 14. Mai 1881 mit 1.000 Thalern und einem Wagen voller Ware der gelernte Einzelhandelskaufmann Rudolph Karstadt im Alter von 25 Jahren sein erstes Geschäft. Dieses florierte alsbald; denn er forderte zwar Barzahlung und feste Preise, obwohl damals noch das Handeln wie im Basar üblich war, bot seine Waren aber auch besonders günstig an. Die Vorteile waren offensichtlich: Er konnte genau kalkulieren und verfügte zudem über die nötige Liquidität, um im großen Stil preiswert einkaufen zu können. Schon 1884 eröffnete er folgerichtig ein Zweiggeschäft in Lübeck und betrieb beim 25. Firmenjubiläum bereits 24 Kaufhäuser in Norddeutschland – wenn der wüßte, was seine Nachfahren daraus gemacht haben!
Doch zurück zum Stadtrundgang: Zunächst der „Krämerstr.“ und dann der leicht nach links versetzten „Bohrstr.“ in Richtung Norden folgend gelangen Sie zur Grube, die bereits im 13. Jh. einerseits für Mühlen aufgestaut, andererseits zum schiffbaren Kanal ausgebaut wurde, so daß eine direkte Verbindung zum Hafen bestand. Nördlich schließt sich der Spiegelberg an, wo die Ursprünge von Wismar liegen und die Nikolaikirche zu finden ist. 1380 wurde mit dem Bau begonnen und offensichtlich der Versuch unternommen, der gestiegenen Macht der Stadt dadurch Ausdruck zu verleihen, daß man die Marienkirche (seit 1339 in Bau) nahezu kopierte, aber alles noch etwas größer baute – beispielsweise wurde das Dach des Mittelschiffs in die luftige Höhe von 37 m befördert (bei der Marienkirche genügten noch 32 m).
Sollte Ihnen das Wetter jetzt einen Streich spielen und Petrus Tropfen vom Himmel fallen lassen, bietet sich das gleich jenseits der Grube gelegene Schabbellhaus für einen Besuch an, denn es beheimatet heutzutage das Stadtgeschichtliche Museum – Schweinsbrücke 8, geöffnet di-so Mai-Okt. 10-20 h, Nov.-April bis 17 h, Eintritt 2 € (Exponate zur Stadtgeschichte im engeren und weiteren Sinne sowie eine große medizinhistorische Sammlung). Der repräsentative Bau wurde 1569-71 für den späteren Bürgermeister Hinrich Schabbell als Wohn- und Brauhaus errichtet und vom niederländischen Baumeister Philipp Brandin entworfen, der damit die holländische Kombination von Backstein und gliedernden Sandsteinstücken im Ostseeraum einführte. Brandin verschaffte Wismar übrigens noch ein weiteres Beispiel außergewöhnlicher Architektur: Von ihm stammen die Pläne für die Wasserkunst.
Und apropos Brauhaus: Sollten Sie zwischenzeitlich durstig geworden sein, wird es Ihnen zunächst gar nichts nützen, daß Wismar einst sein berühmtes Bier in halb Europa verkaufte und daß man 1464/65 nicht weniger als 183 Braustätten und 150 Hopfengärten in der Stadt zählte; denn davon blieb nichts übrig. Gar nichts? Nein, eine Brauerei ist wieder in Wismar ansässig und leicht zu finden, wenn Sie vom Schabbellhaus der Grube nach Westen folgen und kurz vor dem Alten Hafen rechts in die Gasse „Am Lohberg“ abbiegen; denn dort ist in einem Fachwerkbau, der ab 1452 Brauzwecken diente, dann aber jahrhundertelang zweckentfremdet genutzt wurde (Skandal!), seit 1995 wieder ein Brauhaus untergebracht, so daß Sie den Tag mit dem einen oder anderen Glas Wismarer Gerstensaft ausklingen lassen können.
Oh, ´tschuldigung, jetzt hätte ich doch beinahe ob des leckeren Getränks zwei Dinge vergessen zu erwähnen, nämlich zum einen, daß Sie nicht allein durch die Stadt wandeln müssen und noch mehr Wissenswertes erfahren können, wenn Sie sich einer der Öffentlichen Stadtführungen anschließen, die von Karfreitag bis 31. Oktober täglich 10.30 h für 4 € angeboten werden – Treffpunkt Tourist-Information.
Und zum anderen die Poeler Kogge, die zwar vor Timmendorf auf der Insel Poel – daher der Name – gefunden wurde, aber doch sehr eng mit Wismar verbunden ist, da man sich hier entschloß, anhand des außerordentlich gut erhaltenen Wracks einen Nachbau zu wagen. Die Poeler Kogge unterscheidet sich zwar von den zuvor gefundenen Koggen und weist z.B. keinen Plattboden, sondern eine Muschelform auf und konnte mit 200 Tonnen Ladung mehr befördern als die bereits bekannten Exemplare, war aber dennoch den Verhältnissen auf der Ostsee mit z.B. einem Tiefgang von ca. 2 m bestens angepaßt. Da liegt es doch auf der Hand, daß die Poeler Kogge nach einer Bauzeit von 5 Jahren heutzutage als maritimer Botschafter für die Hansestadt Wismar unterwegs ist.
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Tourist-Information, Am Markt 11, 23966 Wismar, Fon 03841 / 19433, Fax 03841 / 2513091,
E-Mail touristinfo@wismar.de,
Internet www.wismar.de.
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Übernachtungsmöglichkeiten in Wismar
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Den „Markt“ verlassen Sie so, wie Sie ihn erreicht haben, und folgen vorbei am Kaufhaus Karstadt der „Krämerstraße“ (Fußgängerzone) abwärts. Bald stellt sich geradezu (Tick links) eine Einbahnstraße in Gegenrichtung in den Weg, doch dürfen Radfahrer passieren, und so geht es bis zur Grube, wo Sie mit Radhinweis rechts abbiegen, um – vorbei an der Kirche St. Nikolai linker Hand und dem Schabbellhaus rechter Hand – bei der nächsten Brücke links abzuzweigen und bis zu einer Vorfahrtstraße zu radeln. Diese queren Sie gerade und folgen der „Poeler Straße“ über Schienen hinweg, bevor rechter Hand ein Radweg geboten wird.
So radeln Sie eine ganze Weile auf unterschiedlichsten Belägen stadtauswärts, bis es mit Radhinweisen an einer beampelten Kreuzung links geht. Die Route führt sodann durch das Gewerbegebiet, zweigt dort an einer beampelten Kreuzung rechts ab, absolviert mit der Straße noch einen Rechtsbogen und führt später links auf einspurigen Asphalt, womit die Stadt auch schon hinter Ihnen liegt und Sie wieder genüßlich radeln können.
Nachdem Sie einen kleinen See passiert haben, geht es an einer Bucht entlang, und Sie fahren sodann hinein nach Redentin, wo Sie auf der Höhe der Ortsmitte etwas nach links verschwenken, um einer Sackgasse bis zur Hauptstraße zu folgen. Dort radeln Sie nur wenige Meter auf dem Zweirichtungsradweg links der Straße; denn dann verspringt die Route auf den Geh- und Radweg rechts. Der Weg ist gut asphaltiert und reicht bis nach Groß Strömkendorf, wo Sie sich entscheiden müssen, ob Sie der Vorfahrt auf die Insel Poel folgen oder rechts abbiegen und weiter Richtung Blowatz fahren wollen.
Exkurs: Insel Poel (32 km)
Auf einem asphaltierten Geh- und Radweg – nur kurz unterbrochen durch ein betonsteingepflastertes Stück – radeln Sie über den Damm und zwei kleine Eilande zur
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Inselinfo
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Insel Poel – sprich Pöl –, die im Innern ländlich geprägt ist und einen schnell vergessen läßt, daß man sich auf einer Insel befindet. Im Norden und Westen wird aber eine – meist niedrige – Steilküste und Strand geboten, so daß der Eindruck korrigiert wird. Poels Geschichte wurde überwiegend von der nahe gelegenen Hansestadt Wismar bestimmt, die zur Sicherung ihrer Interessen im 13. Jh. die auf der Insel lebenden Seeräuber vernichtete bzw. vertrieb und die Fänge der Fischer unter ihre Kontrolle brachte. Zusammen mit der Stadt geriet Poel im Zuge des Dreißigjährigen Krieges unter schwedische Herrschaft, wurde 1803 an Mecklenburg verpfändet und 1903 zurückgegeben. Neben der Landwirtschaft und Fischerei bestimmt heute vor allem der Tourismus das Geschehen. Wenn Sie mehr über das Leben auf der Insel in Erfahrung bringen möchten, sollten Sie das Heimatmuseum im Hauptort Kirchdorf besuchen, das auch wechselnde Sonder- und Kunstausstellungen bietet – Möwenweg 4, Fon 038425 / 20732, geöffnet Mitte Mai-Mitte Sept. di-so 10-16 h, übrige Zeit di, mi & sa 10-12 h.
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Kurverwaltung, Wismarsche Straße 2, 23999 Insel Poel, Fon 038425 / 20347, Fax 038425 / 4043,
E-Mail kurverwaltung@insel-poel.de,
Internet www.insel-poel.de.
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In Fährdorf biegen Sie bei der ersten Möglichkeit rechts ab (Radhinweis 'R 8') und pedalieren auf einer älteren, zweispurig asphaltierten Straße nach Malchow, wo sich der Schaugarten der Hochschule Wismar befindet, der 2009 auch als einer der Außenstandorte der Bundesgartenschau in Schwerin dient. Bald darauf passieren Sie einen Abzweig links und können einem dort vorhandenen Hinweis entnehmen, daß es geradezu auf der Route 'T 3' weiter geht Richtung Timmendorf.
In Vorwerk folgen Sie einer Linkskurve, bevor es ein wenig hügelan und sodann rechts nach Gollwitz geht. In der Häuseransammlung schlagen Sie einen Bogen um einen Teich, fahren in eine Sackgasse und biegen alsbald links ab, um auf nun einspurigem Asphalt wieder hinaus in die Felder zu radeln. Dort leitet der Weg nach einer Weile rechts zur Steilküste, wo der gute Belag endet und Sie mit einem naturbelassenen Weg im Küstenschutzwald vorlieb nehmen müssen, der einige recht sandige Abschnitte offeriert, wo es durchaus schwer fallen kann, das Velo in der Spur zu halten.
Nach ca. 3 km ist das lästige Stück überwunden, und Sie versetzen in der Siedlung Am Schwarzen Busch auf grobem Pflaster rechts/links in die Straße „Zum Reetmoor”. Der Straßenname ist auch insofern ganz passend, als daß an ihr entlang zahlreiche Ferienhäuser im Einheitslook mit Reetdach errichtet wurden. Wenn Sie sich daran satt gesehen haben, gilt es, darauf zu achten, daß die Etappe nach einer Weile – noch vor dem Ortsende – mit Hinweis 'T 3' links/rechts versetzt.
Damit wechselt der Belag zu Beton – erst einspurig, später zweistreifig. Zunächst ist der Rollgrund schön glatt, dann müssen Sie allerdings auf einer Länge von ca. 300 m sehr hoppelige Betonplatten ertragen. An einer T-Kreuzung geht es sodann rechts und damit wieder auf glatte zweistreifige Betonplatten Richtung Neuhof Strand. Kurz davor knickt die Route links ab und leitet am Küstenschutzwald entlang zu einer T-Kreuzung, wo Sie wieder rechts abbiegen. Wenige Meter weiter werden Sie nach links gelenkt und folgen dem weiter beständig guten Belag bis zur Landstraße, deren niet- und nagelneuer Geh- und Radweg rechts nach Timmendorf leitet.
Im Ort rollen die Räder auf der Fahrbahn bis zum Leuchtturm, und Sie halten sich direkt am Hafen links, um einer groben Pflasterpiste zu folgen. Es ist aber nicht weit, bis die Räder auf einem naturbelassenen Weg rollen, der teils angenehm glatt, teils aber auch sehr hoppelig ist. Erst leitet die Route durch den Küstenschutzwald, ist später aber wegen Abbrüchen an der Steilküste gesperrt, weshalb Sie landeinwärts an den Waldrand geführt werden, wo die Qualität des Weges gelinde gesagt bescheiden ist. Lassen Sie es also ruhig angehen.
Bei einem Parkplatz treffen Sie auf einen breiten Schotterfahrweg und folgen diesem links. Den teils ziemlich losen Schotter lassen Sie bei einem einsam gelegenen Gehöft hinter sich und pedalieren rechts auf einspurigem Asphalt nach Wangern – ach, so macht das Radeln wieder Spaß. Im Ort versetzen Sie mittels der Vorfahrtstraße ein wenig links/rechts und mißachten gleich darauf einen Hinweis rechts nach Kirchdorf; denn dieser lenkt auf den Radweg an der Landstraße, die in der Saison durchaus beachtlich befahren sein kann, so daß Sie nicht mehr das Rauschen des Windes, sondern das Gedröhn der Autos in den Ohren haben würden.
Statt dessen geht es geradezu auf zweistreifigen Betonplatten sanft hügelan Richtung Seedorf. Kurz vor dem Ort knickt die Route rechts ab und leitet auf einem geschotterten Fahrweg über einen Hügel hinweg nach Kirchdorf. Dort stoßen Sie auf eine Straße, versetzen rechts/links auf den Geh- und Radweg an der Landstraße und wechseln bei der nächsten Seitenstraße auf die Fahrbahn, um, wenn die Vorfahrt alsbald links abknickt, rechts abzuzweigen und somit zur Kirche zu fahren, wo am Eingang zum Friedhof eine Stelltafel über das einstige Schloß und die frühere Festung Poel informiert.
Die Etappe führt hernach auf Asphalt am Hafen vorbei, bis es links auf einen Schotterweg geht. Alsbald können Sie gemäß Hinweis links in die Ortsmitte abbiegen, die Route folgt aber dem Hinweis Richtung Malchow, so daß die Räder auf einem schmalen Schotterweg und über einen ebenso schmalen Steg rollen. Die Breite des Stegs dürfte gerade noch ausreichend sein für zweirädrige Kinderanhänger, wenn nicht, bleibt nur der Umweg über das Zentrum.
Nach dem Steg geht es weiter auf dem recht schmalen Schotterweg, es ist aber nicht weit bis zur Zufahrt eines Jachthafens, wo Sie links zur Landstraße fahren, um jenseits der Fahrbahn dem schön glatt asphaltierten Geh- und Radweg rechts nach Fährdorf zu folgen. Dabei gewinnen Sie ein wenig an Höhe und können den Blick in die Ferne schweifen lassen, bevor eine lange Abfahrt folgt und Sie auf dem Damm zurückfahren nach Groß Strömkendorf.
Ende des Exkurses.
Nach dem Ausflug auf die Insel Poel verlassen Sie Groß Strömkendorf auf einem Geh- und Radweg, der im Ort noch betonsteingepflastert, danach asphaltiert ist und über Wodorf nach Blowatz leitet. Dort wechseln Sie auf die Fahrbahn, knicken bald mit der Vorfahrt links ab und sausen abwärts, um nach der Querung eines Baches Dreveskirchen zu erreichen, wo Sie trotz eines recht hohen Kantsteins auf den betonsteingepflasterten Geh- und Radweg wechseln sollen – mein Gott, diese Tiefbauer!
Es geht ganz ordentlich hügelan und nach dem Ort auf einem nun asphaltierten Geh- und Radweg eine Weile durch den Wald, bevor Sie Stove erreichen und die Räder wieder auf der Fahrbahn rollen. In Boiensdorf wiederholt sich das Spiel, d.h. es geht auf der Fahrbahn durch den Ort, und Sie wechseln danach auf den asphaltierten Geh- und Radweg, der eine ganze Weile hügelan leitet, so daß Sie beim Scharberg immerhin eine Höhe von rund 50 m ü.N.N. erreichen. Dort wartet übrigens schon ein Herr auf Sie und wird auch dort bleiben, wenn Sie die Fahrt auf dem weiter asphaltierten Geh- und Radweg fortsetzen.
Lang anhaltend geht es abwärts nach Klein Strömkendorf, wo die Route einen kleinen Haken schlägt, bevor Sie wieder dicht an die Straße und schließlich auf sie gelenkt werden, um auf der hübschen alten Allee nach Pepelow zu fahren. Dort wird alsbald ein betonsteingepflasterter Geh- und Radweg geboten, und die Etappe endet wenige Meter weiter beim Rastplatz in der Ortsmitte.
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