|
Die Etappe beginnt beim Rastplatz am nordöstlichen Ortsrand von Kinnbackenhagen und führt gemäß Radhinweis auf einspurigem und glattem Asphalt nach Bisdorf, wo die Räder kurz auf Betonplatten, danach auf Kopfsteinpflaster rollen. Am südlichen Ortsende knickt der Ostsee-Radweg links ab und leitet über die Bushaltestelle auf eine 1½spurig asphaltierte Allee, die bis nach Hohendorf reicht.
Im Ort wechselt der Belag mehrfach, und Sie versetzen links/rechts, bevor es bald nochmal links geht, um ein paar Meter weiter auf Asphalt ein wenig hügelan radeln zu können. So stoßen Sie auf zweistreifig verlegte Betonplatten und folgen diesen rechts aus Hohendorf hinaus. Nach dem Ortsende rollen die Räder wieder auf Asphalt, und so geht es nach Klausdorf, wo Sie links in eine Vorfahrtstraße einbiegen, diese aber alsbald mit Radhinweis nach halbrechts wieder verlassen.
Auf gut einspurigem Asphalt geht es weiter, doch wie das Ortsendeschild signalisiert, führt diese Straße nach Prohn, weshalb Sie bald geradezu auf einen alten Asphaltweg wechseln, der mit Schotter überdeckt wurde, um noch passables Radeln zu ermöglichen. Beim kleinen Hafen von Damitz geht dies in einen schlaglochreichen Schotterweg über, doch schon bald schließen sich zweistreifig verlegte Betonplatten an, deren Zwischenraum mit Asphalt aufgefüllt wurde, so daß Sie halbwegs erträglich radeln können. Für Kinderanhänger ist die Spur in der Mitte allerdings zu schmal, so daß es für die Kleinen arg hoppelig wird.
Kurz vor Parow ist das überwunden, denn Sie biegen links auf einen neuen asphaltierten Geh- und Radweg ab (die zugehörige Straße fehlt noch in der TOP 200), radeln auf den Ort zu, zweigen aber noch vor ihm rechts ab, halten sich später halbrechts, passieren den Gutshof und biegen links ab, so daß Sie auf eine Vorfahrtstraße stoßen. In diese biegen Sie rechts ein und radeln länger anhaltend sanft hügelan. Bei der sich anschließenden Abfahrt erreichen Sie Stralsund, passieren einen Kreisverkehr gerade und zweigen beim nächsten Kreisverkehr links ab.
Wie zuvor rollen die Räder weiter auf Betonsteinpflaster schnurstracks auf die Altstadt zu. Kurz vor ihr biegen Sie gemäß Hinweis des Ostsee-Radwegs an einer beampelten Kreuzung rechts in die „Friedrich-Engels-Straße” ab. Nach ca. 500 m wechseln Sie – ohne Hinweis – auf den Radweg links der Fahrbahn und zweigen wenige Meter weiter Richtung 'Altstadt' links ab. Der „Küterdamm” leitet durch den 'Knieper Teich', und Sie folgen jenseits geradezu der „Heilgeiststraße”, bis links die „Ossenreyerstraße” zum Rathaus am „Alten Markt“ führt, wo auch die Tourist-Information zu finden ist: Alter Markt 9.
|
|
Stralsund, 13 m ü.N.N., 58.000 Einw., entwickelte sich aus einer slawischen Fischersiedlung und erhielt nach der Einwanderung deutscher Kaufleute 1234 vom rügischen Fürsten lübisches Stadtrecht. Weil damit eine Konkurrenz im Ostseehandel drohte, überfiel die Lübecker Flotte kurzerhand den Ort, doch konnte das aufstrebende Gemeinwesen dadurch kaum gebremst werden. Statt dessen schlossen sich die bisher unabhängigen Teile um den Alten und den Neuen Markt zusammen und errichteten Ende des 14. Jh. eine gemeinsame Befestigung, die Stralsund zur rundum gesicherten 'Insel' machte – im Norden und Osten liegt der Strelasund, im Westen und Süden die großen Seen Knieper- und Frankenteich.
Der durch Rügen natürlich geschützte Hafen bot zudem eine hervorragende Möglichkeit zum Einstieg in den Handel mit Skandinavien, dem Baltikum und Rußland, so daß sich Stralsund (seit 1293 Mitglied des Bundes von Lübeck, Rostock und Wismar, der als Keimzelle der Hanse betrachtet werden kann) zu einer der mächtigsten Städte der Ostsee aufschwingen konnte. Als einer der Höhepunkte in der Stadtgeschichte gilt der Abschluß des 'Friedens von Stralsund' (1370), in dem Dänemark die hansischen Handelsvorrechte garantieren und für 15 Jahre sogar die Einnahmen der Sundschlösser abführen mußte – was dem Stadtsäckel sicherlich nicht geschadet hat.
Doch nach rund 200 Jahren Blütephase setzte Ende des 15. Jh. der Niedergang der Hanse und mit ihr der Stralsunds ein. Immerhin war die Stadt aber noch so mächtig, daß sie 1628 der Belagerung Wallensteins widerstand. Im Westfälischen Frieden (1648) geriet Stralsund unter schwedische Herrschaft und ertrug diese – mit mehreren Angriffen verbundene – bis 1815; wobei die Stadt ab 1720 Sitz des schwedischen Gouverneurs war, da Preußen Stettin erobert hatte, was Stralsund eine kleine Erholung bescherte.
Im 19. Jh. hatte die Stadt Anteil an der expandierenden Segelschifffahrt, verlor die günstige Position aber im Zuge der Entwicklung der Dampfschiffe und der Verlagerung der Haupthandelswege nach Westen. Selbst die traditionelle Verbindung nach Schweden mußte Stralsund an das bis dato unbedeutende Rügendorf Saßnitz abtreten. Da die Hansestadt trotz Bahnanschluß (seit 1863) auch vom industriellen Aufschwung kaum profitierte, blieb sie vergleichsweise klein, was aber zunächst den Erhalt großer Teile der Altstadt sicherte. Allerdings sorgten die Bomben des Zweiten Weltkriegs und danach die Konzentration auf den Plattenwohnungsbau in den Vororten für den Verlust zahlreicher Baudenkmäler in der Innenstadt. Nach der Wende wurde aber recht fleißig saniert, was am 27. Juni 2002 durch die Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste (zusammen mit Wismar) belohnt wurde.
Als Startpunkt für eine Besichtigungstour bietet sich der „Alte Markt“ an, an dem das Rathaus steht. Zum Platz hin präsentiert sich der vierflügelige Bau mit einer Ende des 14. Jh. errichteten Schauwand, die u.a. Wappen der bedeutendsten Hansestädte zur Erinnerung an die glorreiche Zeit schmücken. Im Innern überrascht das Gebäude mit einem überdachten Durchgang, der durch die Zusammenfassung der zuvor als Kaufhäuser genutzten Ost- und Westflügel (von ca. 1270) mit den nördlichen und südlichen Anbauten (14. Jh.) entstand. Über den ehemals offenen Arkaden der Verkaufsstände im Erdgeschoß verläuft seit 1680 eine Galerie, die den unterschiedlichen Bauteilen einen gemeinsamen Rahmen gibt. Doch nicht nur in Nord/Süd-, sondern auch in Ost/West-Richtung verläuft ein Durchgang, der an der Westseite unter der Inkaufnahme eines Stilbruchs mit einer Barockfassade 'verschönert' wurde, in die das schwedische Wappen eingelassen ist.
Unmittelbar östlich des Rathauses befindet sich die Nikolaikirche, die die reichste Ausstattung der Stralsunder Gotteshäuser besitzt. Aber trotz des Wohlstands trägt nur einer der beiden Türme eine 'richtige' Spitze; Hintergrund sind ein Brand und die relative Verarmung der Stadt Ende des 17. Jh. – da reichte es eben (auch wegen anderer Bauvorhaben) nur für eine barocke Haube mit Laterne.
Eine Anmerkung am Rande: Vielleicht taucht bei Ihnen die Frage auf, warum es an der Ostseeküste so viele Nikolaikirchen gibt. Der Grund ist, daß Nikolaus nicht nur als Schutzherr der Kinder, sondern z.B. auch der Schiffer und (Hanse-) Kaufleute gilt, und da scheute eine Hafenstadt natürlich weder Kosten noch Mühen und widmete die prächtigste Kirche dem Nikolaus, um sein Wohlwollen zu sichern.
Westlich des Rathauses leitet die Fußgängerzone („Ossenreyerstraße“) nach Süden, die außer von zwei Kaufhäusern vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts von einigen der für Hansestädte so typischen Giebelhäuser flankiert wird. Wenn Sie nach einer Weile rechts in die „Böttcherstraße“ einbiegen, kommen Sie direkt zum ehemaligen Katharinenkloster, das die Dominikaner ab 1250 erbauten. Seit 1924 dient es als Kulturhistorisches Museum (Archäologie, Stadtgeschichte, Volkskunde, Kunst- und Kulturgeschichte, darunter der Hiddenseer Goldschmuck – geöffnet mo-so 10-17 h, Eintritt 4,- €).
Die zugehörige Klosterkirche hat übrigens eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich: Nachdem sich niemand mehr für die religiöse Nutzung interessierte, wurde sie für alle möglichen Zwecke (Speicher, Viehauktionen, Boxkämpfe etc.) mißbraucht, bevor sie nach der Restaurierung 1974 dem Meeresmuseum übergeben wurde. Nun mag auch das gläubigen Menschen eigentümlich erscheinen, doch ist dies sicherlich von den genannten noch die verträglichste Nutzung und beschert den Besuchern einen bleibenden Eindruck. Das Museum bietet hier an seinem Stammsitz neben Dauerausstellungen z.B. zu den Themen Meereskunde, Meeresbiologie und Fischerei auch 36 tropische Aquarien, darunter Deutschlands größtes Schildkrötenaquarium mit einer immerhin 3 m x 8 m großen Scheibe (geöffnet Juni-Sept. tägl. 10-18 h, übrige Zeit tägl. 10-17 h).
Wer durch den Besuch auf den Geschmack gekommen ist und noch mehr über die Fischerei und die Meeresforschung sowie vor allem über die dabei verwendeten Fahrzeuge in Erfahrung bringen will, schwingt sich in den Sattel und radelt über den Rügendamm zur Insel Dänholm, wo das Nautineum zu finden ist. Eines der Schmuckstücke des Museums ist das 1968 gebaute und bis Ende der 70er Jahre in Betrieb befindliche Unterwasserlabor 'Helgoland', welches mit einer Länge von 14 m sowie einer Breite und Höhe von jeweils 7 m Tauchern einen mehrwöchigen Aufenthalt gestattete.
Da sich manch einer nun schon fragen wird, ob der Hinnerk R. Ginsther denn gar nichts zum Highlight des Deutschen Meeresmuseums sagen will, obwohl es, wie rechts im Bild zu sehen, sozusagen schon um die Ecke lugt, beeile ich mich lieber mal und erwähne, daß im Juli 2008 auf der Stralsunder Hafeninsel das Ozeaneum seine Tore geöffnet hat. Daß die Stralsunder nicht länger kleckern, sondern nun mal klotzen wollten, verdeutlicht schon die Architektur, was nicht negativ gemeint ist, schließlich geht es durchaus in Ordnung, in einer vom hanseatischen Backstein beherrschten Stadt mal einen Kontrapunkt zu setzen. Und das ist mit dem Ozeaneum wahrlich gelungen: Irgendwie ist es nicht von dieser Welt. Das gilt zudem nicht nur für die spektakuläre Architektur, sondern auch für die Ausstellung; denn bei zwei Rundgängen wird mit zahlreichen Aquarien ein Einblick in das Leben in Ostsee, Nordsee und Nordatlantik geboten, darunter ein 2,6 Mio.-Liter-Schwarmfischbecken mit 50 m² großer Panoramascheibe sowie ein Tunnelbecken (geöffnet Juni-Sept. tägl. 9.30-21 h, übrige Zeit tägl. 9.30-19 h; Eintritt Ozeaneum 14,- €, Meeresmuseum 7,50 € und Nautineum 3,- €, Kombikarte für alle drei 19,50 Euro, weitere Information unter www.meeresmuseum.de).
Doch bevor Sie sich vom Meeresmuseum direkt zum Ozeaneum und Nautineum aufmachen, sollten Sie vielleicht erst Ihren Spaziergang durch die Altstadt fortsetzen. Z.B. indem Sie der direkt an der Ostseite des Katharinenklosters verlaufenden „Mönchstraße“ nach Süden zum „Neuen Markt“ folgen, wo die größte Kirche Stralsunds zu finden ist. Die Marienkirche wurde nach dem Einsturz einer früheren gotischen Hallenkirche ab 1382 binnen ca. 100 Jahren erbaut, wobei weitgehend auf dekorative Elemente verzichtet wurde. Auch das Innere ist vergleichsweise schlicht, was u.a. darauf zurückzuführen ist, daß sich Anfang des 19. Jh. Soldaten einquartierten, um die Stadt gegen Napoleon zu verteidigen. Erhalten blieb aber die Orgel von 1659, die der Hamburger Stellwangen im bombastischen Barock schuf.
Wenn Sie den 104 m hohen Turm mit dem gewaltigen Unterbau umrunden, finden Sie an der Südseite die oktogonale Apollonienkapelle, die die Bürger als Zeichen der Reue stifteten, nachdem sie drei 'Pfaffen' per Scheiterhaufen ins Jenseits befördert hatten.
Zur weiteren Besichtigung bieten sich (auch für den Rückweg) die Befestigung an der Westseite der Altstadt mit Küter- und Kniepertor an oder, wenn Sie auch den Ostteil kennen lernen möchten, das nahe dem alten Hafen gelegene Heilgeistspital (1256 gegründet, mit gleichnamiger Kirche und 1643 erneuertem Spitalgebäude mit den Innenhof umlaufender hölzerner Galerie, die als Vorbild für die Gestaltung des Rathausinneren diente).
Wer die Altstadt lieber in Begleitung kundiger Personen kennen lernen möchte, sollte an einer Führung der Tourist-Information teilnehmen. Täglich wird um 11 h unter dem Titel 'Roter Backstein, blaues Meer' eine allgemeine Führung für 4,- € angeboten. Darüber hinaus werden noch weitere, speziellere Führungen offeriert – z.B. eine mit Brauereibesichtigung (und Bierverkostung versteht sich) oder eine Nachtwächtertour mit dem Titel 'Diebe, Mörder und Huren', na, denn man tau! Mehr dazu erfahren Sie unter www.stralsundtourismus.de und weiter unter -> Stadtführungen.
|