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Ostseeküsten-Radweg SH (6)

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Etappe 6: Kellenhusen - Grömitz - Bliesdorf - Brodau - Rettin - Pelzerhaken - Neustadt - Sierksdorf - Haffkrug - Scharbeutz - Timmendorfer Strand - Niendorf - Travemünde - Lübeck (71 km)

 

Sofern Sie im Besitz der CD "TOP 200" sind, können Sie sich die unten abgebildete Etappe mit eingezeichneter Streckenführung hier als Overlay-Datei herunterladen (ca. 8 KB).
Informationen zur CD TOP 200

Ostsee-Radweg SH: Etappe 6 von Kellenhusen über Grömitz, Neustadt, Sierksdorf, Haffkrug, Scharbeutz, Timmendorfer Strand und Travemünde nach Lübeck

Quelle: ATKIS® DTK200-V, © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2004

 

Eine abwechslungsreiche Etappe; denn mal radeln Sie topfeben nahe dem Strand (so z.B. zwischen Kellenhusen und Grömitz, Sierksdorf und Timmendorfer Strand) und mal müssen Sie ganz beachtliche, allerdings nur kurze Steigungen bewältigen (z.B. zwischen Grömitz und Rettin, Neustadt und Sierksdorf sowie Niendorf und Travemünde). Wer auf der Suche nach dem schönsten Strand ist, wird angesichts der Auswahl seine Schwierigkeiten haben. Und wer sich nach all der schönen Landschaft, den herrlichen Ausblicken sowie der Ruhe und Erholung nach Stadt und Trubel sehnt, wird ob des Reiseziels Lübeck sicher schon unruhig mit den Hufen scharren – gemach, gemach! Es ist ja nicht mehr weit.

Die Etappe folgt beständig dem Deich, der einen passabel beradelbaren Schotterweg bietet und der auch mit Kinderanhänger noch so einigermaßen befahren werden kann – nur auf kurzen Abschnitten ist der Weg so stark von Gras durchwachsen, daß die Nachkommen stärker durchgeschaukelt werden. Beim ersten Campingplatz von Grömitz (Ortsteil Lenste) rollen Sie vom Deich herunter auf eine asphaltierte Straße, auf der Sie eine ganze Weile unterhalb des Deiches – mal etwas näher, mal etwas entfernt – radeln dürfen.

So geht es hinein nach Grömitz, wo Sie dem Verlauf der Straße („Blankwasserweg“) folgen, bis Sie automatisch halbrechts gelenkt werden („Schützenstraße“) und derart bald an einen Kreisverkehr gelangen. Gemäß der großen Radhinweistafel biegen Sie links ab („Wicheldorfstraße“), fahren kurz darauf an der Fußgängerzone vorbei und wählen, wenn Sie die Etappe sogleich fortsetzen wollen, an der bald erreichten Gabelung mit Radhinweis die rechte Möglichkeit (weiterhin „Wicheldorfstraße“). Möchten Sie aber zur Kurverwaltung, halten Sie sich links („Seestraße“) und radeln bis zur Kurpromenade, wo alsbald rechter Hand der Tourismus-Service zu finden ist.

 

Ortsinfo

Blick auf Grömitz, Ostseeküsten-RadwegGrömitz, 14 m ü.N.N., 7.700 Einw., wirbt u.a. mit dem „soweit-das-Auge-reicht-Strand“, was in Anbetracht des Fotos wohl als zutreffend zu bezeichnen ist. Der Strand für sich genommen hebt Grömitz aber noch nicht aus der Vielzahl der Ostseebäder heraus. Besonders ist vielmehr, daß man in Grömitz nicht wie andernorts beinahe ausschließlich auf einen familienorientierten Urlaub setzt, sondern gezielt ein jüngeres bzw. junggebliebenes Publikum anspricht. An der Strandpromenade in Grömitz, Ostseeküsten-RadwegIn den Urlaubsprospekten lockt man z.B. gezielt die Nachtschwärmer an, die davon träumen, einen lauschigen Sommerabend im 'Beachclub' oder der 'Ostsee-Lounge' direkt am Strand zu verbringen und danach noch in die Disco möchten, was in Grömitz im Gegensatz zu manch kleinerem Seebad möglich ist. Grömitz gibt sich also durchaus schon ein bißchen städtisch, was Sie unschwer nachvollziehen können, wenn Sie sich in der Hochsaison für eine Weile an der Strandpromenade in einem der Cafés oder Restaurants niederlassen.

Das Grömitz in einer anderen Liga spielt, wird auch am jüngst ausgebauten Jachthafen deutlich. Es stehen nicht nur beachtliche 780 Liegeplätze zur Verfügung, sondern über 700 Bootseigner geben Grömitz auch als Heimathafen an. Und da die Promenade am Hafen frei zugänglich ist, können auch die Landratten das maritime Flair genießen.

Wollen Sie lieber Ihrem vom Radfahren zwar gestählten, doch auch geschundenen Körper eine Verschnaufpause gönnen, Im Grömitzer Wellarium, Ostseeküsten-Radwegbietet sich ein Besuch des Wellariums an, welches im Meerwasser-Brandungsbad 'Grömitzer Welle' (bei der Tourist-Information) untergebracht ist. Allein bei dem Gedanken daran, werden sich viele Männer abwenden; denn das sei ja nichts für sie. Ein Irrtum, wie die Herren der Schöpfung beim 'Gentlemen Special' mit Leichtigkeit überprüfen können (150 min für 79 €), während die Damen sich vielleicht 'Samt & Seide' gönnen (150 min für 89 €) – das ist wie beim Friseur: Frauen müssen immer mehr bezahlen.

Grömitz, Ostseeküsten-Radweg Tourismus-Service, Kurpromenade 58, 23743 Grömitz, Fon 04562 / 2560, Fax 04562 / 256246, E-Mail: info@groemitz.de, Internet www.groemitz.de.

 

An einer beampelten Kreuzung halten Sie sich geradeaus und zweigen bald mit Radhinweis links auf die „Uferstraße“ ab, um wenige Meter weiter mit Tick links auf die Promenade zu wechseln, auf der nun ein Streifen für die Fahrradfahrer reserviert ist! Das Glück, ausnahmsweise mal ganz offiziell auf einer Promenade radeln zu dürfen, währt aber nur kurz; denn schon nach wenigen Metern knickt die Route rechts ab, und Sie müssen auf dem „Birkenweg“ kurz sehr steil aufwärts radeln.

So stoßen Sie auf eine Vorfahrtstraße („Haffkamp“), biegen links ein und folgen bald dem Rechtsknick der Vorfahrt, bevor Sie beim Ortsende geradeaus die Fahrt auf einem etwas groben Schotterweg fortsetzen. Es sind noch ein paar Höhenmeter zu gewinnen, bevor es wieder abwärts geht und Sie das Tempo drosseln sollten, denn mit Radhinweis geht es alsbald halblinks. So kommen Sie dichter an die neue Zufahrt von Grömitz (die in der TOP 200 noch fehlt) heran, stoßen bald auf einen asphaltierten Weg, halten sich links und queren sodann die neue Zufahrtstraße.

Damit werden Sie an die B 501 herangeführt und wechseln dort auf die Fahrbahn, wo rechts ein schmaler Randstreifen zur Verfügung steht, auf dem Sie zumindest ein wenig Abstand zu den Automobilen einhalten können. Dem Lärm der zahlreichen Kfz können Sie zwar nicht ausweichen, müssen ihn aber auch nicht lange ertragen; denn schon in Bliesdorf zweigen Sie – bei einem beampelten Fußgängerübergang – mit Radhinweis links ab. Im Ort rollen die Räder ein wenig abwärts, und Sie halten sich an der alsbald erreichten Y-Gabelung rechts, um über ein paar sanfte Wellen hinweg weiter nach Brodau zu radeln. Sofern das Wetter mitspielt, dürfen Sie sich übrigens auf dem Weg dorthin, ob der gewonnenen Höhe – ca. 40 m ü.N.N. – über den Blick bis zum Maritim-Hotel in Travemünde freuen (immerhin ca. 18 km Luftlinie entfernt).

Auf der Höhe des nicht nur großen, sondern auch schönen Gutshofes biegen Sie links ab und können sich nun eines asphaltierten Geh- und Radwegs bedienen und auf ihm Achterbahn fahren; denn es folgen kurze steile Auf- und Abfahrten sowie zahlreiche Kurven. In Rettin leitet der Radweg nah an die Fahrbahn heran, und dort signalisiert ein Radhinweis, daß Sie links abbiegen sollen. Ein wenig abwärts geht es bis fast zum Strand, wo Sie rechts auf einen Schotterweg abzweigen, der bald mit Linksbogen auf den asphaltierten Geh- und Radweg hinter den Dünen lenkt.

Vollkommen verkehrsfrei radeln Sie auf diesem – später mit Klinkern befestigten – Weg nach Pelzerhaken, wo die Promenade zwar sehr großzügig ausgebaut wurde, die Radler aber dennoch schieben sollen. Nun denn, schnuppern Sie halt ein bißchen Flair und schieben vorbei an der Tourist-Information bis zu einem Wendekreis, an dem Sie sich wieder in den Sattel schwingen und rechts der „Strandallee“ folgen, um an der bald erreichten T-Kreuzung mit Radhinweis links abzubiegen.

Mit einem Links-/Rechtsbogen geht es auf der „Pelzerhakener Straße“ weiter, und Sie wechseln am Ortsende auf den Geh- und Radweg links, um nach Neustadt zu fahren. Gleich nach dem Ortseingang knickt die Route links ab, und Sie radeln auf das Krankenhaus zu, schlagen erst einen Linksbogen, dann einen nach rechts und sausen hernach – vorbei an einer Seniorenresidenz linker Hand (au weia, vermeintlich stilvoll lebendig in Stein begraben) – hinunter zur Küste. Dort geht es rechts auf einem breiten Schotterweg weiter, doch sollten Sie schon nach wenigen Metern aus dem Sattel steigen, da Sie den Cap Arcona Ehrenfriedhof (s.u.) passieren.

Danach geht es immer nahe dem Ufer weiter, erst vorbei an einem Campingplatz, dann entlang der Strandpromenade und danach auf Schotter durch eine kleine Parkanlage, bevor Sie einige nette kleine Hügelchen geboten bekommen (ach, mit Ihrem Edelrad stellt das doch kein Problem dar, oder?), während Sie unzählige Jachten passieren. Schließlich werden Sie unweit des Zentrums bei einem Café am Hafen auf einen betonsteingepflasterten Zweirichtungsradweg gelenkt und folgen diesem bis zur Brücke, wo der Ostseeküsten-Radweg links abknickt. Wenn Sie zuvor die Stadtmitte aufsuchen wollen, halten Sie sich dort rechts.

 

Stadtinfo

Kremper Tor in Neustadt/Holstein, Ostseeküsten-RadwegNeustadt in Holstein, 16 m ü.N.N., 16.400 Einw., wurde 1226 vom Schauenburger Grafen Adolf IV. gegründet, der damit Lübeck den Rang ablaufen wollte, das in demselben Jahr von Kaiser Friedrich II. in den Stand einer freien Reichsstadt befördert worden war. Das Vorhaben war aber bekanntlich – trotz des günstig gelegenen Hafens – nicht von Erfolg gekrönt, so daß Neustadt für lange Zeit eher unbedeutend blieb. Dafür bewahrte Neustadt in seinem Kern den Grundriß aus der Zeit der Stadtgründung und mit dem Kremper Tor auch eines der ehemals drei mittelalterlichen Stadttore. Heute befindet sich darin das Stadtmuseum, das Sammlungen zur Geschichte der Stadt und des Landes präsentiert – geöffnet di-sa 10.30-17 h & so 14-17 h, Eintritt 1,50 €.

MS Cap ArconaDirekt anschließend finden Sie das Museum Cap Arcona, in dem an die Versenkung des gleichnamigen Luxusdampfers am 3. Mai 1945 in der Neustädter Bucht erinnert wird. Gemäß dem Befehl des SS-Reichsführers Himmler, wonach kein KZ-Häftling „lebend in die Hand des Feindes fallen dürfe“, hatten die Nazis in den letzten Kriegstagen vor allem Häftlinge des KZ Hamburg-Neuengamme auf die Cap Arcona sowie zweier weiterer Schiffe bringen lassen und schon dabei dafür gesorgt, daß so viele wie möglich zu Tode kamen. Die Briten dagegen nahmen an, daß mit den drei Schiffen Nazi-Funktionäre nach Skandinavien fliehen wollten und ließen sie von Jagdbombern angreifen. Das schwedische Rote Kreuz soll sich kurz zuvor bemüht haben, die Alliierten über die wahre Sachlage aufzuklären, aber entweder kam diese Information beim Bomberkommando nicht an oder wurde ignoriert. Fest steht jedenfalls, daß britische Bomber das ausführten, was die Nazis den Häftlingen zugedacht hatten: Über 7.000 Häftlinge kamen auf den Schiffen zu Tode, ertranken in der eiskalten Ostsee oder wurden, wenn Sie es bis an Land geschafft hatten, von den Nazi-Schergen erschossen – geöffnet April, Mai, Sept. & Okt. di-sa 15-17 h & so 10-12 h sowie Juni-Aug. di-so 10-12 & 15-17 h geöffnet, Eintritt frei.

Neustadt, Ostseeküsten-Radweg Tourismus-Service, Dünenweg 7, 23730 Neustadt - Pelzerhaken, Fon 04561 / 7011, Fax 04561 / 7013, E-Mail: tourismus-service@pelzerhaken.de, Internet www.neustadt-holstein.de.

 

Hafenbrücke in Neustadt/Holstein, Ostseeküsten-RadwegBei der Hafenbrücke dürfen Sie sich darüber freuen, daß dem Kfz-Verkehr eine Spur weggenommen wurde, so daß die Radler ganz bequem im Zweirichtungsverkehr unterwegs sein können. Im Prinzip gilt dies auch danach; die Etappe folgt beständig dem linksseitigen Zweirichtungsradweg der Ausfallstraße nach Südwesten, allerdings ist der Weg teilweise ein bißchen schmal und gelegentlich der Belag erneuerungsbedürftig. So nebenbei dürfen Sie sich über die Motorisierten wundern, die hier oft in einem fast endlosen Stau stehen – haben die denn kein Fahrrad?

Nach einer ganzen Weile unterqueren Sie eine Bahnlinie und biegen an dem bald folgenden Kreisverkehr halblinks in die „Sierksdorfer Straße“ ab. Damit rollen die Räder weiter auf einem Zweirichtungsradweg, und es ist noch ein Stückchen zu radeln, bevor der nächste Kreisverkehr erreicht wird, wo es links weiter geht. Erst ist der Radweg gut asphaltiert, später aber schlaglochreich, und damit Ihnen nicht langweilig wird, beschert die Strecke auch noch ordentliche Wellen. Dafür fällt die Orientierung leicht; denn es geht schnurstracks vorbei am Vergnügungsparadies Hansa-Park bis zum Abzweig nach Sierksdorf, wo Sie nach der Brücke über die Eisenbahn dem betonsteingepflasterten Weg bis zur Tourist-Information folgen.

 

Ortsinfo

Sierksdorf, 21 m ü.N.N., 1.600 Einw., war jahrhundertelang eine eher unbedeutende Siedlung, und erst Anfang des 20. Jh. richteten sich Hamburger Kaufleute in der Umgebung Landsitze ein, wovon so nach und nach auch das kleine Dorf profitierte – insbesondere nachdem Sierksdorf 1927 eine eigene Bahnstation erhielt. Der Aufstieg zum großen Badeort erfolgte aber vor allem Anfang der 70er Jahre, als eine Ferienappartementanlage und der Freizeitpark 'Legoland' am nordöstlichen Ortsrand gebaut wurden. Aus dem Legoland wurde später der Hansa-Park, an dem Sie, wenn Sie in Begleitung von Kindern und/oder Jugendlichen reisen, wohl kaum vorbei kommen werden, ohne ihn zu besuchen. Einsamkeit muß niemand befürchten, immerhin werden Parkplätze für 5.000 Pkw etc. pp. geboten; Eintritt 26,- €, weitere Infos unter www.hansapark.de.

Wenn Sie es beschaulicher bevorzugen, reizt Sie vielleicht die Dauerausstellung in der Tourist-Information zum Wirken des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976), Schmidt-Rottluff: Seehofallee in Sierksdorf, Ostseeküsten-Radwegder von 1951-73 regelmäßig die Sommermonate in Sierksdorf verbrachte und dort viele seiner Werke schuf. Schmidt-Rottluff gehörte 1905 zu den Gründern der Künstlergemeinschaft 'Brücke', die sich radikal von den seinerzeit an den Kunstakademien gelehrten Stilen und Techniken abwendete und mit gemeinsamen Ausstellungen ihre avantgardistischen Bestrebungen der Öffentlichkeit bekannt zu machen suchte (Abb. Schmidt-Rottluff: Seehofallee in Sierksdorf, Öl auf Hartfaser, 1956, Städtische Kunstsammlungen Chemnitz). Sierksdorf erinnert aber nicht nur mit Ausstellungen an Schmidt-Rottluff, sondern führt auch mehrmals im Jahr Malkurse durch, so daß Sie Ihre eigenen Fähigkeiten z.B. im Kurs 'Wind, Wasser, Wolken' verfeinern können – mehr dazu finden Sie auf der Website der Tourist-Information.

Bananenmuseum in Sierksdorf, Ostseeküsten-RadwegUnd wenn Sie nun endlich einmal in Erfahrung bringen wollen, warum die Banane krumm ist, empfiehlt sich ein Besuch im Ersten Deutschen Bananenmuseum von Bernhard Stellmacher, der über 10.000 (!) Exponate rund um das krumme Ding gesammelt hat – Prof.-Haas-Straße 59, geöffnet sa & so 11-13 h, Eintritt 2,- €, weitere Infos unter www.bananenmuseum.de.

Sierksdorf, Ostseeküsten-Radweg Tourist-Information, Vogelsang 1, 23730 Sierksdorf, Fon 04563 / 478990, Fax 04563 / 4789918, E-Mail: info@sierksdorf.de, Internet www.sierksdorf.de.

Sierksdorf, Ostseeküsten-Radweg Übernachtungsmöglichkeit in Sierksdorf

 

Bei der Tourist-Information folgt die Etappe halblinks der von Schmidt-Rottluff gemalte Kastanienallee namens „Am Seehof“ (s.o.), und Sie zweigen an der bald erreichten T-Kreuzung rechts ab. Somit rollen die Räder noch ein wenig abwärts, bevor es links in eine querende Vorfahrtstraße geht. Erneut verlieren Sie an Höhe und gelangen derart direkt an den Strand, wo ein Zweirichtungsradweg geboten wird. Wer eine Rast einlegen möchte, bediene sich der eigens für die Radreisenden angelegten Terrassen mit Fahrradabstellmöglichkeit, Tischen und Bänken.

In Haffkrug ist der Radweg ab der Ortsmitte in Skaterqualität asphaltiert, so daß Sie genüßlich weiter nach Scharbeutz pedalieren können.

 

Ortsinfo

Fischer am Strand von Haffkrug, Ostseeküsten-RadwegScharbeutz und der Ortsteil Haffkrug, 12 m ü.N.N., 11.500 Einw., waren jahrhundertelang kleine Ortschaften, in denen die Haupterwerbszweige im Bereich der Land- und Forstwirtschaft lagen, und wie klein sie waren, verdeutlichen die Einwohnerzahlen von 1850, als in beiden Orten jeweils ca. 200 Personen lebten. Dabei hatte man schon den Reiz der Strände und des Badelebens entdeckt und in beiden Orten Bäder gebaut. 1852 kurte sogar der Großherzog von Oldenburg mit der Königin von Griechenland und seinem Hofstaat in Scharbeutz.

Skater in Scharbeutz, Ostseeküsten-RadwegNach dem zweiten Weltkrieg setzte sich die Entwicklung in der eingeschlagenen Richtung fort, und Scharbeutz wie Haffkrug wurden 1970 zu Seeheilbädern erklärt. Im gleichen Jahr wurde in Scharbeutz auch das Meerwasserwellenbad errichtet, so daß man mit nobleren Bädern Schritt halten konnte. Apropos nobel: Es mag dem einen gefallen, dem anderen eher mißfallen, aber Scharbeutz und Haffkrug treten im Vergleich zu manch anderem Seebad eher bescheiden auf. Wer auf die Gesellschaft der echten oder auch Möchtegern-High Society lieber verzichtet, wird sich hier wohl fühlen.

Sollte das Wetter dem Wohlbefinden entgegen stehen, wäre ein Besuch der Ostsee Therme vielleicht das Richtige. Auf über 18.000 m² Fläche wird so ziemlich alles geboten, was mit Wasser, Baden und Wellness zu tun hat, und wenn es Sie zwischendurch in die Ostsee zieht, auch kein Problem; denn ein eigener Strand gehört dazu – geöffnet täglich 9-23 h, div. Tarife u.a. bis 3 Std. incl. Sauna etc. 18,- € - weitere Informationen unter www.ostsee-therme.de.

Scharbeutz, Ostseeküsten-Radweg Tourismus-Service, Bahnhofstr. 2, 23683 Scharbeutz, Fon 04503 / 770964, Fax 04503 / 72122, E-Mail: info@scharbeutz.de, Internet www.scharbeutz.de.

 

Nach der Ortsmitte von Scharbeutz rollen die Räder auf der Fahrbahn, bis zur B 76, wo sich die Route auf dem Geh- und Radweg fortsetzt. Nachdem Sie die Ostsee-Therme passiert haben, biegen Sie links ab und radeln auf der Fahrbahn lang anhaltend durch Timmendorfer Strand, wo Sie bald nach einem sanften Rechtsschwenk in der Ortsmitte – mit Radhinweis – kurz rechts/links versetzen.

 

Ortsinfo

Bäderarchitektur in Timmendorfer Strand, Ostseeküsten-RadwegTimmendorfer Strand, 2 m ü.N.N., 9.000 Einw., ist der richtige Ort, wenn Sie es etwas mondäner und quirliger mögen, wenn Sie sich für die beständige Modenschau am Strand und auf der Promenade begeistern können und wenn Ihnen überhaupt das Sehen und Gesehen werden zusagt. Es muß ja – auch auf einer Fahrradreise – nicht immer nur Natur pur sein; man kann sich schließlich auch im Café, im Restaurant, in einer Bar oder Lounge sowie in einer Diskothek oder in einem Club bzw. beim Shopping und Flanieren die Zeit vertreiben (und die Nacht um die Ohren schlagen). Wem das nicht genügt, der besucht vielleicht zwischendurch das Sealife, ein Meeresaquarium, das nicht nur spektakuläre Blicke auf die Meeresbewohner ermöglicht, sondern auch für Verständnis und Schutz der Meere wirbt – geöffnet täglich ab 10 h, Eintritt 13,50 €, weitere Infos unter www.sealifeeurope.com.

Hafen in Niendorf, Ostseeküsten-RadwegWenn Sie es etwas beschaulicher mögen, suchen Sie sich vielleicht ein Quartier im Ortsteil Niendorf, welcher über einen netten kleinen Hafen verfügt und wo alles einen Tick gemächlicher und bescheidener wirkt. Um den Wissensdurst zu befriedigen, bietet sich dort ein Besuch des Vogelparks an, in dem auf einer Fläche von 7 ha rund 1.300 Vögel (350 Arten) leben, darunter die größte Eulensammlung Europas – geöffnet täglich 9-19 h, weitere Infos unter www.vogelpark-niendorf.de.

Timmendorfer Strand, Ostseeküsten-Radweg Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH, Timmendorfer Platz 10, 23669 Timmendorfer Strand, Fon 04503 / 35770, Fax 04503 / 358545, E-Mail: info@timmendorfer-strand.de,
Internet www.timmendorfer-strand.de.

 

Die Ortsmitte verlassen Sie auf der „Poststraße“ und folgen stur dem Straßenverlauf. Gerade über eine beampelte Kreuzung hinweg rollen die Räder bald beständig auf einem Radfahrstreifen, bis nach einem Linksbogen eine Vorfahrtstraße erreicht wird, in die Sie rechts einbiegen und so schon nach wenigen Metern Niendorf erreichen.

Auch in Niendorf fahren Sie beständig auf der Fahrbahn und müssen, bald nachdem Sie das Meerwasserhallenbad passiert haben, einen kleinen Anstieg meistern, bevor es kurz darauf links in die „Ostseeallee“ geht. An deren Ende kommen Sie direkt an die Ostsee (schließlich heißt die Straße nicht umsonst so) und dürfen sich an einer exklusiven Radwegführung erfreuen; denn die Route verläuft rechts für ein paar Meter auf einem Holzsteg, an dessen beiden Enden Schieberampen zur Verfügung stehen – Kinderanhänger müssen allerdings getragen werden.

Danach führt der Ostseeküsten-Radweg kurz kräftig hügelan, um fortan der Steilküste zu folgen, wo Sie auf dem mal breiteren, mal schmaleren, mal gröberen, mal feineren Schotterweg nach und nach noch ganz ordentlich an Höhe gewinnen, was – neben einer tollen Aussicht – später erst im Wald und danach noch in Travemünde eine ordentliche Abfahrt beschert. Am Ende des Gefälles wählen Sie an der Y-Gabelung die linke Möglichkeit, so daß Sie gleich darauf auf der vierreihigen Allee bis auf die Höhe des Casinos radeln können.

An der Kreuzung beim Casino biegen Sie links ab und bedienen sich des Radwegs links der Fahrbahn, um geradezu direkt bis an den Strand zu fahren. Die Promenade dort ist sehr großzügig bemessen, so daß – natürlich in Abhängigkeit von der Zahl der Passanten – gemächliches Radfahren nicht stört und Sie nochmal den Blick über die Ostsee schweifen lassen können, bevor Sie – vorbei am Hotel Maritim – an die Trave gelangen und zuschauen können, wie die großen Ostseefähren ein- bzw. auslaufen.

 

Info

Travemünde wird auch gern als Lübecks schönste Tochter bezeichnet; denn das mondäne Seebad gehört den Hanseaten schon seit 1329. Gegründet wurde der Ort 1187 von Graf Adolf III. von Schauenburg und Holstein dort, wo zuvor nur eine kleine Wehr bestand und er nun einen festen Turm errichten ließ. Vor allem dürfte ihm gefallen haben, daß er damit an der Travemündung den Handel der Lübecker perfekt kontrollieren konnte. Das störte deren Kreise allerdings so sehr, daß sie 1320 den Wachturm kauften und nur neun Jahre später auch den zugehörigen Ort erwarben, so daß die Travemündung nun in ihrer Hand lag und damit die Zufahrt zum Lübecker Hafen gesichert war.

Casino in Travemünde, Ostseeküsten-RadwegFortan war Travemündes wichtigste Rolle die Sicherung des Handels der Lübecker, und nebenher lebten die Travemünder vor allem vom Fischfang. Erst ab 1802 war Travemünde eine eigenständige Entwicklung vergönnt, indem es Seebad wurde und damit das drittälteste Deutschlands ist. Neben den Badeeinrichtungen und dem Kurhaus beförderte vor allem eine Einrichtung den Ruf des mondänen Badeortes: Seit 1833 rollte in der Spielbank die Kugel und zog magisch Prominenz aus allen Himmelsrichtungen an. 1872 wurde aber in Deutschland derlei Glücksspiel verboten und entsprechend die Spielbank geschlossen. Da der Spielsucht so jedoch nicht beizukommen ist, darf man sich seit 1949 wieder im Casino amüsieren.

Bei einem Rundgang verdient – neben den vielen schönen Hotels und der Strandpromenade – insbesondere der Alte Leuchtturm einen Blick, dessen Vorgänger um 1330 erstmals urkundlich erwähnt und 1539 durch den heutigen ersetzt wurde. Nach einem Blitzeinschlag 1827 nutzte man die Gunst der Stunde und versah ihn mit einer zeitgemäßen – damals bedeutete das klassizistischen – Kuppel. Heutzutage erstrahlt das Leuchtfeuer aber nicht mehr vom Leuchtturm, sondern vom Dach des Maritim-Hotels in der luftigen Höhe von 114,7 m, so daß sich Travemünde rühmen darf, über eines der höchsten Leuchtfeuer der Welt zu verfügen. Aber vielleicht genügen Ihnen ja auch die 142 Stufen des Alten Leuchtturms, der eine Ausstellung zur Leuchtfeuertechnik beherbergt und April do-so 10-17 h, Mai-Juni, Sept.-Okt. mi-so 10-17 h und Juli-Aug. di-so 10-18 h geöffnet ist – Eintritt 2,00 €.

Vorderreihe in Travemünde, Ostseeküsten-RadwegFolgt man vom Alten Leuchtturm aus der Trave aufwärts, gelangt man zur „Vorderreihe“ und so dem älteren Ortsteil von Travemünde, womit sich schon fast der Hinweis auf eine städtebauliche Besonderheit im Vergleich zu vielen Seebädern erübrigt; denn in Travemünde entwickelte sich der Tourismus in einem eigenen Ortsteil nordöstlich der Altstadt. Zur „Vorderreihe“ mit den giebelständigen und zum Wasser ausgerichteten Häusern gehört übrigens auch eine 'Hinterreihe', doch heißt diese heute „Kurgartenstraße“. Manch einem wird bei schönem Wetter in den Sommermonaten der Trubel in der Fußgängerzone der Vorderreihe denn doch zu arg sein, aber man möge bedenken, daß es diese Mischung von Seebad und Hafen sonst nur selten gibt. Neben den zahlreichen kleinen und größeren Segel- und Sportbooten verkehren nicht nur Fischkutter und Ausflugsdampfer, sondern vor allem diverse mehr als haushohe Fähren; denn Travemünde ist heutzutage der größte Fährhafen Europas. Skandinavienfähre in Travemünde, Ostseeküsten-RadwegVielleicht muß man in einer Hafenstadt geboren sein, um unwillkürlich stehen zu bleiben, wenn einer dieser Riesen in die enge Travemündung einläuft, aber so richtig spannend wird es, und zwar für maritime Laien genauso wie für Abgebrühte, wenn man mit der Priwallfähre übersetzt und die Bordwand einer modernen Skandinavienfähre die Sonne verdunkelt...

Wegen der Verbundenheit mit der See liegt es nahe und ist es nur recht und billig, daß in Travemünde der letzte echte Kap-Horn-Segler – die Passat – liegt. 39mal fuhr die 1911 in Dienst gestellte, 115 m lange Viermastbark mit ihrer 4.000 m² großen Segelfläche um das Kap Horn und galt zusammen mit ihren Schwesterschiffen als technische Höchstleistung des Segelschiffbaus. Bis zu 18 Knoten konnten diese Frachtsegler laufen, Kap-Horn-Segler Passat in Travemünde, Ostseeküsten-Radwegwurden dann aber doch sehr bald von der dampfgetriebenen Konkurrenz beiseite gedrängt und dienten fortan als Schulschiffe. Nachdem die Schwester Pamir 1957 bei einem Sturm auf dem Atlantik gesunken war, wurde auch die Passat außer Dienst gestellt. 1959 kaufte die Hansestadt Lübeck das Schiff und stellte es nach dem Umbau der Schleswig-Holsteinischen Seemannsschule zur Verfügung. Seit 1966 dient die Passat als schwimmendes Museum und internationale Begegnungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeit für Gruppen. Wer den (über Wasser) 56 m hohen Masten der Passat ganz nahe sein möchte, kommt zwischen Ende März und Ende Okt. (täglich geöffnet, wechselnde Zeiten, mehr erfahren Sie unter www.travemuende.de -> Tourismus -> Sehenswürdigkeiten -> Passat, Eintritt 3,00 €.

Travemünde, Ostseeküsten-Radweg Welcome-Center im Strandbahnhof, Bertlingstraße 21, 23570 Travemünde, Fon 0451 / 8899700, Fax 04502 / 804159, E-Mail: info@luebeck-tourismus.de, Internet www.travemuende-tourismus.de.

 

Über die Hafenpromenade, auf der das Radfahren erlaubt ist, geht es bis auf die Höhe der Fähre hinüber nach Priwall, und wer noch nicht genug von der Ostsee hat, findet dort den Anschluß an den Ostseeküsten-Radweg in Mecklenburg-Vorpommern. Aber selbst dann, wenn Sie diesen Radwanderweg noch fahren wollen, sollten Sie zuvor noch einen Abstecher nach Lübeck machen; denn diese Stadt bestimmte einst das Leben an allen Ostseeküsten mehr als irgendwer sonst.

Damit stellt sich aber die Frage, wie man denn am besten nach Lübeck gelangt; für Fahrradtouristen gibt es nämlich keine wirklich attraktive, verkehrsarme und direkte Verbindung, weshalb Sie erwägen sollten, mit der Regionalbahn in die Kaufmannsmetropole zu fahren, da diese Sie und Ihr Velo zügig und streßfrei zum Ortstarif direkt in die Stadtmitte Lübecks transportiert. Für den Einstieg bieten sich sowohl der 'Strandbahnhof' (unweit des Casinos) als auch der 'Hafenbahnhof' (von der „Vorderreihe“ unweit der Priwall-Fähre Richtung Kirche und dort geradezu in den „Hintergang“) an.

Wenn Sie aber lieber mit dem Velo fahren möchten, radeln Sie vorbei an der Priwall-Fähre, verschwenken kurz links/rechts und folgen hernach dem Geh- und Radweg an der linken Seite der Straße mit dem schönen Namen „Auf dem Baggersand“. Mit einem weiten Linksbogen kommen Sie zum niet- und nagelneuen Bahnhof „Skandinavienkai“, den Sie gemäß Radhinweis nach Ivendorf unterqueren.

Jenseits geht es mit einer 180°-Schleife aufwärts zum Radweg entlang der „Ivendorfer Landstraße“, die lang anhaltend hügelan führt, wobei Sie einen Aussichtspunkt für den im Ausbau befindlichen Skandinavienkai passieren – nicht schlecht, Herr Specht! Hernach radeln Sie auf der Fahrbahn durch Ivendorf und erreichen bald darauf nach einem Linksknick und der Querung der Bahntrasse eine T-Kreuzung. Dort geht es rechts auf den gegenüberliegenden Radweg, der von eher geringerer Qualität ist.

Nach einem langen und etwas ermüdenden Stück erreichen Sie eine beampelte Kreuzung und finden dort weiße Radhinweise nach Lübeck. Gemäß denen geht es rechts, an der nächsten Ampel auf die linke Straßenseite und dann nach einem Rechtsbogen links. So rollen Sie etwas abwärts und biegen alsbald rechts ab, um auf einer Wohnstraße bis direkt an die B 75 heran zu fahren, wo es links geht.

Der folgende Abschnitt bietet eine gute Gelegenheit, sich über den Sinn und Unsinn des modernen Verkehrs Gedanken zu machen; denn Sie radeln eine Weile zwischen Bundesstraße und beinahe direkt angrenzender Wohnbebauung. Was ist denn nun wichtiger: Autofahren oder Wohnen?

Immerhin können Sie – abgesehen von der akustischen Belästigung – nahezu ungestört radeln; denn die Wohnstraße wird kaum von Kfz befahren. Später lenken die Radhinweise unter der Bundesstraße hindurch, und Sie erreichen nach zweifachem Linksschwenk eine Bushaltestelle. Bushaltestelle? Ja, das stimmt; denn Radler dürfen die Trave nur im Bus unterqueren. Zwischen 5 und 21 h verkehrt zu diesem Zweck alle 15 min ein Bus, der Sie und Ihr Rad kostenlos(!) durch den „Herrentunnel” bringt.

Burgtor in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegNach der kleinen Verschnaufpause radeln Sie gut 5 km immer parallel zur B 75 – mal links, mal rechts auf einer parallel verlaufenden Nebenstraße und zwischendurch auch mal auf einem Radweg. Die Altstadt erreichen Sie beim nebenstehenden Burgtor und fahren weiter auf Asphalt geradeaus, bis sich eine Einbahnstraße in Gegenrichtung in den Weg stellt. Dort verschwenken Sie auf grobem Pflaster rechts/links, rollen wieder auf Asphalt und halten sich, wenn die Straße rechts abknickt, geradeaus, um durch die Fußgängerzone („Breite Straße“) zum Rathaus zu gelangen. Möchten Sie zur Tourist-Information, biegen Sie nach dem Rathaus am „Kohlmarkt“ rechts ab, sausen hinab zum Holstentor und finden das 'I' an der nächsten Kreuzung linker Hand.

 

Stadtinfo

Holstentor in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegLübeck, 13 m ü.N.N., 214.000 Einw., war einst die reichste und mächtigste Handelsstadt im Ostseeraum und häufte entsprechend ungeheure Schätze an, von denen trotz der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg der größte Teil erhalten blieb bzw. rekonstruiert wurde. In der Altstadt stehen heute denn auch mehr Gebäude aus dem 13.-15. Jh. als in allen anderen norddeutschen Großstädten zusammen und über 1.000 sind als Denkmäler geschützt. Da verwundert es nicht, daß die UNESCO die Altstadt in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen hat – was die Lübecker natürlich mit besonderem Stolz erfüllt.

Verständlich wird vor diesem Hintergrund auch, daß eine detaillierte Schilderung der Sehenswürdigkeiten den Rahmen dieses Reiseführers bei weitem sprengen würde und man sich bei einem Blick in die Stadtgeschichte mit Schlaglichtern auf ein paar herausragende Bauten beschränken muß. Wer etwas Zeit mitgebracht und mindestens einen Tag für Lübeck eingeplant hat, sollte die Tourist-Information aufsuchen und sich über die dort vorgeschlagenen Stadtspaziergänge informieren.

Happy Day Card für Lübeck, Ostseeküsten-RadwegBei der Gelegenheit können Sie auch gleich eine Happy Day Card erwerben, die für 24 Std. 6,- € und für 72 Std. 12,- € kostet und die für freie Fahrt mit allen Bussen und Bahnen in Lübeck sorgt sowie bei vielen Museen, Hafen- und Kanalrundfahrten etc. Ermäßigungen garantiert.

Drei Anläufe waren nötig, bevor der Grundstein für ein aufstrebendes Gemeinwesen erfolgreich gelegt werden konnte. Zunächst entstand bei einer wendischen Ringburg an der Mündung der Schwartau in die Trave eine kleine Kaufmannssiedlung namens Liubice, die aber zwischen Wenden, Dänen und Deutschen heftig umstritten war und 1138 zerstört und aufgegeben wurde. 1143 wurde ein neuer Versuch wenige Kilometer traveaufwärts gewagt. Graf Adolf II. von Schauenburg wollte seine Position ausbauen und lockte Kaufleute herbei. Damit geriet er in Widerspruch zu Heinrich den Löwen, der das Örtchen 1147 unter seine Kontrolle brachte, aber nicht verhindern konnte, das 1157 alles in Schutt und Asche versank.

Das spornte ihn aber erst recht an, und so gründete er den Ort neu, gab ihm die Stadtrechte und sorgte für die Verlegung des Bistumssitzes von Oldenburg/Holstein nach Lübeck. Allerdings gewährte er dem Bischof keine weltliche Macht, so daß dessen Dom folgerichtig ganz im Süden der Stadt erbaut wurde, während die Burg im Norden lag und dazwischen die Kaufleute siedelten.

Nachdem sich Heinrich der Löwe 1180 mit Kaiser Barbarossa überworfen hatte, drohte Lübeck der Entzug der Privilegien und des Landbesitzes, doch einigte sich der aufstrebende Ort mit dem Kaiser und bekam die Rechte bestätigt. 1226 erhob dann der folgende Kaiser Friedrich II. Lübeck in den Stand einer freien Reichsstadt, d.h. sie war fortan dem Kaiser direkt unterstellt und damit unabhängig von regionalen Fürsten, so daß dem Aufbruch zu neuen Ufern nichts mehr im Wege stand.

Außer den Dänen. Diese wurden aber schon im nächsten Jahr von den norddeutschen Fürsten und Städten bei Bornhöved vernichtend geschlagen, weshalb Lübeck seine Handelsmacht über den gesamten Ostseeraum ausdehnen konnte. Unterstützung erfuhren die Lübecker dabei durch andere Kaufleute, die sich bereits Privilegien im Ausland sichern konnten, wie z.B. die Kölner und Niederländer in England. Lübeck gelang es, die Kaufleute ab der Mitte des 13. Jh. unter dem Dach der Hanse zu vereinen. Zwar war die Hanse zunächst nur ein lockeres Bündnis, festigte sich aber nach und nach und tagte ab 1358 regelmäßig in Lübeck.

So wurde die Stadt zum wichtigsten Umschlagplatz zwischen dem Festland und den Ostseeanrainern, z.B. auch den nahe gelegenen, erst im Zuge der deutschen Ostkolonisation gegründeten Städten Wismar, Rostock, Stralsund etc., da der Seeweg wesentlich schneller und sicherer war als der über Land. Die Lübecker dehnten jedoch ihre Handelsbeziehungen noch weiter aus und schufen z.B. ein Hansekontor in Nowgorod oder nahmen Städte aus den vom Deutschen Orden eroberten Gebieten in die Gemeinschaft der Hanse auf – z.B. Danzig, Königsberg, Riga. Auch in Schweden und Norwegen wurden Niederlassungen gegründet.

Das mehrte den Wohlstand in der Stadt natürlich beträchtlich und neben den Profanbauten zum Wohnen, Lagern und Verkaufen der Waren konnte man sich auch noch den Gotteshäusern widmen. Während der Bischof an seinem Dom mauern und zimmern ließ (im wesentlichen 1173-1247, später aber mehrfach Umgestaltungen und Ausbauten, erst 1612 wurde der nördliche Turm fertiggestellt), ließ es sich die Bürgerschaft nicht nehmen, ihm eine nach Möglichkeit noch prächtigere Kirche gegenüberzustellen – natürlich um zu zeigen, wer der Herr im Hause ist.

Also ließ man den um die Mitte des 12. Jh. entstandenen Holzbau der Marienkirche um 1200 abreißen und durch einen Backsteinbau ersetzen. Nach einem Stadtbrand entschloß man sich 1251 zum stark vergrößerten Neubau, der aber noch während der Realisierung umgeplant und erweitert wurde. Kaum fertig war auch diese Kirche zu klein und wurde 1315-30 kräftig umgestaltet, wobei ein 80 m langes und fast 40 m hohes Mittelschiff entstand. Damit war den Lübeckern nun endlich ein großer Wurf gelungen, denn die Marienkirche gilt als die erste Backstein-Kopie der hochgotischen Kathedralen und diente im Ostseeraum vielfach als Vorlage.

Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegNatürlich war das Kapital damit nicht aufgebraucht und konnte sich die Bürgerschaft z.B. auch den Bau des Heiligen-Geist-Hospitals (im Kern bis 1290 fertiggestellt) leisten, das der Versorgung bedürftiger Mitbürger diente und zu den ältesten und besterhaltenen Hospitälern des Mittelalters zählt. Auch einzelne Kaufleute sorgten sich um die sozial Schwachen und stifteten hierfür teils beträchtliche Anteile ihres Vermögens, glaubte man doch, damit bei Gott das eigene Ansehen zu verbessern. So gab z.B. der Ratsherr Johann Füchting ein Drittel seiner Schätze zum Bau von Wohnungen für Kaufmanns- und Schifferwitwen, die dort bis an ihr Lebensende kostenlos logieren durften. Der entsprechend benannte Füchtingshof dient heute übrigens noch immer diesem Zweck und ist zwar im Innern modernisiert, wahrt äußerlich aber das einstige Erscheinungsbild – Glockengießerstraße 23-27.

Rathaus in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegNeben der Stadtbefestigung investierten die Bürger selbstverständlich in ein schickes Rathaus, und so setzte man nicht nur vor den Hauptbau (ursprünglich 13. Jh., im 14. Jh. erneuert) eine Schauwand mit mächtigen Windlöchern, sondern später auch noch eine zweistöckige Renaissancelaube. Um die stilistische Vielfalt perfekt zu machen, bildet die östliche Begrenzung des Marktplatzes das so genannte Lange Haus mit dem später angefügten Kriegsstubenbau, dessen Schaufassade türmchenbewehrt und wappengeschmückt ist und dessen dunkle Ziegel dem Bau eine eigenwillige Note geben.

In der Politik bewiesen die Lübecker aber nicht immer das rechte Feingefühl. Zunächst war die Hanse unter ihrer Führung sehr erfolgreich und setzte die Handelsinteressen auch militärisch durch. Die Dänen hatten sich immer an der Macht des Kaufmannbunds gestört, mußten sich aber 1370 geschlagen geben und im Frieden von Stralsund die Handelsvorrechte der Hanse akzeptieren und sogar auf 15 Jahre 2/3 der Einnahmen der Sundschlösser abgeben.

Das rächte sich jedoch, denn verständlicherweise setzten die dänischen Könige in der Folge erst recht alles daran, die Vorherrschaft der Hanse im Ostseeraum zu brechen und förderten z.B. den Ostseehandel englischer und niederländischer Kaufleute. Das konnte die Hanse zwar anfänglich durch eine Wirtschaftsblockade unterbinden, und die Dänen mußten erneut in einem Friedensvertrag (1435) die Rechte der Hanse bestätigen, doch setzten die Dänen auch neue Zölle durch und untergruben so auf lange Sicht den Freihandel der Hanse.

Schließlich kam es auch im Innern Lübecks zu Unruhen und begehrten die Handwerker und andere einfache Leute gegen die reichen Ratsgeschlechter auf. Sie wollten an der Stadtregierung beteiligt werden. Nachdem dies durchgesetzt war, stürzte man sich unter dem aus Hamburg geholten Bürgermeister Wullenwever in ein neues Abenteuer mit den Dänen, die so genannte Grafenfehde, und unterlag 1535 endgültig. Politisch war damit die Macht Lübecks gebrochen, und auch der wirtschaftliche Niedergang ließ nicht lange auf sich warten. Der hundert Jahre später wütende Dreißigjährige Krieg erforderte ungeheure Investitionen in die Stadtbefestigung und behinderte natürlich auch den Handel. Davon erholte sich Lübeck kaum und erlangte nie wieder die einstige Stellung.

Lübeck bietet aber nicht nur eine reiche Vergangenheit und sehr viele schöne Fassaden, sondern dahinter auch so manche Kostbarkeit. Wie bereits erwähnt würde es den Rahmen sprengen, dies alles hier aufzuzählen, daher nur zwei Hinweise – Buddenbrookhaus in Lübeck, Ostseeküsten-Radwegwas bitte nicht als Wertung zu verstehen ist: Erstens das Buddenbrookhaus, welches sich neben den ständigen Ausstellungen 'Die Manns – eine Schriftstellerfamilie' und 'Die Buddenbrooks – ein Jahrhundertroman' auch literarischen Sonderausstellungen und verschiedenen Veranstaltungen widmet – Mengstraße 4, geöffnet April-Okt. täglich 10-18 h (im Winter -17 h), weitere Infos unter www.buddenbrookhaus.de. Und zweitens, wo ich schon mal bei der Literatur bin, das Günter Grass-Haus. In der Dauerausstellung wird die enge Verbindung der Literatur- und Kunstproduktion des Literaturnobelpreisträgers vorgestellt. Darüber hinaus dienen das Gebäude, der Hof und der Skulpturengarten als Forum für Literatur und bildende Kunst mit entsprechenden Wechselausstellungen – Glockengießerstraße 21, geöffnet April-Okt. täglich 10-18 h (im Winter -17 h), weitere Infos unter www.guenter-grass-haus.de.

Lübeck, Ostseeküsten-Radweg Lübeck und Travemünde Marketing GmbH, Holstentorplatz 1, 23552 Lübeck, Fon 0451 / 8899700, Fax 0451 / 4091992, E-Mail: info@luebeck-tourismus.de, Internet www.luebeck-tourismus.de; sowie
Lübeck, Ostseeküsten-Radweg Lübecker Verkehrsverein e.V., Am Bahnhof / Linden-Arcaden, 23558 Lübeck, Fon 0451 / 72300, Fax 0451 / 704890, E-Mail: touristservice@luebecker-verkehrsverein.de, Internet www.luebecker-verkehrsverein.de.

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Ostseeküsten-Radweg SH (6)

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