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Ostseeküsten-Radweg SH :: Etappe 8

Neustadt in Holstein – Sierksdorf – Haffkrug – Scharbeutz – Timmendorfer Strand – Niendorf – Travemünde – Lübeck (46 km)

Start:

Schiffbrücke in Neustadt.

Strecke:

Wer auf der Suche nach dem schönsten Strand ist, wird angesichts der Auswahl seine Schwierigkeiten haben. Und wer sich nach all der schönen Landschaft, den herrlichen Ausblicken sowie der Ruhe und Erholung nach Trubel sehnt, wird ob des Reiseziels Lübeck sicher schon unruhig mit den Hufen scharren – gemach, gemach, es ist ja nicht mehr weit.

Ziel:

Markt in Lübeck.

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für Google Earth

 

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für die TOP 50/TOP 200 (topografische Karte 1:50.000/1:200.000)

 

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auf der Basis der TOP 200 (topografische Karte 1:200.000), hier im Maßstab 1:150.000

 

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mit Streckenbeschreibung sowie Hinweisen zu Orten, Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie etc.

Vielleicht Zufall, aber jedes Mal wenn ich in Neustadt in Holstein bin, staut sich der Kfz-Verkehr auf der Landesstraße L 309 stadteinwärts auf einer Länge von mehreren hundert Metern, manchmal sogar mehr als einem Kilometer, und da freut man sich als Radler schon, daß trotzdem auf der Hafenbrücke ein Fahrstreifen zum (Zweirichtungs-) Radweg umgewidmet wurde. Auch danach folgt die Etappe dem in dieser Fahrtrichtung linksseitigen Zweirichtungsradweg, allerdings ist er nicht mehr so gut ausgebaut und sowohl Führung und Breite als auch Belag bedürfen eigentlich dringend einer Erneuerung. Es ist eben wie im richtigen Leben...

Nach einer Weile unterqueren Sie eine Bahnlinie und biegen an dem bald folgenden Kreisverkehr halblinks in die Sierksdorfer Straße ab. Beim nächsten Kreisverkehr wiederholt sich das Spiel, und die Räder rollen fortan auf einem teils schlaglochreichen Radweg entlang der durchaus rege und flott befahrenen Kreisstraße K 45. Damit Ihnen nicht langweilig wird, beschert die Strecke auch noch ordentliche Wellen. Zum Ausgleich fällt die Orientierung leicht; denn es geht schnurstracks vorbei am Vergnügungsparadies Hansa-Park bis zum Abzweig nach Sierksdorf, wo Sie nach der Brücke über die Eisenbahn dem betonsteingepflasterten Weg bis auf die Höhe der Tourist-Information folgen.

Sierksdorf, 6 m ü.N.N., 1.600 Einw., war jahrhundertelang eine eher unbedeutende Siedlung, und erst Anfang des 20. Jh. richteten sich Hamburger Kaufleute in der Umgebung Landsitze ein, wovon so nach und nach auch das kleine Dorf profitierte – insbesondere nachdem Sierksdorf 1927 eine eigene Bahnstation erhielt. Der Aufstieg zum großen Badeort erfolgte aber vor allem Anfang der 70er Jahre, als eine Ferienappartementanlage und der Freizeitpark 'Legoland' am nordöstlichen Ortsrand gebaut wurden. Aus dem Legoland wurde später der Hansa-Park, an dem Sie, wenn Sie in Begleitung von Kindern und/oder Jugendlichen reisen, wohl kaum vorbei kommen werden, ohne ihn zu besuchen; weitere Infos unter www.hansapark.de.

Gutshof in Dangast von Karl Schmidt-Rottluff, Ostseeküsten-RadwegWenn Sie es beschaulicher mögen, reizt Sie vielleicht die Dauerausstellung in der Tourist-Information zum Leben und Wirken des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976), der von 1951-73 regelmäßig die Sommermonate in Sierksdorf verbrachte und dort viele seiner Werke schuf. Schmidt-Rottluff gehörte 1905 zu den Gründern der Künstlergemeinschaft 'Brücke', die sich radikal von den seinerzeit an den Kunstakademien gelehrten Stilen und Techniken abwendete und mit gemeinsamen Ausstellungen ihre avantgardistischen Bestrebungen der Öffentlichkeit bekannt zu machen suchte (Abbildung: Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1995, "Gutshof in Dangast", Quelle: Wikipedia).
Bananenmuseum, Ostseeküsten-Radweg
Und wenn Sie endlich einmal in Erfahrung bringen wollen, warum die Banane krumm ist, empfiehlt sich ein Besuch im Ersten Deutschen Bananenmuseum von Bernhard Stellmacher, der über 10.000 (!) Exponate rund um das krumme Ding gesammelt hat – Prof.-Haas-Straße 59, geöffnet sa & so 11-13 h, weitere Infos unter www.bananenmuseum.de.

Sierksdorf, Ostseeküsten-Radweg Tourist-Information, Vogelsang 1, 23730 Sierksdorf, Fon 04563 / 478990, Fax 04563 / 4789918, E-Mail info@sierksdorf.de, Internet www.sierksdorf.de.

Radler-Promenade in Haffkrug, Ostseeküsten-RadwegBei der Tourist-Information folgt die Etappe halblinks der Kastanienallee namens Am Seehof abwärts, und Sie zweigen an der bald erreichten T-Kreuzung rechts ab. Damit rollen die Räder noch ein wenig abwärts, bevor es links in eine querende Vorfahrtstraße geht. Erneut verlieren Sie an Höhe und gelangen direkt an den Strand, entlang dem es nach Haffkrug geht. Ab der dortigen Ortsmitte steht ein Zweirichtungsradweg zur Verfügung, der in Skaterqualität asphaltiert ist, so daß Sie genüßlich weiter nach Scharbeutz pedalieren können – herrlich! 

Scharbeutz und der Ortsteil Haffkrug, 12 m ü.N.N., 11.700 Einw., waren jahrhundertelang kleine Ortschaften, in denen die Haupterwerbszweige im Bereich der Land- und Forstwirtschaft lagen, und wie klein sie waren, verdeutlichen die Einwohnerzahlen von 1850, als in beiden Orten jeweils ca. 200 Personen lebten. Dabei hatte man schon den Reiz der Strände und des Badelebens entdeckt und in beiden Orten Bäder gebaut; 1852 kurte gar der Großherzog von Oldenburg mit der Königin von Griechenland und seinem Hofstaat in Scharbeutz.

Am Strand von Scharbeutz, Ostseeküsten-RadwegNach dem zweiten Weltkrieg setzte sich die Entwicklung in dieser Richtung fort, und Scharbeutz wie Haffkrug wurden 1970 zu Seeheilbädern erklärt. Im gleichen Jahr wurde in Scharbeutz auch das Meerwasserwellenbad errichtet, so daß man mit nobleren Bädern Schritt halten konnte. Apropos nobel: Es mag dem einen gefallen, dem anderen eher mißfallen, aber Scharbeutz und Haffkrug treten im Vergleich zu so manch einem anderen Seebad eher bescheiden auf. Wer auf die Gesellschaft der echten oder auch Möchtegern-High Society gut und gern verzichten kann, wird sich hier wohl fühlen (Foto: Wikifreund).
Ostsee-Therme Scharbeutz, Ostseeküsten-Radweg
Sollte das Wetter dem Wohlbefinden entgegen stehen, wäre ein Besuch der Ostsee-Therme vielleicht das Richtige (am südlichen Ortsrand zu Timmendorfer Strand). Auf über 18.000 m² Fläche wird so ziemlich alles geboten, was mit Wasser, Baden, Saunen und Wellness zu tun hat (Foto: Ostsee-Therme) – weitere Informationen unter www.ostsee-therme.de.

Scharbeutz, Haffkrug, Ostseeküsten-Radweg Tourismus-Information, Strandallee 134, 23683 Scharbeutz, Fon 04503 / 770964, Fax 04503 / 72122, E-Mail info@scharbeutz.de, Internet www.scharbeutz.de.

Immer nahe dem Strand, später auf dem Radweg der Bundesstraße B 76 führt die Etappe zur Ostsee-Therme. Wenn Sie diese passiert haben, biegen Sie links ab und radeln auf der Strandallee durch Timmendorfer Strand, wo Sie bald nach einem sanften Rechtsschwenk in der Ortsmitte – mit Radhinweis – rechts/links versetzen. 

Timmendorfer Strand, Ostseeküsten-RadwegTimmendorfer Strand, 2 m ü.N.N., 9.000 Einw., ist der richtige Ort, wenn Sie es etwas mondäner und quirliger mögen, wenn Sie sich für die beständige Modenschau am Strand und auf der Promenade begeistern können und wenn Ihnen überhaupt das Sehen und Gesehen werden zusagt (Foto: Magnus Manske). Es muß ja – auch auf einer Fahrradreise – nicht immer nur Natur pur sein; man kann sich schließlich auch im Café, im Restaurant, in einer Bar oder Lounge sowie in einer Diskothek oder in einem Club bzw. beim Shopping und Flanieren die Zeit vertreiben (und die Nacht um die Ohren schlagen). Wem das nicht genügt, der besucht vielleicht zwischendurch das Sealife, ein Meeresaquarium, das nicht nur spektakuläre Blicke auf die Meeresbewohner ermöglicht, sondern auch für Verständnis und Schutz der Meere wirbt – geöffnet täglich ab 10 h, www.visitsealife.com.
Im Hafen von Niendorf, Ostseeküsten-Radweg
Wenn Sie es etwas beschaulicher mögen, suchen Sie sich vielleicht ein Quartier im Ortsteil Niendorf, welcher über einen netten kleinen Hafen verfügt und wo alles einen Tick gemächlicher geht und bescheidener wirkt. Um den Wissensdurst zu stillen, bietet sich dort ein Besuch des Vogelparks an, in dem auf einer Fläche von 7 ha rund 1.300 Vögel (350 Arten) leben, darunter die größte Eulensammlung Europas – geöffnet täglich 9-20 h, weitere Infos unter www.vogelpark-niendorf.de.

Timmendorfer Strand, Ostseeküsten-Radweg Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH, Timmendorfer Platz 10, 23669 Timmendorfer Strand, Fon 04503 / 35770, Fax 04503 / 357788, E-Mail info@timmendorfer-strand.de, Internet www.timmendorfer-strand.de.

Die Ortsmitte verlassen Sie auf der Poststraße; geradeaus über eine beampelte Kreuzung hinweg rollen die Räder bald beständig auf einem Radfahrstreifen, bis nach einem Linksbogen eine Vorfahrtstraße erreicht wird, in die Sie rechts einbiegen und so schon nach wenigen Metern Niendorf erreichen.

Steg für den Ostseeküsten-Radweg am Niendorfer StrandAuch in Niendorf fällt die Orientierung leicht; denn die Etappe folgt beständig der Strandstraße, die beim Meerwasserhallenbad in die Travemünder Landstraße übergeht und auf der ein kleiner Anstieg zu meistern ist, bevor es kurz darauf links in die Ostseeallee geht. An deren Ende kommen Sie direkt an die Ostsee (schließlich heißt die Straße nicht umsonst so) und dürfen sich an einer exklusiven Führung des Ostseeküsten-Radwegs erfreuen; denn die Route verläuft rechts für ein paar Meter auf einem Holzsteg, an dessen beiden Enden Schieberampen zur Verfügung stehen – Kinderanhänger oder Trikes müssen allerdings getragen werden.

Auf der Kaiserallee in Travemünde, Ostseeküsten-RadwegDanach führt der Ostseeküsten-Radweg kurz kräftig hügelan, um fortan der Steilküste zu folgen, wo Sie auf dem mal breiteren, mal schmaleren, mal gröberen, mal feineren Schotterweg nach und nach noch ganz ordentlich an Höhe gewinnen, was – neben einer tollen Aussicht – später erst im Wald und danach noch in Travemünde eine ordentliche Abfahrt beschert. Am Ende des Gefälles wählen Sie an der Y-Gabelung die linke Möglichkeit, so daß Sie gleich darauf auf der Kaiserallee bis auf die Höhe des Casinos radeln können.

An der Kreuzung beim Casino versetzt der Ostseeküsten-Radweg links/rechts und folgt sodann der Außenallee bis zur Vorderreihe, so daß der Strand linker Hand liegen bleibt. Da die Promenade dort sehr großzügig bemessen ist, empfehle ich – natürlich in Abhängigkeit von der Zahl der Passanten – gemächliches Radeln oder eben auch Schieben, um noch einmal den Blick über die Ostsee schweifen lassen zu können, bevor Sie – vorbei am Hotel Maritim – an die Trave gelangen und zuschauen können, wie die großen Ostseefähren ein- und auslaufen.

Ansicht von Travemünde, Ostseeküsten-RadwegTravemünde wird auch gern als Lübecks schönste Tochter bezeichnet; denn das mondäne Seebad gehört den Hanseaten schon seit 1329 (Foto: Christian Koehn). Gegründet wurde der Ort 1187 von Graf Adolf III. von Schauenburg und Holstein dort, wo zuvor nur eine kleine Wehr bestand und er nun einen festen Turm errichten ließ. Vor allem dürfte ihm gefallen haben, daß er damit den Handel der Lübecker perfekt überwachen konnte. Das störte deren Kreise allerdings so sehr, daß sie 1320 den Wachturm kauften und nur neun Jahre später auch den zugehörigen Ort erwarben, so daß die Travemündung nun in ihrer Hand lag und sie damit selbst die Zufahrt zum Lübecker Hafen kontrollierten.

Casino in Travemünde, Ostseeküsten-RadwegFolgerichtig war fortan Travemündes wichtigste Rolle die Sicherung des Handels der Lübecker, und nebenher lebten die Travemünder vor allem vom Fischfang. Erst ab 1802 war Travemünde eine eigenständige Entwicklung vergönnt, indem es Seebad wurde und damit das drittälteste Deutschlands ist. Neben den Badeeinrichtungen und dem Kurhaus beförderte vor allem eine Einrichtung den Ruf des mondänen Badeortes: Seit 1833 rollte in der Spielbank die Kugel und zog magisch Prominenz aus allen Himmelsrichtungen an. 1872 wurde aber in Deutschland derlei Glücksspiel verboten und entsprechend die Spielbank geschlossen. Da der Spielsucht so allerdings nicht beizukommen ist, darf man sich seit 1949 wieder im Casino amüsieren (Foto: Pavel Gromov).
Alter Leuchtturm und Maritim in Travemünde, Ostseeküsten-Radweg
Bei einem Rundgang verdient – neben vielen schönen Hotels und der Strandpromenade – insbesondere der Alte Leuchtturm einen Blick, dessen Vorgänger um 1330 erstmals urkundlich erwähnt und 1539 durch den heutigen ersetzt wurde. Nach einem Blitzeinschlag 1827 nutzte man die Gunst der Stunde und versah ihn mit einer zeitgemäßen – damals bedeutete das klassizistischen – Kuppel. Heutzutage erstrahlt das Leuchtfeuer aber nicht mehr vom Leuchtturm, sondern vom Dach des Maritim-Hotels in der luftigen Höhe von 114,7 m, so daß sich Travemünde rühmen darf, über eines der höchsten Leuchtfeuer der Welt zu verfügen. Aber vielleicht genügen Ihnen ja auch die 142 Stufen des Alten Leuchtturms, der eine Ausstellung zur Leuchtfeuertechnik beherbergt und April-Okt. täglich 13-16 h geöffnet ist (Foto: Jürgen Howaldt).

Folgt man vom Alten Leuchtturm aus der Trave aufwärts, gelangt man zur Vorderreihe und so dem älteren Ortsteil von Travemünde, Vorderreihe in Travemünde, Ostseeküsten-Radwegwomit sich schon fast der Hinweis auf eine städtebauliche Besonderheit im Vergleich zu vielen Seebädern erübrigt; denn in Travemünde entwickelte sich der Tourismus in einem eigenen Ortsteil nordöstlich der Altstadt. Zur Vorderreihe mit den giebelständigen und zum Wasser ausgerichteten Häusern gehört übrigens auch eine Hinterreihe, doch heißt diese heute Kurgartenstraße. Manch einem wird in den Sommermonaten bei schönem Wetter der Trubel in der Fußgängerzone der Vorderreihe denn doch zu arg sein, aber man möge bedenken, daß es diese Mischung von Seebad und Hafen sonst nur selten gibt. Fähre der TT-Linie beim Auslaufen aus Travemünde, Ostseeküsten-RadwegNeben den zahlreichen kleinen und größeren Segel- und Sportbooten verkehren nicht nur Fischkutter und Ausflugsdampfer, sondern vor allem diverse mehr als haushohe Fähren; denn Travemünde ist heutzutage der größte Fährhafen Europas. Vielleicht muß man in einer Hafenstadt geboren und aufgewachsen sein, um unwillkürlich stehen zu bleiben, wenn einer dieser Riesen in die enge Travemündung einläuft, aber so richtig spannend wird es, und zwar für maritime Laien genauso wie für Abgebrühte, wenn man mit der Priwallfähre übersetzt und die Bordwand einer Skandinavienfähre die Sonne verdunkelt... (Foto: Patrick Seidler)

Wegen der Verbundenheit mit der See liegt es nahe und ist es nur recht und billig, daß in Travemünde der letzte echte Kap-Horn-Segler – die Passat – liegt. 39mal fuhr die 1911 in Dienst gestellte, 115 m lange Viermastbark mit ihrer 4.000 m² großen Segelfläche um das Kap Horn und galt zusammen mit ihren Schwesterschiffen als technische Höchstleistung des Segelschiffbaus. Bis zu 18 Knoten konnten diese Frachtsegler laufen, wurden dann aber doch sehr bald von der dampfgetriebenen Konkurrenz verdrängt und dienten fortan als Schulschiffe. Nachdem die Schwester Pamir 1957 bei einem Sturm auf dem Atlantik gesunken war, Segelschulschiff Passat in Travemünde, Ostseeküsten-Radwegwurde auch die Passat außer Dienst gestellt. 1959 kaufte die Hansestadt Lübeck das Schiff und stellte es nach dem Umbau der Schleswig-Holsteinischen Seemannsschule zur Verfügung. Seit 1966 dient die Passat als schwimmendes Museum und internationale Begegnungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeit für Gruppen. Wer den (über Wasser) 56 m hohen Masten der Passat ganz nahe sein möchte, kommt zwischen April und Oktober (täglich 10-17 h, mehr erfahren Sie unter www.ss-passat.com, Foto: Jürgen Howaldt).

Travemünde, Ostseeküsten-Radweg Welcome Center im Strandbahnhof, Bertlingstraße 21, 23570 Travemünde, Fon 0451 / 8899700, E-Mail info@luebeck-tourismus.de, Internet www.travemuende-tourismus.de.

Die Etappe folgt der Vorderreihe, die zunächst Fußgängerzone ist, auf der später aber das Radeln erlaubt ist, bis auf die Höhe der Fähre hinüber nach Priwall. Wer noch nicht genug von der Ostsee hat, findet dort den Anschluß an den Ostseeküsten-Radweg in Mecklenburg-Vorpommern. Aber selbst wenn Sie diesen Radwanderweg noch fahren wollen, sollten Sie zuvor einen Abstecher nach Lübeck machen; denn diese Stadt bestimmte einst das Leben an allen Ostseeküsten mehr als irgendwer sonst.

Damit stellt sich die Frage, wie man am besten in die Kaufmannsmetropole gelangt: Wer zur Abwechslung sein Velo mal stehen lassen möchte, weil man es in der Altstadt von Lübeck nicht wirklich braucht, bedient sich der Regionalbahn, die Sie (und ggf. auch Ihr Velo, ist ja gut) zügig und streßfrei zum Ortstarif direkt in die Stadtmitte Lübecks transportiert. Für den Einstieg bieten sich sowohl der Strandbahnhof (unweit des Casinos) als auch der Hafenbahnhof (in etwa auf der Höhe der Priwall-Fähre) an.

Wenn Sie lieber mit dem Velo fahren möchten, folgen Sie der nachstehenden Beschreibung (hört sich schwieriger an, als es ist; im Übrigen: Vertrauen Sie der Karte, paßt schon!). Auf der Höhe der Priwall-Fähre biegen Sie rechts und bei der Kirche gleich wieder links ab. So geht es nach Westen aus der Ortsmitte hinaus und nach einem Bahnübergang in die zweite links (St.-Jürgen-Straße). Einfach dem Straßenverlauf folgend erreichen Sie einen kleinen Platz, versetzen wenige Meter rechts/links und fahren auf der Lindwurmstraße bis zum Ortsrand. Dort biegen Sie links ab und an der bald erreichten T-Kreuzung rechts, womit Sie den Ort hinter sich lassen.

Bald nach der Siedlung Ovendorfer Hof zweigen Sie links nach Ovendorf ab und radeln von dort weiter ins hübsche Pöppendorf. Im Ort knickt die Route rechts ab und leitet vorbei an einem Ringwall und später einem Steingrab bis zu einem Abzweig links mit Hinweis nach Waldhusen. Damit rollen die Räder auf einer älteren Asphaltbahn durch den Wald, und Sie gewinnen allmählich an Höhe. Sich einfach geradeaus haltend erreichen Sie einen Bahnübergang und biegen sogleich nach der Schienenüberquerung rechts ab. Nach wenigen hundert Metern unterquert die Route die Autobahn, und es geht gleich danach rechts in die Straße namens Kieselgrund.

Nun sind es nur noch ein paar Meter, bis Radhinweise rechts unter der B 75 hindurch lenken und Sie hernach zweimal links den Hinweisen zum Shuttle-Bus folgen, um eine Bushaltestelle zu erreichen. Bushaltestelle? Ja, das stimmt; denn Radler dürfen die Trave nur im Bus unterqueren. Zwischen 5 und 21 h verkehrt zu diesem Zweck alle 15 min ein Bus, der Sie und Ihr Rad kostenlos(!) durch den Herrentunnel bringt.

Nach der kleinen Verschnaufpause fahren Sie parallel zur B 75 bis zur nächsten Möglichkeit, sie zu überqueren, und zweigen jenseits im weiten Linksbogen rechts in den Eichenweg ab (Hinweis nach Israelsdorf). Einfach dem Verlauf der Vorfahrt folgend radeln Sie bald auf der Waldstraße ein wenig hügelan und biegen dann rechts ab (Medebekstraße). Nach einem kurzen Stück durch den Wald, verläuft die Tour entlang seinem Rand, und Sie achten darauf, Burgtor in Lübeck, Ostseeküsten-Radwegnach einer Weile halblinks in den Forstmeisterweg abzubiegen.

Das war's im Grunde schon; denn jetzt müssen Sie sich nur noch geradeaus halten, um die Altstadt von Lübeck beim nebenstehenden Burgtor zu erreichen (Foto: Arnold Paul). Dort fahren Sie auf Asphalt weiter geradeaus, bis sich eine Einbahnstraße in Gegenrichtung in den Weg stellt. Auf grobem Pflaster verschwenkt die Route rechts/links, dann rollen die Räder wieder auf Asphalt. Sie folgen dem Verlauf der Fahrbahn rechts in die Beckergrube und zweigen bei der nächsten beampelten Kreuzung links in die Straße namens Fünfhausen ab. Es geht ein wenig aufwärts, nach der Marienkirche in die zweite links (Marktwiete) und schon stehen Sie auf dem Markt vor dem altehrwürdigen Lübecker Rathaus. Möchten Sie zur Tourist-Information, biegen Sie unweit südlich des Rathauses rechts ab, sausen hinab zum Holstentor und finden das grüne 'I' an der nächsten Kreuzung linker Hand.

Holstentor in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegLübeck, 13 m ü.N.N., 210.000 Einw., war einst die reichste und mächtigste Handelsstadt im Ostseeraum und häufte ungeheure Schätze an, von denen trotz der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg der größte Teil erhalten blieb bzw. rekonstruiert wurde. In Lübeck stehen heute mehr Gebäude aus dem 13.-15. Jh. als in allen anderen norddeutschen Großstädten zusammen und über 1.000 sind als Denkmäler geschützt. Da verwundert es nicht, daß die UNESCO die Altstadt in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen hat – was die Lübecker natürlich mit besonderem Stolz erfüllt (Foto: Jorges).

Verständlich wird vor diesem Hintergrund auch, daß eine detaillierte Schilderung der Sehenswürdigkeiten den Rahmen dieses Fahrradreiseführers bei weitem sprengen würde Lübeck Happy-Day-Card, Ostseeküsten-Radwegund man sich bei einem Blick in die Stadtgeschichte mit Schlaglichtern auf ein paar herausragende Bauten beschränken muß. Wer etwas Zeit mitbringt und mindestens einen Tag für Lübeck einplant, sollte die Tourist-Information aufsuchen und sich dort – je nach den eigenen Interessen – Vorschläge für Stadtspaziergänge unterbreiten lassen. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich eine Happy Day Card erwerben, die für 24 Std. 10 €, für 48 Std. 12 € und für 72 Std. 15 € kostet und die für freie Fahrt mit allen Bussen und Bahnen in Lübeck sorgt sowie bei vielen Museen, Hafen- und Kanalrundfahrten etc. Ermäßigungen garantiert.

Drei Anläufe waren nötig, bevor der Grundstein für ein aufstrebendes Gemeinwesen erfolgreich gelegt werden konnte. Zunächst entstand bei einer wendischen Ringburg an der Mündung der Schwartau in die Trave eine kleine Kaufmannssiedlung namens Liubice, die aber zwischen Wenden, Dänen und Deutschen heftig umstritten war und 1138 zerstört und aufgegeben wurde. 1143 wurde ein neuer Versuch wenige Kilometer traveaufwärts gewagt. Graf Adolf II. von Schauenburg wollte seine Position ausbauen und lockte Kaufleute herbei. Damit geriet er in Widerspruch zu Heinrich den Löwen, der das Örtchen 1147 unter seine Kontrolle brachte, aber nicht verhindern konnte, das 1157 alles in Schutt und Asche versank.

Das spornte ihn aber erst recht an, und so gründete er den Ort neu, gab ihm die Stadtrechte und sorgte für die Verlegung des Bistumssitzes von Oldenburg/Holstein nach Lübeck. Allerdings gewährte er dem Bischof keine weltliche Macht, so daß dessen Dom folgerichtig ganz im Süden der Stadt erbaut wurde, während die Burg im Norden lag und dazwischen die Kaufleute siedelten.

Nachdem sich Heinrich der Löwe 1180 mit Kaiser Barbarossa überworfen hatte, drohte Lübeck der Entzug der Privilegien und des Landbesitzes, doch einigte sich der aufstrebende Ort mit dem Kaiser und bekam die Rechte bestätigt. 1226 erhob dann der folgende Kaiser Friedrich II. Lübeck in den Stand einer freien Reichsstadt, d.h. sie war fortan dem Kaiser direkt unterstellt und damit unabhängig von regionalen Fürsten, so daß dem Aufbruch zu neuen Ufern nichts mehr im Wege stand.

Rathaus in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegAußer den Dänen. Diese wurden aber schon im nächsten Jahr von den norddeutschen Fürsten und Städten bei Bornhöved vernichtend geschlagen, weshalb Lübeck seine Handelsmacht über den gesamten Ostseeraum ausdehnen konnte. Unterstützung erfuhren die Lübecker dabei durch andere Kaufleute, die sich bereits Privilegien im Ausland sichern konnten, wie z.B. die Kölner und Niederländer in England. Lübeck gelang es, die Kaufleute ab der Mitte des 13. Jh. unter dem Dach der Hanse zu vereinen, wobei die Hanse zunächst nur ein lockeres Bündnis war, sich aber nach und nach festigte und ab 1356 regelmäßig tagte – vor allem in Lübeck (Foto: Mylius).

So wurde die Stadt zum wichtigsten Umschlagplatz zwischen dem Festland und den Ostseeanrainern, z.B. auch den nahe gelegenen, erst im Zuge der deutschen Ostkolonisation gegründeten Städten Wismar, Rostock, Stralsund etc., da der Seeweg wesentlich schneller und sicherer war als der über Land. Die Lübecker dehnten jedoch ihre Handelsbeziehungen noch weiter aus und schufen z.B. ein Hansekontor in Nowgorod oder nahmen Städte aus den vom Deutschen Orden eroberten Gebieten in die Gemeinschaft der Hanse auf – z.B. Danzig, Königsberg, Riga. Auch in Schweden und Norwegen wurden Niederlassungen gegründet.

Das mehrte den Wohlstand in der Stadt natürlich beträchtlich und neben den Profanbauten zum Wohnen, Lagern und Verkaufen der Waren konnte man sich auch noch den Gotteshäusern widmen. Während der Bischof an seinem Dom mauern und zimmern ließ (im wesentlichen 1173-1247, später aber mehrfach Umgestaltungen und Ausbauten, erst 1612 wurde der nördliche Turm fertiggestellt), ließ es sich die Bürgerschaft nicht nehmen, ihm eine nach Möglichkeit noch prächtigere Kirche gegenüberzustellen – natürlich um zu zeigen, wer der Herr im Hause ist.

Marienkriche in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegAlso ließ man den um die Mitte des 12. Jh. entstandenen Holzbau der Marienkirche um 1200 abreißen und durch einen Backsteinbau ersetzen. Nach einem Stadtbrand entschloß man sich 1251 zum stark vergrößerten Neubau, der aber noch während der Realisierung umgeplant und erweitert wurde. Kaum fertig war auch diese Kirche zu klein bzw. nicht repräsentativ genug und wurde 1315-30 kräftig umgestaltet, wobei ein 80 m langes und fast 40 m hohes Mittelschiff entstand. Damit war den Lübeckern nun endlich ein großer Wurf gelungen, denn die Marienkirche gilt als die erste Backstein-Kopie der hochgotischen Kathedralen und diente im Ostseeraum vielfach als Vorlage (Foto: Mylius).

Natürlich war das Kapital damit nicht aufgebraucht und konnte sich die Bürgerschaft z.B. auch den Bau des Heiligen-Geist-Hospitals (im Kern bis 1290 fertiggestellt) leisten, das der Versorgung bedürftiger Mitbürger diente und zu den ältesten und besterhaltenen Hospitälern des Mittelalters zählt (Foto: Mylius). Auch einzelne Kaufleute sorgten sich um die sozial Schwachen und stifteten für diese teils beträchtliche Summen, Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck, Ostseeküsten-Radwegglaubte man doch, damit bei Gott das eigene Ansehen verbessern zu können. So spendete z.B. der Ratsherr Johann Füchting ein Drittel seines Vermögens zum Bau von Wohnungen für Kaufmanns- und Schifferwitwen, die dort bis an ihr Lebensende kostenlos logieren durften. Der entsprechend benannte Füchtingshof ist noch heute in der Glockengießerstraße 23-27 zu finden. Allerdings wurde er in den 70er Jahren – immerhin bei Wahrung des äußeren Erscheinungsbilds – mit öffentlichen Mitteln modernisiert und zu 28 Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus umgebaut.

Rathaus in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegNeben der Stadtbefestigung investierten die Bürger selbstverständlich in ein schickes Rathaus, und so setzte man nicht nur vor den Hauptbau (ursprünglich 13. Jh., im 14. Jh. erneuert) eine Schauwand mit mächtigen Windlöchern, sondern später auch noch eine zweistöckige Renaissancelaube. Um die stilistische Vielfalt perfekt zu machen, bildet die östliche Begrenzung des Marktplatzes das so genannte Lange Haus mit dem später angefügten Kriegsstubenbau, dessen Schaufassade türmchenbewehrt und wappengeschmückt ist und dessen dunkle Ziegel dem Bau eine recht eigenwillige Note geben (Bild: Cornelis Springer, Rathaus um 1855).

In der Politik bewiesen die Lübecker aber nicht immer das rechte Feingefühl. Zunächst war die Hanse unter ihrer Führung sehr erfolgreich und setzte die Handelsinteressen auch militärisch durch. Die Dänen hatten sich immer an der Macht des Kaufmannbundes gestört, mußten sich aber 1370 geschlagen geben und im Frieden von Stralsund nicht nur die Handelsvorrechte der Hanse akzeptieren, sondern sogar auf 15 Jahre 2/3 der Einnahmen der Sundschlösser abgeben.

Das rächte sich jedoch, denn man soll den Gegner nicht erniedrigen. Verständlicherweise setzten die dänischen Könige in der Folge erst recht alles daran, die Vorherrschaft der Hanse im Ostseeraum zu brechen und förderten z.B. den Ostseehandel englischer und niederländischer Kaufleute. Das konnte die Hanse zwar anfänglich durch eine Wirtschaftsblockade unterbinden, und die Dänen mußten erneut in einem Friedensvertrag (1435) die Rechte der Hanse bestätigen, doch setzten die Dänen auch neue Zölle durch und untergruben so auf lange Sicht den Freihandel der Hanse.

Schließlich kam es auch im Innern Lübecks zu Unruhen und begehrten die Handwerker und andere einfache Leute gegen die reichen Ratsgeschlechter auf. Sie wollten an der Stadtregierung beteiligt werden. Nachdem dies durchgesetzt war, stürzte man sich unter dem aus Hamburg geholten Bürgermeister Wullenwever in ein neues Abenteuer mit den Dänen, die so genannte Grafenfehde, und unterlag 1535 endgültig. Politisch war damit die Macht Lübecks gebrochen, und auch der wirtschaftliche Niedergang ließ nicht lange auf sich warten. Der hundert Jahre später wütende Dreißigjährige Krieg erforderte ungeheure Investitionen in die Stadtbefestigung und behinderte natürlich auch den Handel. Davon erholte sich Lübeck kaum und erlangte nie wieder die einstige Stellung.

Buddenbrookhaus in Lübeck, Ostseeküsten-RadwegLübeck bietet aber nicht nur eine reiche Vergangenheit und sehr viele schöne Fassaden, sondern dahinter auch so manche Kostbarkeit. Wie bereits erwähnt würde es den Rahmen sprengen, dies alles hier aufzuzählen, daher nur zwei Hinweise – was bitte nicht als Wertung zu verstehen ist: Erstens das Buddenbrookhaus (Foto: Andreas Geick), welches sich neben den ständigen Ausstellungen 'Die Manns – eine Schriftstellerfamilie' und 'Die Buddenbrooks – ein Jahrhundertroman' auch literarischen Sonderausstellungen und verschiedenen Veranstaltungen widmet – Mengstr. 4, geöffnet April-Okt. täglich 10-18 h, weitere Infos unter www.buddenbrookhaus.de. Und zweitens, wo ich schon mal bei der Literatur bin, das Günter Grass-Haus. In der Dauerausstellung wird die enge Verbindung der Literatur- und Kunstproduktion des Nobelpreisträgers vorgestellt. Ferner dienen das Gebäude, der Hof und der Skulpturengarten als Forum für Literatur und bildende Kunst mit entsprechenden Wechselausstellungen – Glockengießerstr. 21, geöffnet April-Okt. täglich 10-17 h, weitere Infos unter www.guenter-grass-haus.de.

Lübeck, Ostseeküsten-Radweg Lübeck und Travemünde Marketing GmbH, Holstentorplatz 1, 23552 Lübeck,
Fon 0451 / 8899700, Fax 0451 / 4091992, E-Mail info@luebeck-tourismus.de, Internet www.luebeck-tourismus.de, sowie Lübecker Verkehrsverein e.V., Am Bahnhof/Linden-Arcaden, Konrad-Adenauer-Straße 6, 23558 Lübeck, Fon 0451 / 72300, Fax 0451 / 704890, E-Mail touristservice@luebecker-verkehrsverein.de, Internet www.luebecker-verkehrsverein.de.

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