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Ostsee-Radweg MV

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Übersicht: Ostsee-Radweg Mecklenburg-Vorpommern (648 km)

 

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Auch wenn Sie - eigentlich - der Ostseeküste von West nach Ost folgen wollen (was sich allein schon wegen der Hauptwindrichtung empfiehlt) und nicht im Landesinneren herumkurven möchten, sollten Sie ernsthaft in Erwägung ziehen, die Reise in Lübeck zu beginnen; denn diese Stadt bestimmte einst das Leben an allen Ostseeküsten mehr als irgendwer sonst.

Seebrücke am Ostsee-RadwegNachdem Sie das hanseatische Leben vielleicht auch noch in Travemünde genossen haben, soll es dann aber mal losgehen, und das tut es auch - jedenfalls in topographischer Hinsicht. Sie werden nämlich auf dem Ostsee-Radweg schon nach dem Ort Groß Schwansee (Etappe 2) eine Besonderheit der mecklenburgisch-vorpommerischen Küstenlandschaft kennen lernen, die sich insgesamt durch den beständigen Wechsel zwischen Steil- und Flachküsten, zwischen fast geradlinig verlaufenden Außenküsten am offenen Meer und stark gegliederten Binnenküsten an den Bodden und Haffs sowie schließlich zwischen ebenen Niederungen und (meist sanften) Hügeln auszeichnet. Diese Formenvielfalt ist das Produkt dreier Prozesse, wovon am Beginn die Eiszeit stand (Auswirkungen vorheriger Phasen der Erdgeschichte sind an der Oberfläche kaum vorhanden, eine Ausnahme sind z.B. die Kreidefelsen auf Rügen). Die aus Skandinavien vordringenden Gletscher brachten riesige Geröllmassen mit, die nach dem Abschmelzen des Eises zurückblieben und als Moränen bezeichnet werden. Natürlich verteilte sich das Material nicht gleichmäßig, sondern bildete eine wellige Landschaft, die sich heute z.B. südlich der Wismarer Bucht bis 113 m, bei Kühlungsborn bis 130 m oder auf Rügen bis 162 m über den Meeresspiegel erhebt. Sie brauchen sich also nicht zu schämen, wenn Sie 'schon' in Boltenhagen aus der Puste sein sollten.

Nach dem Ende der Eiszeit stieg wegen des geschmolzenen Eises weltweit der Meeresspiegel an und führte an der südlichen Ostseeküste zur Überflutung der Mulden, so daß aus den Höhen Halbinseln und Inseln wurden. Sodann setzte die dritte Phase ein, der sog. Küstenausgleich, der bis heute anhält: An manchen Stellen greift das Meer an und läßt Steilufer entstehen, transportiert das abgetragene Material kilometerweit und lagert es an Flachküsten wieder ab. Auf diese Weise bilden sich Haken, die bis zu mehrere Meter pro Jahr 'wachsen' können, wie z.B. Neu- und Altbessin an der Nordostseite von Hiddensee. Teils entstehen durchgängige 'Brücken' bis zum Festland oder zur nächsten Insel, die als Nehrungen bezeichnet werden, wie z.B. die Schaabe auf Rügen. Auf diesem Prozeß beruht übrigens auch die Eigentümlichkeit, daß eine Halbinsel gleich drei Namen trägt: Fischland-Darß-Zingst - früher waren es tatsächlich einmal drei einzelne Inseln.

Doch nicht nur das Meer formt die Küste, auch der Wind hat ein Wörtchen mitzureden. Einerseits schließt er sich mit den Wassermassen zusammen, im Extrem landläufig als Sturmfluten bekannt - im Falle der Ostsee, die keinen Tidenhub kennt, wäre Sturmhochwasser richtiger -, andererseits trägt er trockenen Sand vom Strand (natürlich entsprechende Windrichtung vorausgesetzt) landeinwärts und lagert diesen bei den nächsten Hindernissen ab, so daß Dünen entstehen.

Während die Außenküste also beständigen Änderungen unterliegt, verläuft die Entwicklung an der Binnenküste der Bodden und Haffs weit geruhsamer. Da der Wind hier schwächer ist und das Meer weniger vor sich her peitscht, entstehen durch Verlandung weite Flachwasserbereiche mit teils ausgedehnten Schilfgürteln, die eher an Süßwasserseen als die (schwach) salzhaltige Ostsee denken lassen. Entsprechend sind die Bademöglichkeiten an der Binnenküste meist bescheiden, und im Schilf haben Menschen - außer um Reet für die Dächer ihrer Häuser zu schneiden - sowieso nichts zu suchen. Ferner ist der Austausch der Wassermassen gering, und belasten die Zuflüsse (wie z.B. die Oder) mit ihren Schadstoff-Frachten die Bodden und Haffs in hohem Maße.

Strand am Ostsee-RadwegZum Ausgleich sind an der Außenküste fast immer feinsandige Strände zu finden - Ausnahmen sind manchmal die Steilküsten, wo auch gröberes Gestein die Szenerie beherrschen kann. Apropos Strand: Nachdem ab 1793 mit Heiligendamm das erste deutsche Ostseebad entstand, setzte ein Prozeß ein, der die Menschen nach und nach mit dem Meer versöhnte - galt es doch zuvor als unwirtlich und lebensbedrohend. Gerade an der Ostseeküste mag das aber auch an den Wassertemperaturen gelegen haben; denn mehr als 18 °C sind auch im Hochsommer selten drin. Und da wird so manchem Gast eine Gänsehaut wachsen. Auch die Lufttemperatur ist als eher gemäßigt zu bezeichnen.

Dabei ist eine deutliche Differenzierung des Klimas von West nach Ost feststellbar. Der Westen wird noch stark maritim beeinflußt, während im Osten schon eher kontinentale Einflüsse wirken. So sind nicht nur die Niederschläge im Westen höher (aber natürlich auch stark von der lokalen Geländeformation abhängig), sondern auch die heiteren Tage seltener (Poel im Mittel 34, Usedom 45 Tage pro Jahr), und die Zahl der Sommertage (Maximum mindestens 25 °C) beträgt auf Hiddensee, das sich frontal den Westwinden entgegenstellt, 8, in Ueckermünde hingegen 18.

Velo-Promenade am Ostsee-RadwegIhre Veloreise auf dem Ostsee-Radweg wird aber auch dadurch geprägt werden, daß es einen beständigen Wechsel zwischen beinahe menschenleeren, von der Agrar- und Forstwirtschaft geprägten Landstrichen und teils schon überlaufenen Seebädern gibt. Genauso verhält es sich übrigens mit den Stränden; denn manche sind so weit von den Badeorten und mit Kfz befahrbaren Straßen entfernt, daß der gemeine Bürger nicht weiß, wie er dort hinkommen soll. Wenn Sie also keine Lust haben, zusammen mit Tausenden am Strand zu liegen und baden zu gehen, müssen Sie das nicht: Radeln Sie einfach auf dem Ostsee-Radweg ein Stückchen weiter und schon haben Sie Ihre Ruhe. Ehrlich!

Viel Vergnügen sowie Rad- und Speichenbruch wünscht

Hinnerk, Ostsee-Radweg

 

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Kartenblattübersicht (Sie können die einzelnen Etappen durch Anklicken direkt aufrufen.)

Kartenblattübersicht 1 Ostsee-Radweg von Lübeck nach Ahlbeck (Usedom)

 

Kartenblattübersicht 2 Ostsee-Radweg von Lübeck nach Ahlbeck (Usedom)

Quelle: ATKIS(r) DTK200-V, (c) Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2004

 

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