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Radweg Berlin - Usedom (5)

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Etappe 5: Ueckermünde - Grambin - Mönkebude - Leopoldshagen - Bugewitz - Anklam - Relzow - Libnow - Pinnow - Insel Usedom - Zecherin - Karnin - Mönchow - Stadt Usedom - Stolpe - Prätenow - Dargen - Bossin - Neverow - Zirchow - Garz - Korswandt - Ahlbeck (89 km)

 

Sofern Sie im Besitz der CD "TOP 200" sind, können Sie sich die unten abgebildete Etappe mit eingezeichneter Streckenführung hier als Overlay-Datei herunterladen (ca. 8 KB).
Informationen zur CD "TOP 200"

Radweg Berlin - Usedom: Etappe 5 von Ueckermünde über Anklam, Insel Usedom, Karnin, Stadt Usedom nach Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin

Quelle: ATKIS® DTK200-V, © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2004

 

Ende der Ausbaustufe möchte man meinen. Nun, allzu schlimm ist es nicht, auf dieser Etappe gibt es aber längere Abschnitte mit groben Schotterwegen, Betonplattenstraßen und sogar gepflasterten Alleen. Diese Teilstücke sind auf die gesamte Etappe gesehen jedoch so kurz, daß man sie eher als Abwechslung, denn Last betrachten kann. Wenn dem Radweg Berlin – Usedom auf Dauer Erfolg beschieden sein soll, kann man den Verantwortlichen allerdings nur empfehlen, auch hier für einen Ausbau gemäß dem 'Barnimer Standard' zu sorgen.

Die Etappe beginnt am Marktplatz und folgt der Einbahnstraße alsbald mit einem Links-/Rechtsschwenk auf die Hauptstraße, auf der Sie die Stadt verlassen. Nach den letzten Häusern steht linker Hand ein asphaltierter Geh- und Radweg zur Verfügung, der bis Grambin reicht, wo der Belag zu Betonsteinpflaster wechselt und Sie auf die Fahrbahn wechseln sollten, da der Gehweg im Ort recht schmal ist.

Bei den letzten Häusern können Sie wieder auf einen asphaltierten Radweg links der Straße wechseln und passieren derart bald eine kleine Häuseransammlung, bevor der Radweg die Landstraße quert und sodann nach Mönkebude leitet. Dort rollen die Räder auf Betonsteinpflaster, und Sie absolvieren auf der „Haffstraße“ einen weiten Rechtsbogen, kommen an der Tourist-Information vorbei und dürfen wenige Meter weiter, wenn Sie fast am Hafen angelangt sind, einen 180°-Linksbogen schlagen, um quasi zurück zu radeln. Tja, in Mönkebude will man halt zeigen, wie schön es dort ist.

Auf der „Alten Dorfstraße“ radeln Sie bis zur Landstraße, die Sie queren, um vorbei an der Kirche in den Wald zu gelangen. Dort wird ein noch passabler Schotterweg geboten, der nahe dem Waldrand zurück zur Landstraße führt und diese sodann begleitet, wobei er mal näher, mal etwas weiter entfernt von der Fahrbahn verläuft und mal etwas glatter, mal etwas grober ist.

In Leopoldshagen folgt die Route einer mit Betonplatten arg hoppelig befestigten Straße, bevor sie links wieder in den Wald versetzt und dort bis zu einem asphaltierten Fahrweg rechter Hand führt, der zur Landstraße leitet. Diese queren Sie, schlagen jenseits einen Linksbogen und folgen sodann dem geschotterten – teils hoppeligen – Weg vorbei am Rastplatz Hohe Heide bis zu den ersten Häusern von Bugewitz, wo Erlösung naht: Einspuriger, glatter Asphalt – herrlich!

Sie biegen rechts ein, queren alsbald einen Graben, halten sich an einer Gabelung bald darauf geradeaus und nehmen für wenige Meter Betonplatten in Kauf, bevor auf der Dorfstraße wieder Asphalt geboten wird. Wenn die Vorfahrt links abknickt, geht es geradeaus weiter und so zur Dorfkirche, wo die Räder kurz auf Pflaster rollen. Danach schließt sich wieder glatter Asphalt an, auf dem Sie hinaus in die Felder rollen und – hoffentlich bei Rückenwind – den Ausblick auf das rechter Hand gelegene NSG 'Anklamer Stadtbruch' genießen können.

Nach einer Weile wechselt der Belag zu einem zunächst guten, später einem nur mäßigen – mit Kinderanhänger im Grunde unbefahrbaren – Schotter. Hinweis zur Fähre Kamp - Karnin, Radweg Berlin - UsedomDafür entschädigt aber die Führung direkt entlang der Rosenhäger Beck in der wunderschönen Landschaft. So queren Sie auf der Höhe einer Brücke eine Straße und erreichen wenig später die nächste Straße, wiederum direkt an einer Brücke. Dort haben Sie die Qual der Wahl; denn rechts führt die Straße nach Kamp, von wo eine Fähre nach Karnin übersetzt – Mai bis Oktober, täglich 11-17 h, Fon 0177 / 283 45 04. Der Radweg Berlin – Usedom knickt jedoch links ab und verläuft auf Asphalt bis zu einer T-Kreuzung, ab der es rechts auf zweistreifig verlegten Betonplatten, in deren Mitte Asphalt aufgetragen wurde, weiter geht. Einen weiten Linksbogen schlagend nähern Sie sich Gnevezin, zweigen aber noch vor dem Ort gemäß Radhinweis rechts ab.

Am Belag ändert sich dadurch erstmal nichts, und so radeln Sie nach Anklam, wo man auf den Asphalt in der Mitte zwischen den Platten verzichtet hat. Aber es ist auch nicht mehr weit, bis ein betonsteingepflasterter Radweg rechter Hand beginnt, der zur Landstraße leitet, auf deren gegenüberliegender Seite ein ebensolcher Weg geboten wird, der rechts am Bioäthanolwerk vorbei führt – statt 'Oil for Food' heißt es jetzt 'Food for Oil', was für ein Fortschritt!

Nach einer Weile quert der Radweg Berlin – Usedom eine Bahnlinie, und wer zum Otto-Lilienthal-Museum (s.o.) möchte, zweigt gleich danach links ab. Die Route führt geradeaus weiter und wechselt an der Einmündung in eine Vorfahrtstraße auf die rechte Seite, bevor Sie kurz darauf den Bahnhof rechter Hand passieren. Bei einem bald folgenden Abzweig rechts sollten Sie auf die Fahrbahn wechseln und halblinks der „Pasewalker Straße“ zum Steintor folgen, ab wo wieder ein Radweg zur Verfügung steht, der geradeaus zum Marktplatz leitet.

 

Stadtinfo

Blick auf Anklam, Radweg Berlin - UsedomAnklam, 5 m ü.N.N., 14.100 Einw., ist nicht zu übersehen, daß der Zweite Weltkrieg zu sehr großen Schäden geführt hat; denn im Zentrum sind nur noch wenige ältere Gebäude vorhanden. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, daß ein Großteil der Zerstörungen nicht von der angreifenden Roten Armee verursacht wurde, sondern den sich zurückziehenden deutschen Truppen geschuldet ist, die die Stadt nicht nur beschossen, sondern sogar bombardierten, um den Vormarsch des Feindes zu verlangsamen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte (was nicht der Fall war), daß die menschliche Dummheit grenzenlos ist, hier ist er erbracht worden.

1243 wurde Anklam das erste Mal urkundlich erwähnt, genoß bereits 1264 Stadtrechte und trat 1283 der Hanse bei, was dem Gemeinwesen offensichtlich einen beachtlichen Aufschwung verschaffte; Markt und Nikolaikirche in Anklam, Radweg Berlin - Usedomdenn man konnte es sich erlauben, gleichzeitig an den beiden großen Gotteshäusern Marien- und Nikolaikirche zu bauen. Die Errichtung einer Nikolaikirche war in einer Hansestadt übrigens ein Muß, da der heilige Nikolaus im Mittelalter als Schutzherr der Kaufleute galt. Der Arme mußte aber auch noch die Schiffer, Fischer, Bäcker, Apotheker, Juristen und viele weitere Berufsgruppen sowie die Kinder beschützen; puuh, da wird er sich freuen, daß er heutzutage nur noch am 6.12. den Nachkommen ein paar Süßigkeiten 'in die Schuhe schieben muß'.

Geplante Turmspitze der Nikolaikirche in Anklam, Radweg Berlin - UsedomDie Nikolaikirche wurde Ende des Krieges weitgehend zerstört; seit ein paar Jahren bemüht man sich aber um die Rettung und hat u.a. 1995 ein Notdach für das Kirchenschiff installiert, um den weiteren Verfall aufzuhalten. Für die Zukunft war zunächst vorgesehen, das einstige Gotteshaus als Veranstaltungsraum zu nutzen. Im Zuge einer Ausstellung im Jahre 2007 kam man aber auf die Idee, die Ruine künftig der 'Geschichte des Menschenflugs' zu widmen und entwarf dafür auch die nebenstehende neue Turmhaube. Sie soll eine gläserne, nachts von innen beleuchtete Spitze krönen, ein buntes Windspiel soll der Energiegewinnung dienen, Aussichtsplattformen dürfen natürlich nicht fehlen, und den Vogel schießt eine Drachenseilbahn hinunter zum Markt ab – viel Vergnügen!

Und warum das Thema 'Geschichte des Menschenflugs'? Nun, in Anklam wurde am 23. Mai 1848 Otto Lilienthal geboren und am 25. Juni des gleichen Jahres getauft – tja, und wohl wo – genau: in der Nikolaikirche. Bereits 1867-68 führte er zusammen mit seinem Bruder Gustav Experimente durch, um den möglichen Auftrieb durch menschliches Flügelschlagen zu ermitteln – und kam auf eine anhebbare Masse von 40 kg; das reichte leider nicht. Aus: Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst von Otto LilienthalIn den Folgejahren widmete er sich vor allem der beruflichen Karriere, verlor aber das Thema Fliegen nicht aus den Augen und veröffentlichte 1889 das Buch 'Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst', in dem auch der Erkenntnis der Brüder Ausdruck verliehen wurde, daß der Flügelform die entscheidende Bedeutung zukommt und demgemäß gewölbte Tragflächen einen größeren Auftrieb haben als ebene.

Der Theorie sollte die Praxis folgen, und ab 1891 testete und verbesserte er seine Fluggeräte, so daß er – von Hügeln aus startend – nach anfänglich bis zu 25 m, später bis zu 250 m weit fliegen konnte. Wenn Sie mehr über ihn, seine Forschung und seine 'Flugzeuge' erfahren wollen, sollten Sie das Otto-Lilienthal-Museum in der Ellbogenstraße (östlich der Stadtmitte, auf der Fahrt in die Stadt passieren Sie es) besuchen. Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise usw. erfahren Sie unter www.lilienthal-museum.de.

Wie es sich für einen anständigen Flugpionier gehört, starb Otto Lilienthal nicht auf natürliche Weise, sondern stürzte bei einem Flug aus einer Höhe von 15 m ab. Man sollte annehmen, daß er sogleich tot war, doch überlebte er sogar noch den Transport nach Berlin (über 100 km) und verstarb erst am Folgetag, dem 10. August 1896. Das Unglück geschah in den Rhinower Bergen (nordwestlich von Berlin zwischen Rathenow und Neustadt an der Dosse) und genau dort wurde und wird Otto Lilienthal auf eine ziemlich exklusive Art und Weise gedacht. Und zwar indem auf dem unbefestigten Segelflugplatz unweit der Stelle, an der Lilienthal abstürzte, am 23. Oktober 1989 eine Iljuschin IL-62 der DDR-Fluggesellschaft Interflug landete.

Iljuschin IL-62 bei Stölln zu Ehren von Otto LilienthalDie Iljuschin IL-62 war – wie nebenstehend zu erkennen (Foto: Michael Erdmann) – nicht irgendeine kleine Sportmaschine, sondern ein 'ausgewachsenes' Verkehrsflugzeug. Die IL-62 hatte eine Länge von 53 m, eine Spannweite von 43 m, ein Leergewicht von fast 70 t, bot je nach Ausführung 144-198 Passagieren Platz und brauchte für eine normale Landung eine Rollbahn mit einer Länge von mehr als 2.500 m. Der Segelflugplatz hat nur eine 900 m lange Landebahn, so daß es schon eines speziellen Piloten bedurfte, um dort - ohne Not(!) - zu landen.

Dieser Pilot war Heinz-Dieter Kallbach (geb. 1940), Sohn einer Arbeiterfamilie aus Essen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Osten zog (die jungen Leute von heute würden sagen: Hallo? Vom Westen in den Osten?), und den die Flugleidenschaft gepackt hatte. So kam er zur Interflug, machte dort Karriere und wurde Flottenchef für die IL-62. Da lag es nahe, daß er den auszumusternden Langstreckenjet (maximale Reichweite über 10.000 km) zur letzten Ruhe geleitete; denn starten kann die IL-62 auf dem besseren Acker nicht mehr. Dafür dient sie heute als Museum und Standesamt! Übrigens nach Lilienthals Ehefrau „Lady Agnes“ genannt.

Anklam, Radweg Berlin - Usedom Anklam-Information, Markt 3, 17389 Anklam, Fon 03971 / 835154, Fax 03971 / 835175, E-Mail info@anklam.de, Internet www.anklam.de.

 

Die Stadtmitte verlassen Sie auf der „Peenestraße“, rollen entsprechend auf einem betonsteingepflasterten Radweg abwärts zur Peene und überqueren den Fluß mittels einer beachtlich hohen Holzbrücke. Jenseits folgt der Radweg Berlin – Usedom der „Greifswalder Straße“, und Sie unterqueren bald mittels aufwändiger Unterführung die Eisenbahn. Sodann die Richtung beibehaltend geht es auf der ehemaligen zur heutigen Bundesstraße, wo rechter Hand ein asphaltierter Geh- und Radweg zur Verfügung steht, dem Sie schnurstracks bis nach Relzow folgen.

Sie zweigen rechts ab und radeln auf der betonsteingepflasterten Allee in den Ort, wo bald erst ein Rechts-, dann ein Linksbogen geschlagen wird, bevor es beim nächsten Rechtsbogen über einen Bach hinweg geht und Sie sodann darauf achten, sich nach dem sogleich folgenden Linksbogen geradeaus (Richtung Osten) zu halten. Bei den letzten Häusern links abknickend gelangen Sie auf glatten, einspurigen Asphalt und radeln derart am Waldrand entlang.

So kommen Sie dicht an die Bundesstraße heran, zweigen aber noch vor ihr rechts auf eine zweispurige Betonplattenstraße ab, um schon wenige Meter weiter halblinks den einspurigen Asphaltweg zu wählen. Bald taucht der Weg in den Wald ein, bietet dort eine brauchbare Schotterdecke und offeriert auf dem sich anschließenden freien Feld wieder den guten Asphaltbelag. Derart radelt es sich nicht nur angenehm, sondern auch zügig nach Libnow, wo Sie wieder auf die Bundesstraße treffen und rechts dem Geh- und Radweg folgen.

Brücke über den Peenestrom nach Usedom, Radweg Berlin - UsedomDie Strecke ist beachtlich wellig, und leider ist der Weg nicht durchgängig von hoher Qualität, sondern durch Wurzeln teilweise arg aufgeworfen. Dafür haben Sie aber auf dem mal mit Betonsteinpflaster, mal mit Asphalt befestigten Weg keine Orientierungsprobleme und fahren weiter nach Pinnow. Anschließend geht es eine Weile durch den Wald und sodann entlang der Felder bis zum Peenestrom, wo Sie direkt vor der Brücke einen Haken schlagen und auf den Geh- und Radweg links der Fahrbahn versetzen, um hinüber zur Insel Usedom zu fahren (Brückenöffnung mehrmals täglich für 20 Minuten, Foto: Joachim Müllerchen).

 

Inselinfo

Der Name Usedom: In alter Zeit war die Insel, obwohl schon lange von Menschen bewohnt, noch immer ohne Namen. Darum versammelten sich eines Tages alle Einwohner an einem Ort, und jeder konnte einen Vorschlag machen. Es ging viel Gerede hin und her, nur einen Namen für die Insel wußte niemand zu nennen. Endlich waren alle still, denn jeder wartete gespannt, daß der andere einen treffenden Namen sagen würde, aber keinem wollte einer einfallen.

Da sprach ein grauhaariger Alter: „Das nächste Wort, das einer spricht, soll der Name unserer Insel sein, sonst sitzen wir noch lange hier.“

Jetzt schwiegen alle aus Angst. Wie leicht konnte ein unbedachtes Wort für alle Zeit den Namen bestimmen! So saßen sie wohl eine gute Stunde und sannen angestrengt, bis einer aufsprang und ungeduldig rief: „Oh, so dumm, daß wir keinen Namen finden!“

Nun war es geschehen. Hatten sie aber gehofft, einen besonders hübschen Namen zu bekommen, so war es nichts damit, denn sie mußten sich „Osodummer“ nennen lassen. Doch mit lachender Miene fanden sie sich drein. Schließlich war dieser Name immer noch besser als gar keiner, und im Laufe vieler Jahre ist dann „Usedom“ daraus geworden. (Quelle: Albert Burkhardt. Das Riesenschiff. Sagen, Märchen und Geschichten aus Mecklenburg. Postreiter-Verlag, Halle 1989)

Am Radweg Berlin - UsedomUsedom ist die westliche der beiden großen Inseln an der Mündung der Oder und rund 445 km² groß, wovon 354 km² zu Deutschland zählen, der Rest zu Polen. Die Insel zog mit ihrer 42 km langen Außenküste, die durchgängig feinen Sandstrand bietet, schon ab den 20er Jahren des 19. Jh. Urlauber an, und noch heute erwirtschaften die Insulaner den größten Teil ihrer Einkünfte durch Beherbergung und Verköstigung. Neben der wenig bedeutenden Landwirtschaft widmeten sich die Usedomer früher dem Fischfang, der allerdings kaum in der Ostsee, sondern fast ausschließlich im Haff betrieben wurde.

Entsprechend liegen die Kerne der Siedlungen alle an der Binnenküste, und erst der Tourismus brachte Neubaugebiete in Strandnähe mit sich. Dies ist auch am regelmäßigen Straßenraster der Badeorte erkennbar, nur Ahlbeck wurde an der Außenküste gegründet und besitzt folgerichtig eine geschwungene Hauptstraße zum Wasser.

Wem es zu langweilig ist, tagelang am Strand zu liegen, der findet gute Möglichkeiten zum Rad fahren (und Wandern), da außer auf den beiden Bundesstraßen wenig Verkehr herrscht und die Landschaft abwechslungsreich ist. Immer wieder erheben sich Moränen, die bis zu 60 m hoch sind und an der Ostseeseite beeindruckende Steilküsten bilden bzw. im Inselinnern die Szenerie durch dichten Baumbestand beleben.

Naturpark Insel Usedom, Radweg Berlin - UsedomDie Außenküste ist fast geradlinig und bietet feinen Sandstrand, während die Binnenküste stark gegliedert ist und auf längeren Abschnitten von einem Schilfgürtel begleitet wird. Die starke Verzahnung von Land und Wasser (wozu noch die vielen Seen auf der Insel zu zählen sind) sorgte auch für eine reiche Flora und Fauna, weshalb Usedom samt angrenzender Gewässer 1999 zum 'Naturpark Insel Usedom' erklärt wurde. Wer mehr über die Naturschätze erfahren möchte, besucht die Website der Naturparkverwaltung www.naturpark-usedom.de, wo unter der Rubrik 'Veranstaltungen' u.a. auch verschiedene Radwanderungen (ausgehend von mehreren Seebädern) angeboten werden.

Insel Usedom, Radweg Berlin - Usedom Usedom Tourismus GmbH, Waldstraße 1, 17429 Seebad Bansin, Fon 038378 / 4771-10, Fax 038378 / 4771-29, E-Mail info@usedom.de, Internet www.usedom.de.

 

Auf der Insel angekommen wechseln Sie erneut die Straßenseite und zweigen alsbald rechts auf die schöne alte Allee nach Zecherin ab, wobei der Rollbelag recht rau und etwas hoppelig ist. In Karnin lohnt ein Abstecher auf der neuen(!) Pflasterstraße hinunter zum Hafen; denn dort können Sie die Hubbrücke, die Ihnen vielleicht schon während der Fahrt nach Anklam aufgefallen ist, aus der Nähe betrachten – oder auch einfach nur die nette Atmosphäre am schnuckeligen Hafen genießen.

 

Info

Karniner Hubbrücke, Radweg Berlin - UsedomDie Karniner Hubbrücke (Foto: Kläuser) ist ein Mahnmal des Zweiten Weltkriegs; denn die zugehörigen Brückenrampen wurden von den sich zurückziehenden deutschen Truppen wenige Tage vor Kriegsende gesprengt. Zu diesem Zeitpunkt war die seinerzeit modernste Eisenbahnhubbrücke der Welt gerade mal 12 Jahre alt, und die Zerstörung war - mit Verlaub - vollkommen überflüssig, da der Krieg ohnehin verloren war. Aber es gehörte nun mal zum Programm der Wehrmacht, daß, wenn man schon nicht gewinnen könne, zumindest soviel wie möglich demolieren müsse, und sei es im eigenen Land - au weia!

Und nur so nebenbei: Zerstört hatte man damit die Hauptverbindung der Eisenbahn auf die Insel Usedom, die über Swinemünde zu den Seebädern - und auch zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde - führte. Fortan war Usedom mit der Eisenbahn nur noch über Wolgast erreichbar, was für die Fahrgäste aber mit einem ca. 1 km langen Fußweg über die Peenebrücke verbunden war, da diese Brücke nicht mit Zügen befahren werden konnte. Güterwagen wurden per Fähre übergesetzt, was in Anbetracht der geringen Entfernung sehr aufwändig war. Und wenn man bedenkt, daß in den 80er Jahren in der Hauptsaison bis zu 400.000 Touristen mit der Bahn anreisten, kann man sich lebhaft vorstellen, was da auf der Brücke los gewesen ist.

Und zu guter Letzt: Die alte Hauptstrecke über Swinemünde soll reaktiviert werden und wird seit 2004 sogar im Bundesverkehrswegeplan aufgeführt. Begonnen wird mit der Verlängerung von Ahlbeck nach Swinemünde (bereits in Bau), 2012 soll Garz und damit der Flughafen Heringsdorf angeschlossen sein und 2015 die Strecke bis auf das Festland fertiggestellt werden. Na, dann lassen wir uns mal überraschen.

 

 

Nach Karnin müssen Sie für eine Weile etwas schlechteren Rollbelag hinnehmen; denn das Pflaster scheint vielerorts durch den Asphalt durch bzw. der Asphalt offeriert doch so manches Schlagloch. Nach der Häuseransammlung Wilhelmsfelde ist die Fahrbahn jedoch vollständig erneuert, und daher können Sie sodann völlig entspannt durch die hübsche und leicht wellige Landschaft nach Usedom radeln, wo alsbald rechter Hand ein geklinkerter Geh- und Radweg zur Verfügung steht, der später mit einem Rechtsschwenk durch das Anklamer Tor in die Altstadt leitet.

 

Stadtinfo

Anklamer Tor in Usedom, Radweg Berlin - UsedomUsedom, 1 m ü.N.N., 1.900 Einw., rühmt sich, der Ort zu sein, in dem sich die (slawischen) Adligen des westlichen Pommerns 1128 zum Christentum bekannten, und zwar im Beisein des Bischofs Otto I. von Bamberg. Otto - seit 1102 Bischof, zuvor Kanzler des Kaisers Heinrich IV. - widmete sich auf zwei Reisen (1124 und eben 1128) der Christianisierung Pommerns, wobei er die heiligen Stätten der Slawen schlicht zerstören ließ - tja, wie heißt es so schön: 'Und willst Du nicht mein Bruder sein, schlag' ich Dir den Schädel ein!'

Da lag es nur nahe, daß unweit südlich von Usedom wenige Jahre später ein Kloster gegründet wurde, bevor im 13. Jh. Deutsche angesiedelt wurden und Usedom 1298 lübisches Stadtrecht erhielt. Damit war die Grundlage für eine stürmische Entwicklung gelegt, doch dazu kam es nicht, Usedom blieb eine Ackerbürgerstadt - mehr über die Geschichte des Ortes erfahren Sie in der Heimatstube im Anklamer Tor.

Usedom, Radweg Berlin - Usedom Stadtinformation, Bäderstraße 5, 17406 Usedom, Fon 038372 / 70890, Fax 038372 / 71072, E-Mail stadtinfo.usedom@t-online.de, Internet www.stadtinfo-usedom.de.

 

Hinter der Kirche knickt die Etappe links ab und folgt der „Swinemünder Straße“ zur B 110, deren betonsteingepflasterter Geh- und Radweg zum Abzweig nach Stolpe leitet. Damit rollen die Räder auf der Fahrbahn der alten Allee, und Sie achten darauf, wenn die Straße alsbald einen Rechtsbogen absolviert, links auf einen einspurigen Asphaltweg abzubiegen. Der leitet sehr schön durch den Wald und danach über die Felder nach Stolpe – ach, so macht das Radeln Spaß!

Das Dorf bleibt überwiegend rechter Hand liegen, und Sie halten sich an einer Kreuzung geradeaus, um bald nach einem Rechtsbogen nahe dem östlichen Ortsende T-förmig auf eine Straße zu stoßen und links in diese einzubiegen. Ich gehe mal davon aus, daß Ihnen Petrus nun mit einer frischen Brise aus westlichen Richtungen hilfreich zur Seite stehen wird, so daß Sie geschwind auf dem einspurigen Asphalt durch die Lande sausen können. Bald nach dem Ortsende gabelt sich die Strecke, und Sie nehmen die linke Möglichkeit Richtung Dargen, so daß Sie an den Waldrand kommen und kurz darauf die nördlichen Ausläufer von Prätenow erreichen.

Nach dem Abzweig Richtung Ortsmitte von Prätenow verschlechtert sich die Qualität des Asphalts, doch ist es nicht mehr weit, bis sich zweistreifig glatt verlegte Betonplatten anschließen, die bis nach Dargen reichen. Dort folgen Sie der asphaltierten Ortsstraße, bis ein Radhinweis Richtung Bossin auf wieder einspurigen und glatten Asphalt lenkt. Auf freiem Feld dürfen Sie sich dann ob einer interessanten Lösung wundern; denn direkt neben dem fast einspurig asphaltierten Geh- und Radweg verläuft ein einspuriger unbefestigter Weg – was es alles gibt!

In Bossin mündet die Route in eine 1½spurige Asphaltstraße, und Sie folgen dieser durch die wellige Landschaft über Neverow bis zur Einmündung in die zweispurige Betonplattenstraße zum Flughafen Heringsdorf. Dort geht es links und damit ggf. direkt unter einem gerade startenden oder landenden Flugzeug hindurch (ziehen Sie also ruhig mal den Kopf ein, man weiß ja nie), bevor die Strecke ordentlich abfällt und Sie Zirchow erreichen. Dort knickt die Vorfahrt rechts ab, und Sie halten sich gleich darauf halbrechts, um dem betonsteingepflasterten Geh- und Radweg zu folgen, der sogleich einen Anstieg beschert.

Bald einen Eisenbahndamm unterquerend geht es weiter hügelan und damit in den Wald. Kurz vor Garz verlassen Sie diesen, rollen abwärts in den Ort und drosseln besser Ihr Tempo, da man Sie mit recht hoppeligen Betonplatten empfängt. In der Ortsmitte stoßen Sie auf die dort eine Kurve absolvierende Landstraße, biegen links ein und verlassen Sie nur wenige Meter weiter schon wieder nach links, um dem Radhinweis nach Korswandt in die als Radweg(!) ausgeschilderte „Ernst-Thälmann-Straße“ zu folgen – und was machen die Anwohner mit ihren Kfz?

Bald kreuzt die Route wieder den Eisenbahndamm und leitet nahe an die Landstraße, bevor diese mit Rechtsschwenk gequert wird. Nun heißt es, tief durchatmen; denn es folgt auf dem einspurigen Asphaltweg ein recht ordentlicher Anstieg hinauf in den Wald. Zwar verlieren Sie dort auch mal an Höhe, müssen diese aber zurückerobern, bevor der Wald verlassen wird und Sie den Ausblick (u.a. auf einen Golfplatz) sowie die Abfahrt hinunter nach Korswandt genießen dürfen.

Im Ort stoßen Sie auf die (ehemalige) B 110, biegen rechts auf den Geh- und Radweg ab und versetzen alsbald rechts/links, um auf dem Geh- und Radweg unweit des Sees zum Ortsende zu radeln. Dort wird die B 110 gequert, ein Linksbogen um ein Anwesen geschlagen und gleich darauf rechts auf eine alte Asphaltbahn abgebogen, die einen beachtlichen Anstieg beschert.

Wenn dieser gemeistert ist, können Sie bei einem Rastplatz verschnaufen und darauf achten, daß die Route wenige Meter weiter links abknickt, bevor es steil abwärts geht. Ahlbeck erreichen Sie unweit südöstlich des Bahnhofs, wechseln beim Bahnübergang auf die Fahrbahn der (ehemaligen) B 110, radeln derart zur Einmündung in eine Vorfahrtberechtigte und biegen links in diese ein. Vorbei am Bahnhof linker Hand absolviert die Straße erst einen Rechts-, dann einen Linksbogen, und Sie biegen gleich darauf nach dem Fußgängerübergang rechts in die „Seestraße“ ab, um zur Strandpromenade zu fahren, wo diese Etappe endet.

 

Info

Bäderarchitektur in den drei Kaiserbädern auf Usedom, Radweg Berlin - UsedomAhlbeck, Heringsdorf und Bansin, 3-6 m ü.N.N., 9.400 Einw., sind im Verlaufe der Jahrzehnte entlang der beinahe endlosen Strandpromenade zusammengewachsen und bilden seit 2005 auch eine Gemeinde, die sich zunächst 'Dreikaiserbäder' nannte, inzwischen aber schlicht 'Heringsdorf' heißt. Die Anfänge in den drei Ortsteilen waren durchaus unterschiedlich: Ahlbeck entwickelte sich bereits ab 1852 zum Badeort, Heringsdorf wurde 1879 zum Seebad ernannt und Bansin 1897 nur zu dem Zweck gegründet, ein neues Seebad aus dem Boden zu stampfen. Aber in allen drei Kaiserbädern finden sich unzählige Pensionen und Hotels aus der Anfangszeit des Tourismus, die im damals üblichen eklektizistischen Stil der Gründerzeit errichtet wurden. Alle möglichen Richtungen der Baugeschichte wurden gemischt und auf überkommene Bauweisen der Insel keinerlei Rücksicht genommen, eher schon mal ein Schweizer Chalet an den Strand gesetzt.

Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) besitzen die drei Kaiserbäder ein Flair, das die 'modernen' Badeorte mit ihren Apartmenthäusern nicht bieten können. Bäderarchitektur in den drei Kaiserbädern auf Usedom, Radweg Berlin - UsedomDies ist sicherlich einerseits dem heutigen Zeitgeschmack geschuldet (Nostalgie schwingt beim Betrachten der alten Grand Hotels immer mit), andererseits aber den Proportionen, der Verspieltheit mit Türmchen, Erkern, Loggien und Veranden sowie den Gebäudemassen geschuldet; denn auch wenn die Hotels nicht gerade klein sind, erreichen sie doch bei weitem nicht die Größe der Glas-/Betonschachteln, wie sie an den Stränden Spaniens, Italiens, Frankreichs, Deutschlands usw. usf. zu Tausenden stehen. Und so rühmen sich die drei Kaiserbäder zurecht ihrer Bäderarchitektur und haben ihr sogar eine eigene Website gewidmet: www.baederarchitektur.de.

Wegen der flachen Küste haben alle drei Kaiserbäder eine Seebrücke, und während Heringsdorf mit Stolz darauf verweist, über die längste Seebrücke Deutschlands zu verfügen (508 m), lehnen sich die Ahlbecker bequem zurück, denn ihre Seebrücke ist schon über 100 Jahre alt. Seebrücke in Ahlbeck auf Usedom, Radweg Berlin - UsedomZum Flanieren, zum Sehen und Gesehenwerden gibt es also in allen drei Ortsteilen genügend Möglichkeiten. Und auch für den Fall, daß Petrus mal nicht so recht mitwirken mag, obwohl Usedom zu den sonnenreichsten Gegenden Deutschlands zählt, ist vorgesorgt, und es muß Ihnen nicht langweilig werden. Neben einigen Galerien können Sie dann nämlich in Bansin z.B. die Alte Feuerwehr besuchen, die Hans Werner Richter (1908-1993) gewidmet ist, der sich neben dem Schreiben von Romanen und Hörspielen vor allem der Gruppe 47, eine in der Nachkriegszeit wichtige Schriftstellergruppe, widmete - Waldstraße 1, geöffnet di-so 12-16 h.

Oder Sie schauen im Theaterzelt an der Strandpromenade in Heringsdorf vorbei, wo alljährlich von Mai/Juni bis September die Vorpommersche Landesbühne Anklam gastiert und neben speziellen Kinder- und Jugendprogrammen, Theater, Varieté und Konzerte geboten werden - An der Strandpromenade, www.chapeau-rouge.de.

Oder Sie überprüfen mal, was denn die VIPs von den Kaiserbädern hielten und suchen die Villa Irmgard in Heringsdorf auf; denn dort beschäftigt man sich u.a. damit, welche bekannten (und manchmal auch bedeutenden) Persönlichkeiten einst hier weilten - Maxim-Gorki-Straße 13, geöffnet di-so 10-16 h.

Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin, Radweg Berlin - Usedom Kurverwaltung Ahlbeck, Dünenstraße 45, 17419 Seebad Ahlbeck, Fon 038378 / 499350, Fax 038378 / 499352, E-Mail ahlbeck@drei-kaiserbaeder.de.
Kurverwaltung Heringsdorf, Kulmstraße 33, 17424 Seebad Heringsdorf, Fon 038378 / 2451, Fax 038378 / 2454, E-Mail heringsdorf@drei-kaiserbaeder.de.
Kurverwaltung Bansin, An der Seebrücke, 17429 Seebad Bansin, Fon 038378 / 47050, Fax 038378 / 470515, E-Mail bansin@drei-kaiserbaeder.de.
Internet www.drei-kaiserbaeder.de.

Bansin, Radweg Berlin - Usedom  Übernachtungsmöglichkeiten in Bansin

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Radweg Berlin - Usedom (5)

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